Orthopädie-Chefarzt André Benthien unternahm komplizierte Fußoperation

Stendal, 15. August 2016

Vor der OP. Foto: C. Klupsch

Etwa ein- bis zweimal im Jahr hilft das Team um Dr. André Benthien, Chefarzt der Orthopädie am Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal, Kindern, die die Hilfsorganisation „Friedensdorf International“ nach Deutschland holt. Es sind verletzte oder kranke Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, denen in ihrer Heimat die notwendige medizinische Versorgung verwehrt ist. Bibi aus Afghanistan ist eines von ihnen.

Bibi unternimmt erste Gehversuche im Beisein von Dr. André Benthien. Foto: C. Klupsch

Bibi ist neun. Sie kommt aus der ländlichen Region um Kundus und musste schrecklich humpeln, weil sie mit einem Klumpfuß geboren wurde. Ihr linker Fuß war nach innen gedreht, die Sohle schaute seitlich nach oben. Hierzulande wird diese gar nicht so seltene Skelettstörung in den ersten Lebenstagen mit einem Gips korrigiert, dann mit etwa 12 Lebenswochen operiert. Genügt es bei einem Säugling, einige Sehnen und Gelenksbänder zu verlängern und einen Gips anzulegen, ist die Korrektur bei einem neunjährigen Kind weitaus schwieriger. „Knochen im Rückfuß, Fußwurzelknochen und Fersenbein mussten durchtrennt und um 60 Grad neu ausgerichtet werden. Versteifungen einzelner Gelenke und die Stabilisierung des Fußgerüstes mit Drähten waren nötig. Die Sehnen, Gefäße und Nerven durften während dieser aufwändigen, rund zweieinhalb Stunden dauernden Operation nicht verletzt werden“, erklärt Dr. Benthien, der sich über den von ihm im April unternommenen geglückten Eingriff freut. In diesen Tagen war Bibi zur Entfernung von Drähten und zur Kontrolle noch einmal in der Klinik. „Sie wird im Gegensatz zu früher auf beiden Beinen laufen können und mit einem entsprechenden orthopädischen Schuh ein normales Gangbild erreichen“, sagt Dr. Benthien voraus.

Als caritative Leistung bezeichnet der Orthopäde den Eingriff und dankt dem Krankenhaus. „Die Leistungen sind von meinem Team und mir unentgeltlich erbracht worden. Das Kind isst wie ein Spatz, belegt nur einige Zeit das Krankenbett.“ Ein Johanniter-Krankenhaus sei nicht nur der  Wirtschaftlichkeit, sondern dem Menschen verpflichtet, betont der Arzt.

Bibi kehrt in wenigen Tagen zu ihren Eltern nach Afghanistan zurück. Ohne die Operation in Stendal hätte ihr in ihrer Gesellschaft ein Schicksal als Ausgestoßene gedroht. Nun, mit ihrem neuen Fuß hat sie eine Chance.