Schonendes Therapieverfahren bei Herzklappenfehler

Stendal , 17. Januar 2017

Die Klinik für Kardiologie und Angiologie im Zentrum für Innere Medizin des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal geht weiter innovative Wege. Seit neuestem kommt das MitraClip-Verfahren bei Herzklappenfehlern zum Einsatz. „Das neue minimal-invasive Verfahren ermöglicht, ohne Operation und ohne Eröffnung des Brustkorbes die Undichtigkeit der Mitralklappe zu beheben“, so Chefarzt PD Dr. Michael Gross.

Hintergrund: Viele Menschen leiden an Herzklappenfehlern und damit verbundener Atemnot und Leistungsschwäche. Als Mitralinsuffizienz – eine der häufigsten Herzklappenfehler – wird eine unvollständige Schlussfähigkeit der Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linkem Ventrikel (Mitralklappe) bezeichnet. Diese Undichtigkeit bewirkt, dass ein Teil des Blutes nicht in den Körper fließt, sondern in den linken Vorhof zurück und damit in die Lungen, wodurch sich die Luftnot der Patienten erklärt. Zur Kompensation steigert das Herz seine Leistung und erleidet langfristig Folgeschäden.

Bisher konnte der Herzklappenfehler nur durch eine chirurgische Operation, bei der die Mitralklappe rekonstruiert oder komplett ersetzt wurde, behoben werden. „Eine solche OP am offenen Herzen bei Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist eine enorme Belastung insbesondere für geschwächte Patienten“, so PD Dr. Gross.

Der Arzt erklärt: „Mit dem neuen Verfahren wird mittels spezieller Herzkathetertechnik ein Clip durch die Leistenvene des Patienten bis zur Mitralklappe geführt. An der Spitze des Katheters befindet sich der Clip, der dann mittels Röntgen und Ultraschallkontrolle im Herzkatheterlabor an der richtigen Stelle zwischen den Segeln der Mitralklappe platziert wird.“ Sobald der Clip an der richtigen Stelle sitze, würden die Katheter entfernt werden und der Eingriff sei beendet. „Der MitraClip ist eine mit körperfreundlichem Material überzogene Klammer, die die beiden Segel der Mitralklappe miteinander verbindet. So ist ein besserer Klappenschluss gewährleistet. Der Herzklappenfehler wird reduziert, weniger Blut fließt in die falsche Richtung.“

Die Patienten sind in der Regel schon am nächsten Tag wieder gehfähig, können nach nur kurzem Klinikaufenthalt entlassen werden - anders als beim schweren chirurgischen Eingriff. Eine weitere Betreuung zur Medikamenteneinstellung und regelmäßige Kontrollen der Herzklappe schließen sich an. „Mehr Lebensqualität kehrt zurück – genau das wollen wir für unsere Patienten erreichen“, so PD Dr. Gross.

Um den Herzklappenfehler zu beheben, genügt jetzt der Eingriff im Herzkatheterlabor, der eine schwere chirurgische OP mit Eröffnung des Brustkorbes ersetzt. Foto: C. Klupsch

MitraClip Foto: C. Klupsch