Reinraumlabor für höchste Medikamentensicherheit

Treuenbrietzen, 30. April 2018

Reinraumlabor für höchste Medikamentensicherheit

Durch zwei aufeinanderfolgende Materialschleusen werden die Stoffe bis zur Verarbeitung gereicht. V. Sommermeier steht hinter der ersten Schleuse, die zweite ist im Hintergrund zu sehen. Konstante 22 °C herrschen im Reinraumlabor. Foto: I. Tessnow

Durch zwei aufeinanderfolgende Materialschleusen werden die Stoffe bis zur Verarbeitung gereicht. V. Sommermeier steht hinter der ersten Schleuse, die zweite ist im Hintergrund zu sehen. Konstante 22 °C herrschen im Reinraumlabor. Foto: I. Tessnow

Umfangreiche bauliche Modernisierungsmaßnahmen in der Apotheke des Johanniter-Krankenhauses im Fläming Treuenbrietzen haben die Medikamentensicherheit in der Zytostatika-Herstellung auf höchstes Niveau gehoben. Seit Mitte April 2018 verfügen die Räume über alle Sicherheitsvorkehrungen, die es in dem Bereich geben kann und die Apotheke ist sind für die Zukunft in Bezug auf diese Herstellung für die nächsten 10-15 Jahre optimal aufgestellt.

Die geänderte Apothekenbetriebsordnung machte es nötig, die vorhandene Ausstattung nach 8 Jahren zu modernisieren und an die neuen gesetzlichen Forderungen anzupassen. Dazu wurden ca. 200.000 EUR investiert, doch es lohnt sich: Unter dem Strich profitiert das Haus von der eigenen Versorgung, denn die Herstellung von Medikamenten für die Chemotherapie ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden und bei Fremdanbietern entsprechend kostspielig. Doch nicht nur das: Als Lungenkrebszentrum liegen weitere Vorteile für die Patienten auf der Hand. Es gibt kurze Wege und die patientenindividuellen Zubereitungen für Chemo- und Immuntherapien können zeitnah hergestellt und verabreicht werden.

Vom 10.02. bis 13.04.2018 wurden die umfassenden und anspruchsvollen Umbaumaßnahmen für das sog. Reinraumlabor umgesetzt.Es wurde neuen Be- und Entlüftungstechnik mit großem apparativem Aufwand eingebaut. Dabei wird die Luft über unterschiedliche Filterstufen geleitet, entsprechend klimatisiert und entfeuchtet. Zudem wurden eine zweite Personenschleuse sowie zwei neue Materialschleusen in den Herstellungsbereich integriert. Dazu kamen ein neuer fugenfreier Fußbodenbeleg, neue Decken, Reinraumfenster und Reinraumtüren. Zwischen den einzelnen Räumen bestehen Druckunterschiede, die dafür sorgen, dass keine Keime hineingelangen und keine Zytostatika nach außen strömen können.

Viele Maßnahmen tragen dazu bei, das fertige Produkt in der höchstmöglichen Qualität für den Patienten bereit zu stellen und dabei die herstellenden Mitarbeiter zu schützen, denn bei den zu verarbeitenden Zytostatika handelt es sich um Gefahrstoffe mit toxischen Eigenschaften.Man kann ein solches Reinraumlabor durchaus mit einem Hochsicherheitstrakt vergleichen. Es gelten strengste Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften wie z. B.

  • der Bereich darf nur mit kompletter Reinraumkleidung inkl. Reinraumunterwäsche betreten werden
  • kein Aufenthalt im Reinraum ohne Notwendigkeit
  • keine hektischen Bewegungen
  • Haut- und Atemwegserkrankungen sind zu vermeiden
  • strenges Verbot für Getränke, Nahrungsmittel, Taschentücher, Bleistifte, Radiergummis oder Papier - alles, was Partikel absondern könnte, und seien diese noch so klein.

Die anspruchsvollen Umbaumaßnahmen verliefen im geplanten Zeitfenster, zügig und unkompliziert. Erbracht wurden diese Leistungen durch Fremdfirmen und hauseigene Handwerker des Johanniter-Krankenhauses. Dies hat vieles erleichtert und die Inbetriebnahme kann nach einem Probebetrieb pünktlich starten.