Systemische Therapie

Die Operation ist ein wichtiger, aber in der Regel nicht der einzige Schritt der Behandlung der bösartigen Geschwulste der Brust.
Moderne Untersuchungen konnten zeigen, dass der Brustkrebs keine lokale, sondern eine systemische Erkrankung sei. Somit sind in meisten Fällen neben der Operation und Bestrahlung auch die Therapieformen wichtig, die im ganzen Körper wirken können, um neben dem lokalen Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv), auch den systemischen Rückfall (Metastasen) zu verhindern.
Dazu zählen Anti-Hormontherapie, Chemotherapie und Immuntherapie. Welche Therapien dann zum Einsatz kommen, hängt in erster Linie von klinischen (exakte Größe des Knotens, Anzahl der befallenen Lymphknoten, Differenzierungsgrad) und biologischen Eigenschaften (Hormon- und Wachstumsfaktor-Rezeptorenbesatz, Invasionsfaktoren (PAI-1, UPA) usw.) des Tumors ab. Das sind alles Faktoren, die im Rahmen der feingeweblichen Untersuchung diagnostitziert werden und dann im Rahmen unserer wöchentlichen onkologischen Konferenzen gemeinsam von Senologen, Pathologen, Strahlentherapeuten und niedergelassenen Kollegen gemeinsam diskutiert werden, um eine massgeschneidete Therapie jeder Patientin empfehlen zu können.

Hormontherapie

Ca. 70% aller Brustkrebse enstehen unter dem Einfluss der weiblichen Hormone. D.h. dass die Krebszellen auf ihrer Oberfläche bestimmte Andockstellen für Hormone haben (Hormonrezeptoren), die damit auch für die weitere Behandlung von großer Bedeutung sind.
Die Anti-Hormontherapie gilt bis heute als eine der besten zielgerichteten und nebenswirkungsärmeren Therapieoptionen in der Onkologie. Diese Therapie wird meistens in Tablettenform im Regelfall über 5 bis 10 Jahre gegeben. Aktuelle Ergebnisse der Studien bei über 300000 Patientinnen zeigen, dass der Einsatz der antihormonellen Therapien in den letzten 20-30 Jahren das Rezidivrisiko von Brustkrebs um etwa die Hälfte reduzieren konnte. Im Moment stehen uns drei Therapieoptionen zur Verfügung: Blockade des Hormonrezeptors auf den Zellen (z.B. durch Tamoxifen), Blockade der Hormonproduktion entweder peripher (z.B. Aromataseinhibitor) oder auf der ZNS Ebene (GnRH Analoga). Welche Therapieoption für Sie die bestwirksamste ist, wird aufgrund von mehreren Charakteristika (vor allem Alter, Kinderwunsch, Begleiterkrankungen) immer individuell entschieden.

Chemotherapie

Zweiten wichtigen Baustein der Krebsbehandlung stellt die Chemotherapie dar. Wie bei vielen anderen Krebsarten macht die Chemotherapie auch beim Brustkrebs die viel schnellere und ungehemmte Teilung der Krebszellen zum Nutzen, die dann durch bestimmte Medikamente vernichtet werden können. In meisten Fällen wird diese Form der Therapie über Vene verabreicht. Es muss grundsätzlich zwischen der prophylaktischen (neo/adjuvanten) und palliativen Therapie unterschieden werden.
Die prophylaktische Chemotherapie dient vor allem der Vernichtung der eventuell vorhandenen mikroskopischen kleinen Tochtergeschwülste (Mikrometastasen), die im Rahmen der Diagnostik nicht festgestellt werden können. In besonderen Fällen (z.B. bei fortgeschrittenen Befunden oder bei besonderen biologischen Formen), wird diese Therapie auch vor der Operation (neoadjuvant) eingesetzt, um die Operationsfähigkeit erst zu ermöglichen. Die palliative Therapie kommt zum Einsatz, falls die Streuung (Metastasierung) stattgefunden hat. Es wird versucht die angesiedelten Tumorzellen zu zerstören, um vor allem die Symptome der Metastasierung zu lindern. Vor allem durch die enge Kooperation mit der Westdeutschen Studiengruppe und mit anderen Arbeitsgruppen weltweit, werden am Brustzentrum Niederrhein die modernsten Optionen der Chemotherapien im Rahmen der Studien untersucht. Weitere Informationen finden Sie unter Studien.

Immuntherapie

Seit kurzem hat auch die Antikörper-Therapie Einzug in die Behandlung von Brustkrebs gefunden. Antikörper sind zielgerichtet wirkende Eiweißmoleküle, die gegen bestimmte Angriffspunkte auf der Oberfläche der Krebszellen funktionieren. Ein hervorragendes Beispiel für solche Therapie ist Trastuzumab (Herceptin), welches gegen den Her-2 Wachstumsfaktor, der bei ca. 20% der Brustkrebse vorhanden ist, wirksam ist. Seit 2005 steht dieses Medikamnt auch für die prophylaktische Anwendung zur Verfügung, da Untersuchungen eine ca. 50% Risikoreduzierung durch dessen Einsatz gezeigt haben, was nicht zuletzt der Arbeit der Arbeitsgruppe um Frau Prof. Nitz an der Uni-Klinik Düsseldorf zu verdanken war. Neuerdings stehen weitere Medikamente zur Verfügung, die sowohl gegen weitere Wachstumsfaktoren wirken als auch beispielsweise die Sauerstoffversorgung der Tumorzellen hemmen können. Viele davon werden auch aktuell im Rahmen von Studien untersucht. 

Kopfhautkühlhauben
Studien und Ergebnisse