Kenia: Fluchtursachen auf der Spur

Nicht nur europäische Staaten, auch afrikanische nehmen Flüchtlinge aus anderen Ländern auf – ein Fakt, über den selten in deutschen Medien berichtet wird. Allein in Afrika südlich der Sahara sind fast 15 Millionen Menschen auf der Flucht. Was zwingt diese Menschen dazu, ihre Heimat, ihr Hab und Gut und manchmal sogar ihre Familien zurückzulassen? Wie ist ihr Leben im Flüchtlingscamp und welche Hoffnungen und Wünsche haben sie für ihre Zukunft?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, organisierte das Spendenbündnis „Gemeinsam für Afrika“ (GfA) Anfang September eine Reise nach Kenia. Mit prominenten Unterstützern, Sängerin Ivy Quainoo und Jenke von Wilmsdorff, der als erster Journalist auf einem Flüchtlingsboot das Mittelmeer überquerte, ging es nach Kenia in die Grenzregion zum Südsudan. Johanniter-Mitarbeiterin Verena Götze hat die Gruppe begleitet und ihre Erlebnisse vor Ort festgehalten.

Tag 1: Kakuma, das zweitgrößte Flüchtlingscamp Kenias

Der erste gemeinsame Tag beginnt früh: Um 3 Uhr nachts treffe ich die elfköpfige Reisegruppe. Mit dabei sind neben Ivy Quainoo und Jenke von Wilmsdorff auch die Organisatoren der Reise von GfA, Journalisten, eine Mitarbeiterin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und meine Kollegin Gladys Munuve, Leiterin des Johanniter-Büros in Kenia.

Mit einer Propellermaschine fliegen wir Richtung Nordwesten nach Turkana, eine der ärmsten und trockensten Regionen Kenias. In Jeeps fahren wir zwei Stunden in Richtung der Landesgrenzen zu Uganda und Südsudan. Der Weg ist von Schlaglöchern durchsetzt. Wir kommen nur langsam vorwärts. Die Landschaft ist karg und staubig, vereinzelt sehen wir kleine Siedlungen mit den für die Region typischen Rundhütten. Unser Ziel ist das Flüchtlingslager Kakuma, unweit der Grenze zum Südsudan. Das Camp, 1992 gegründet und ursprünglich für maximal 125 000 Menschen geplant, ist zurzeit das Zuhause von rund 200 000 Flüchtlingen. Die meisten kommen aus den Bürgerkriegsländern Südsudan und Somalia, aber auch aus der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien und Burundi flüchten ganze Familien nach Kakuma. Ungefähr 20 Nationalitäten leben hier zusammen.

In Kakuma angekommen geht es gleich weiter. Wir dürfen eine Erstaufnahmeeinrichtung besuchen für diese Kinder, die dasFlüchtlingscamp ohne ihre Eltern oder Geschwister erreicht haben. Die meisten haben ihre Familien in den Kriegswirren verloren, oft sind diese Kinder die einzigen Überlebenden. Rund 14 Tage bleiben die Jungen und Mädchen dort, werden mit Nahrung und Medizin versorgt und an Gastfamilien im Camp vermittelt. Auch eine Mutter wohnt mit ihren sechs Kindern vorübergehend in der Einrichtung. Sie ist aus dem Südsudan geflohen. Ihr Mann ist dort geblieben, um ihr Land zu schützen. Ob sie sich wiedersehen werden weiß die Frau nicht. Ihr Wunsch für die Zukunft: Sicherheit und genug zu essen für sich und ihre Kinder.

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