Beste Noten für Erstorientierungskurse

Deutschunterricht für Flüchtlinge

Foto: Sean Gallup

Von August 2016 bis Juni 2017 setzte die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. bundesweit 77 Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung für geflüchtete Menschen um. Insgesamt nahmen etwa 2400 Geflüchtete an den Kursen teil. In den 300 Stunden-Kursen werden Wissen zum Alltag und den Gepflogenheiten in Deutschland sowie erste Deutschkenntnisse vermittelt.

Zum Abschluss des Modellprojektes haben die Johanniter im März 2017 das Unternehmen Syspons GmbH mit einer Evaluation beauftragt, um die Zielerreichung und Wirkungen der Kurse zu messen und gleichzeitig Erfolgsfaktoren und Verbesserungsbedarfe zu identifizieren. Ausgewertet wurden zwischen März und Juni dieses Jahres 299 Fragebögen aus 22 Kursstandorten. Die Ergebnisse wurden in einem Workshop mit sechs Lehrkräften validiert.

Jetzt liegen die Ergebnisse der externen Evaluation vor. Die 299 befragten Teilnehmer gaben Bestnoten: Die Kurse helfen ihnen erheblich, sich in Deutschland zu Recht zu finden und den Alltag zu bewältigen.

Die Ergebnisse der Befragung in Auszügen:

  • Relevanz der Kursthemen: Das Alltagsleben sowie die Themen Einkaufen, Wohnen, Gesundheit, Werte und Zusammenleben sind von besonderer Relevanz für die Teilnehmenden. Das Interesse, die deutsche Sprache zu erlernen, ist sehr groß.
  • Rahmenbedingungen und Kursgestaltung: Mehr als 90 Prozent der Teilnehmenden gibt an, dass in dem Kurs ohne Druck lernen können und dass sich die Lehrkraft an die unterschiedlichen Teilnehmenden anpasst. Sie können dem Unterricht gut folgen und fühlen sich wohl, im Kurs ihre Meinung zu sagen.
  • Wirkungen: Die Kurse helfen, Aktivitäten des Alltags zu bewältigen und sich im Nahumfeld besser zu Recht zu finden. Die Teilnehmenden erwerben – unabhängig ihrer vorherigen Schulbildung - grundlegende Deutschkenntnisse für Ihren Alltag. Die Auseinandersetzung mit zentralen Grundrechten und Werten in Deutschland zeigt Wirkung bei den Teilnehmenden. So konnten die Teilnehmenden für Gleichberechtigung und Religionsfreiheit erfolgreich sensibilisiert werden.
  • Zusätzliche Wirkungen: Die Kurse bieten den Teilnehmenden eine sinnvolle und wichtige Strukturierung des Alltags und fördert das soziale Miteinander der Bewohnerinnen und Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte. Zudem führen sie die Teilnehmenden an weiterführende Lernangebote heran, indem sie unterschiedliche Lehr- und Lernformate vermitteln.
  • Handlungsempfehlungen: Die wichtigste Empfehlung der Evaluation ist es, die Niederschwelligkeit des Kurses hinsichtlich der Zugangsvoraussetzungen, die flexible Gestaltung der Inhalte und der Lehrmethoden beizubehalten. Frauen können in einem weit höheren Maße zur Teilnahme an den Kursen gewonnen werden, wenn eine Kinderbetreuung zur Verfügung steht.


Nach dem erfolgreichen Modellprojekt starten die Johanniter im Juli und August 2017 neue Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung für geflüchtete Menschen in acht Bundesländern. In Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sollen bis Ende Juni 2018 mehr als 260 Kurse mit einem Umfang von bis zu 300 Stunden angeboten werden.

Den vollständigen Evaluationsbericht können Sie als PDF (740 KB) herunterladen.