Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Die Johanniter betreiben in Berlin zwei Aufnahmeeinrichtungen für Jugendliche, die allein geflohen sind oder von ihren Eltern getrennt wurden. Johanniterin Viola Winterstein ist seit Juli Koordinatorin dieser Einrichtungen. Die 39-jährige Sozialpädagogin kennt die Nöte und Ängste der Jugendlichensowie die Probleme vor Ort. Im Interview erzählt sie uns, wie die Johanniter helfen und was wirklich benötigt wird.

Was ist das Besondere an diesen beiden Einrichtungen?

Wir betreuen 118 junge Flüchtlinge, die allein nach Berlin kamen. Manche der 14- bis 18-jährigen Jugendlichen haben ihre Heimat in Afghanistan, Syrien oder Nord-Afrika verlassen, weil ihre Eltern nicht mehr leben. Andere wurden auf der Flucht von Eltern und Geschwistern getrennt. Sie alle suchen Schutz vor Krieg, Verfolgung und Armut.

Alleinreisende minderjährige Flüchtlinge haben bei uns einen gesetzlichen Anspruch auf einen Vormund. Bis der Anspruch rechtens wird, müssen sie teils lange warten, weil die Behörden aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen überlastet sind. In dieser Zeit leben sie bei uns.

Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit?

Unser Anspruch ist es, den Jugendlichen in der Zeit des Wartens, eine Willkommensgefühl und eine ganzheitliche Betreuung zu bieten. Wir wollen sie nicht nur vor Obdachlosigkeit bewahren. Das heißt, sie brauchen nicht nur eine Bett und Essen, sondern pädagogische, psychologische und medizinische Betreuung und eine möglichst abwechslungsreiche Freizeitgestaltung. Das alles muss von unserem Personal und unseren Ehrenamtlichen abgedeckt werden. Wichtig ist auch das Erlernen der deutschen Sprache.

Mit welchen Problemen haben die Jugendlichen zu kämpfen? Haben Sie ein Beispiel für uns?

Die Probleme sind vielfältig. Sie reichen vom physischen und psychischen Leiden bis hin zur Gewöhnung an das deutsche Essen und deutsche Gewohnheiten. Sie müssen mit dem Fehlen an Privatsphäre leben und dem traumatischen Verlust der Familie und Freunde.

Welchen Einzelschicksalen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit?

Es gibt sehr erschütternde Schicksale, mit denen wir konfrontiert sind. Ein besonders bewegendes ist die Geschichte eines Jungen, der über Armschmerzen klagte. Schlepper hatten ihm eine handgroße Brandwunde zugefügt, weil er nicht bezahlen konnte. Er wurde gebrandmarkt, als Abschreckung für andere. Ein anderer Junge erzählte, dass er von seinen Eltern getrennt wurde, als sie vor Italien von ihrem Boot in kleinere Boote verteilt wurden. Seitdem hat er sie nicht wieder gesehen und sich allein nach Berlin durchgeschlagen. In vielen Geschichten geht es um Hunger und Gewalt.

Wie geht es für die Jugendlichen nach dieser Einrichtung weiter?

Wenn die Jugendlichen als Minderjährige anerkannt worden sind, werden sie vom Jugendamt in Obhut genommen, es wird geprüft, ob eine Familienzusammenführung organisiert werden kann. Alternativ muss ein Vormund gesucht und ein Platz in einer Jugendhilfeeinrichtung gefunden werden. Leider sind dort kaum Plätze vorhanden. Der Schulbesuch ist erst nach dem Aufenthalt in unseren Einrichtungen möglich.

Wie können die Menschen Sie unterstützten?

Die Jugendlichen kommen nur mit dem, was sie am Leib haben. Solange sie bei uns leben, haben sie keine bzw. sehr eingeschränkte Leistungsansprüche. Somit sind wir auf Geld-Sach-Zeit-Spenden angewiesen, damit sie eine Chance an gesellschaftlicher Teilhabe haben. Der Bedarf reicht von Bekleidung und Schuhen, Hygieneartikeln über Schulmaterialien und Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber auch Freizeitangebote mit persönlichen Bezugspersonen werden benötigt.

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