Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein

Mönchengladbach, 23. Oktober 2017

Methadon ist nicht die Lösung bei Brustkrebs

Beim Patientinnenkongress des Brustzentrums Niederrhein informieren sich Betroffene über die neuesten Forschungsergebnisse.

Es passiert gerade viel in der Brustkrebsttherapie.

Methadon, in Deutschland in erster Linie in der Drogenersatztherapie eingesetzt, ist in den vergangenen Jahren als Mittel gegen Krebs hochgejubelt worden. PD Dr. Oleg Gluz vom Brustzentrum Niederrhein bremst beim Patientinnenkongress im Ev. Krankenhaus Bethesda die Euphorie. Es sei nicht unbedingt Unfug, aber es gebe auch keinen handfesten klinischen Beweis für die Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie, stellt der Oberarzt fest.

Nur eine einzige Studie liegt vor und die wurde in Israel mit wenigen Drogenabhängigen durchgeführt. Die Ergebnisse sind für den Alltag praktisch nicht verwendbar. „Im Reagenzglas konnte eine Antikrebs- Wirkung nachgewiesen werden, aber bis zur klinischen Studie ist noch ein weiter Weg zurückzulegen“, erklärt Gluz vor mehr als 300 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Gut untersucht sind hingegen Medikamente, die den Erfolg der Antihormon-Behandlung bei Brustkrebs um das Doppelte steigern und dabei besser verträglich sind als die klassische Chemotherapie. „Von diesen CK4/6 Inhibitoren werden wir demnächst noch viel hören und wir sind froh diese Substanzen ebenso wie die neuesten Immuntherapien unseren Patientinnen sehr früh im Rahmen von Studien zur Verfügung stellen zu können“ so Prof. Dr. Ulrike Nitz, Leitung des Brustzentrums Niederrhein. Noch können die Erfolge von Immuntherapie, die bei Blasen- und Hautkrebs gesehen wurden, bei Brustkrebs nicht nachvollzogen werden, aber „wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung“. Eine für die Betroffenen eminent wichtige Nachricht ist die Tatsache, dass nach der OP die Chemo immer häufiger ohne Sicherheitsrisiko vermieden werden kann. Muss doch eine Chemotherapie durchgeführt werden, so steht seit kurzem ein Kopfhautkühlsystem zur Verfügung, welches in bis zu 40 % der Fälle den gefürchteten Haarausfall verhindern kann.

Über 500 Gene beeinflussen die Entstehung und Entwicklung von Krebs. „Durch den Einsatz des genetischen Fingerabdrucks können wir schon jetzt bei zwanzig bis dreißig Prozent der Patientinnen auf die Chemotherapie verzichten“, erläutert Gluz die Entwicklung. PD Dr. Graeser, Oberärztin des Brustzentrums und zuständig für erblichen Brustkrebs, erläutert den Stand der Genforschung in diesem Bereich. „Es ist wichtig, eine individuelle Beratung durchzuführen, um zu optimalen Früherkennungs- und Behandlungsstrategien zu kommen. Oft kann die Angst genommen werden."

Aus dem OP berichtet Oberärztin Elena Bensmann über seit kurzem eingesetzte gewebeschonendere Techniken zum präzisem Operieren wie ein Kaltstrommesser (Plasmablade) am Brustzentrum Niederrhein. Somit kann bei besonders komplizierten Fällen das Risiko einer Wundheilungsstörung deutlich minimiert werden.

Das Team des Brustzentrums Niederrhein war sehr zufrieden mit dem Echo des Patientinnenkongresses und wird nächstes Jahr versuchen, den diesjährigen Erfolg zu wiederholen.