Erstorientierungskurse für Geflüchtete

Bundesinnenminister besucht die Integrationseinrichtung der Johanniter

Bundesinnenminister Thomas de Maizière besucht die Johanniter

In einem fremden Land ankommen und dessen Gepflogenheiten kennenlernen, ohne die Sprache zu verstehen – das ist gar nicht so einfach. Im Rahmen des Modellprojekts „Erstorientierung und Wertevermittlung für Asylberber“, gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), führen die Johanniter seit August 2016 Erstorientierungskurse in ihren Einrichtungen durch, um Geflüchtete beim Ankommen im neuen Alltag zu unterstützen. Im Herbst 2016 konnten in 31 Kursen über 900 Geflüchtete erreicht werden. Nun starten weitere 46 Kurse in ganz Deutschland.

„Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ schallt es durch den Multifunktionsraum einer Unterkunft in Hamburg. „Danke sehr gut, und Dir?“ – „Nein, Ihnen.“ korrigiert die Lehrerin. Siezen und Duzen, eine typisch deutsche Gepflogenheiten. Aber wer wird wie angesprochen? Das ist nur eines der Themen im Erstorientierungskurs.

In 300 Unterrichtsstunden sollen den Geflüchteten Themen wie „Alltag in Deutschland“, „Einkaufen“, „Wohnen“ oder „Gesundheit“ näher gebracht werden. Sechs Themenblöcke umfasst ein Kurs, in denen es auch um Sitten, Gebräuche und Werte geht. Wie verhalte ich mich bei einer Behörde, wie funktioniert Mülltrennung, ist lautes Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln in Ordnung? Es sind viele praktische Themen, die die 40 Lehrkräfte in einfachstem Deutsch mit vielen Bildern, mit Händen, Füßen und Rollenspielen vermitteln. Aber auch tiefgreifende Themen, wie Gleichberechtigung oder Kinderrechte, werden im Kurs angesprochen und diskutiert.

Neben der Unterrichtszeit im Klassenraum stehen Exkursionen auf dem Plan – ein Besuch in der Bibliothek vor Ort, im Einkaufsladen um die Ecke oder zum Bahnhof, um am Ticketautomaten den Kauf einer Fahrkarte zu üben.

Der vielschichtige Einsatz der Lehrkräfte lohnt sich – die Kurse werden überall sehr gut aufgenommen und regelmäßig besucht. Zwischen 12 und 20 Teilnehmer sind im Kurs. Wer an mehr als 80% des Moduls teilgenommen hat, erhält ein Zertifikat. Dies motiviert zusätzlich. Bei den Einstufungstests für die Integrationskurse helfen erste Deutschkenntnisse.

Das Modellprojekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert. Die jetzigen Kurse laufen noch bis Ende Juni 2017.