"Ich wünsche mir, nach Hause gehen zu können"

Als wir Basmala im Frühjahr 2015 das erste Mal in unserem Projekt für traumatisierte Kinder in Jordanien trafen, waren wir sehr beeindruckt von dem damals 11-jährigen Mädchen. Gefasst und ruhig erzählte sie uns von dem Giftgasangriff in ihrer syrischen Heimat, bei dem ihr Vater ums Leben kam. (Sehen Sie hier ein Video über Basmalas Geschichte und wie wir sie und andere Kinder in Jordanien unterstützen).
Fast ein Jahr später haben unsere Kollegen vor Ort sie erneut besucht und gefragt, wie es ihr heute geht.
Basmala lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder inzwischen in einem Wohnheim für verwitwete Frauen. Von der lokalen Gesellschaft, die das Haus unterhält, bekommen sie monatlich auch etwas Geld für Lebensmittel und andere Dinge.

Basmala, wie geht es Dir?
Eigentlich geht es mir sehr gut und ich bin glücklich, auch wenn ich gleich in der Schule einen Sozialkundetest schreiben muss. Aber ich habe viel gelernt und bin gut vorbereitet.

Kommst Du gut zurecht in der Schule?
Ja, inzwischen schon. Am Anfang war es für mich nicht so leicht die Tests zu bestehen oder bei gemeinsamen Aktivitäten mit meiner Klasse mitzumachen. Das ist jetzt anders. Meine Noten sind viel besser, dafür hat mich meine Lehrerin gelobt und mit meiner Klasse versteh ich mich auch.

Hat Dir das Projekt dabei geholfen?
Die Therapiestunden haben mir in dieser Zeit sehr geholfen. Aber meine Gefühle sind noch die gleichen. Ich denke es dauert noch bis ich die Erinnerungen vergessen kann und es irgendwie weitergeht.

Was hat Dir am besten gefallen an den Therapiestunden?
Ich mochte es am liebsten, wenn wir gemalt haben. Einmal kam auch ein Künstler und hat uns Mal- und Zeichentechniken gezeigt. Unsere Bilder haben wir anschließend an der Wand ausgestellt. Die Betreuerin hat uns immer das Gefühl gegeben, dass wir etwas Tolles erreicht haben und wir waren richtig stolz.

Wie gefällt es Dir in Amman?
Ich bin froh hier zu sein, hier fühle ich mich sicher. Aber ich war glücklicher, als ich noch in Syrien war. Hier ist nichts falsch aber ich vermisse meine Familie, besonders meinen Bruder, der bei dem Angriff auf unser Haus gestorben ist. Es wäre schön, wenn ich wenigstens ein paar von meinen Sachen hier hätte.
Aber ich freue mich, dass ich hier in Amman viele neue Menschen kennenlerne und neue Freunde gefunden habe.

Ist es möglich, Kontakt zu Deinen Freunden in Syrien zu halten?
Nein, ich habe nichts mehr von meinen Freunden gehört, seit unser Dorf attackiert wurde. Mit einer Freundin lag ich zusammen im Krankenhaus aber ich weiß nicht, ob sie überlebt hat oder ob sie gestorben ist.

Weißt Du, wie es in Deinem Heimatort heute aussieht?
Nein, ich weiß nicht mal, ob unser Haus noch steht. Nach der Chemiebombe sind wir einfach nur weg und hier her nach Jordanien geflohen.

Was wünschst Du Dir für das nächste Jahr?
Ich wünsche mir, dass ich in der Schule noch besser werde, die fünfte Klasse bestehe und in die sechste Klasse gehen kann. Aber wenn der Krieg vorbei wäre, dann wünsche ich mir am meisten, nach Hause gehen zu können und mein Leben wieder zu haben.

Wenn Sie unser Projekt in Jordanien für traumatisierte Kinder aus Syrien unterstützen möchten, dann helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende.

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