Ein Menschenfreund geht - aber nicht so ganz

Mönchengladbach, 05. Juli 2017

v.l.n.r., v.u.n.o.
1. R.: Prof. Hidding, Prof. Rothamel
2. R.: H. Häfner, PD Dr. Tittel, M. Schroeren
3. R.: Dr. Gloystein, Dr. Windmann

Es sind die Kinder, denen sein Herz besonders gehört. Manche der kleinen Patienten kennt er von deren zweiten Lebenstag an. „Bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte wird am Tag nach der Geburt die Gaumenplatte eingesetzt“, erklärt Professor Johannes Hidding, Chefarzt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie am Ev. Krankenhaus Bethesda der Johanniter. Später folgen mehrfache Operationen, Kontrollen und kieferorthopädische Behandlungen bis ins Erwachsenenalter. Dieser dauerhafte Kontakt zu seinen Patienten ist etwas Besonderes für den Chefarzt, der jetzt nach achtzehnjähriger Tätigkeit am Bethesda, sechzehn davon als Chefarzt, in den Ruhestand geht.

In den fast zwei Jahrzehnten seiner Arbeit am Bethesda hat sich in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie viel getan. Tumoren werden heute radikaler entfernt, Schnitte sind kleiner, die Spaltchirurgie ist feiner geworden. OP-Mikroskope und CO2-Laser haben Einzug gehalten. „Die Technik hat große Fortschritte gemacht“, erklärt Hidding, der eine Professur in Köln inne hatte, bevor er ans Bethesda wechselte. Der Forschung gehörte auch weiterhin sein Engagement. „Tüfteln“ nennt er das. 1600 stationäre Patienten und über 6000 ambulante Fälle pro Jahr profitierten von seiner fachlichen Kompetenz, aber auch angehende Ärzte, denen er in OP-Kursen die Feinheiten seines Fachs vermittelte. Was ihn in dieser Zeit störte: dass trotz wachsender Budgets überall im Gesundheitswesen Engpässe auftraten, die es zu schultern galt, damit die Patienten nicht darunter litten. „Ich habe immer bewundert, wie konstruktiv er Veränderungen umgesetzt hat“, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Andreas Tittel über den scheidenden Kollegen. „Er hatte immer eine Vorbildfunktion.“

Arzt war der Traumberuf des gebürtigen Niedersachsen Johannes Hidding. Und als MKG-Chirurg hat er eine besonders lange und anspruchsvolle medizinische Ausbildung hinter sich gebracht: er hat nicht nur Humanmedizin, sondern auch Zahnmedizin studiert und jeweils mit Promotion abgeschlossen. Sechzehn Jahre dauert dieser Weg insgesamt. Ob das nur mit der „Lust am Reparieren“ zu erklären ist, wie er lapidar feststellt? Da spielt mit Sicherheit eine große Leidenschaft für den Menschen eine Rolle. Die zeigt sich immer wieder in seinem karitativen Engagement. Über viele Jahre arbeitete er mit der Aktion Friedensdorf International zusammen und versorgte mehr als fünfzig Kinder aus Krisenregionen wie Afghanistan oder Angola operativ. Kinder, die keine Nahrung mehr zu sich nehmen konnten, weil das Kiefergelenk gebrochen war oder eine Gaumenspalte nicht behandelt wurde. Und die gesund in ihre Heimat entlassen werden konnten. Wenn die Kinder nicht nach Deutschland kamen, reiste er zu ihnen – nach Vietnam und nach Südamerika. Allein acht Mal war er in Peru, wo die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte besonders verbreitet ist, und operierte mit einem ehrenamtlichen Bethesda-Team Kinder, die sonst nicht behandelt worden wären. Damit wird er auch nicht aufhören, nur weil er in den Ruhestand geht. „Ich werde weiter in Peru operieren“, sagt Hidding. Außerdem will er viel Sport treiben, Golfspielen lernen und wieder mit dem Klavierspielen beginnen.