„Wir sind uns näher als du denkst“

Stendal, 17. Juli 2017

Krankenpflegeschüler führten „Theas Reise“ beim Wittenberger Reformationsfest auf

Die Johanniter beteiligen sich aktiv am Reformationsfest in Wittenberg. So gestalteten die Johanniter GmbH und das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal vergangene Woche einen „Interreligiösen Dialog“ mit Theaterstück und Gesprächsrunden.

Krankenpflegeschüler des Johanniter-Krankenhauses hatten ihren großen Auftritt. Sie führten „Theas Reise“ im Garten des Johanniterhauses Wittenberg auf. Seit Februar hatten sich die 29 Schüler in einem Projekt mit Christentum, Islam und Judentum befasst. Sie sind selbst unterschiedlichen Glaubens, in ihrem Krankenhaus arbeiten sie mit Kollegen aus mehr als 20 Ländern zusammen. „Wir haben viel mit- und voneinander gelernt, besuchten eine Moschee und den Stendaler Dom, sahen im Theater das Stück `Ein ganz gewöhnlicher Jude´“, berichtet Claudia Vogt. Ihr Mitschüler Bajram Saitovic findet gut, dass allen klar wurde, wie verwandt die drei Religionen sind. Lehrerin Dina Maurer bemerkte, wie die Klasse während des Projektes mehr und mehr zusammenwuchs und sich Spannungen lösten.

Höhepunkt des Projektes war die Erarbeitung der Szene „Theas Reise“, die die Schüler unter Anleitung der Theaterpädagogin Dina Wälter vom Theater der Altmark einstudierten. Eine Requisitengruppe der Klasse entwarf und baute das Bühnenbild.

Die Szene erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Thea, das in Jerusalem auf einen Moslem, eine Jüdin und eine Christin trifft. Sie diskutieren lebhaft gesellschaftliche und religiöse Themen. Die nicht-gläubige Thea stellt kritische Fragen, äußert jugendlich-aufmüpfige Ansichten, fordert ihre Gesprächspartner heraus. Sie bekommt Einblicke in Glauben und Werte der drei Religionen, für die die heilige Stadt Jerusalem gemeinsamer Schnittpunkt ist. „Wir sind uns näher als du denkst“, heißt es im Text.

Liefen einige Proben noch holprig, klappten die zwei Aufführungen hervorragend. Die 20 Spielenden begeisterten ihr Publikum. Sie agierten wunderbar miteinander, der Sprechchor verursachte Gänsehaut, die deutsche syrische Musikergruppe aus Karsten Schwarze, Maher Alkarak und Jule Seyer begleitete das Theaterspiel mit zu Herzen gehender Musik.

Das Theaterspiel lieferte Inspiration für die im Anschluss eingerichteten Dialogtische. Weitere Mitarbeiter des Johanniter-Krankenhauses, insbesondere die Mitglieder des von Pfarrer Ulrich Paulsen initiierten Christlich-muslimischen Gesprächskreises sowie Mitglieder der muslimischen Gemeinde Stendal waren mit nach Wittenberg gereist. Denn nach dem Theaterspiel sollte Gelegenheit zur Diskussion eröffnet werden. An Dialogtischen diskutierten Mitwirkende und Besucher Themen wie „Ort des Gebetes - meine Kirche, deine Moschee, unser Gebetsraum“, „Barmherzigkeit gegenüber jedermann und warum wir immer wieder Grenzen ziehen“ und „Verständnis der Schrift - unübersetzbarer Koran, vielfach übersetzte Bibel“. Eine Schülerin brachte es auf den Punkt: „Sätze, die im Theaterstück fielen, waren jetzt fast in gleicher Wortwahl an den Dialogtischen zu hören.“

Am 26. September 2017, 19 Uhr wird „Theas Reise“ erneut aufgeführt – diesmal im Theater der Altmark innerhalb der vom Landkreis veranstalteten „Interkulturellen Woche“. Auch zu anschließender Diskussion wird wieder eingeladen.

An den sich dem Theaterstück anschließenden Thementischen kam es zu regem Austausch. Fotos: Klupsch

Die skeptische Thea (ganz links) fordert ihre Gesprächspartner mit ihren Fragen und Ansichten heraus.