Hannoversches Notfallsymposium

Das nächste Hannoversche Notfallsymposium findet am
04. März 2017 statt.

Neue Herausforderungen und innovative Techniken

Das 18. Hannoversche Notfallsymposium überzeugt mit aktuellen und praxisnahen Vorträgen

Notärzte, Notfallsanitäter und Fachleute aus Notfallvorsorge, Intensivmedizin und Einsatznachsorge trafen sich am 5. März 2016 zum 18. Hannoverschen Notfallsymposium in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Insgesamt besuchten rund 450 Teilnehmer die jährlich stattfindende Veranstaltung, die von der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover in Kooperation zwischen den Kliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin, der Klinik für Unfallchirurgie organisiert wird und erneut unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius stand.

Das Fachpublikum, das aus dem gesamten Bundesgebiet zu dieser wegweisenden notfallmedizinischen Fortbildungsveranstaltung kam, erwartete ein vielfältiges und interessantes Programm mit hochkarätigen Referenten. Stellvertretend für Pistorius überbrachte Dr. Alexander Götz die Grußworte aus dem Innenministerium und hob die Tradition der Veranstaltung hervor: „Das Hannoversche Notfallsymposium fußt auf einem Konzept mit großer Bedeutung, wie sich an der mittlerweile 18. Ausgabe feststellen lässt.“ Der Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung seien für das Land Niedersachsen der Kern der Daseinsvorsorge. „Der Schutz von Leben ist der Anfang, danach kommen erst alle anderen Bedürfnisse“, hob Götz die Wichtigkeit der Notfallvorsorge hervor. Als Besonderheit stellte er die Flüchtlingshilfe in Niedersachsen seit Herbst 2015 in den Vordergrund: „Es ist beeindruckend, dass auf Knopfdruck Ende August alle Hilfsorganisationen und alle Beteiligten im Bevölkerungsschutz an Lösungen arbeiteten, um Flüchtlingen eine sichere Ankunft zu gewährleisten.“

Auf das Thema Flüchtlingshilfe ging auch Dr. med. Gerald Ripberger, Ärztlicher Leiter Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Berlin, in seinem Vortrag über den Einsatz des Rettungsdienstes bei der Versorgung von Migranten ein. Er legte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf die speziellen Aufgaben, die sowohl an die Flüchtlinge bei Unwissenheit über das deutsche Gesundheitssystem als auch an das Rettungsdienstpersonal gestellt werden. „Die Herausforderungen für die Rettungsdienstmitarbeiter leiten sich u. a. ab aus dem unbekannten Umfeld der Herkunft, den Besonderheiten von Gemeinschaftseinrichtungen und natürlich auch von bis dato nicht gesehenen Krankheitsbildern“, erklärt Ripberger. Die größte Herausforderung im Rahmen der Versorgung von Flüchtlingen sei die zumeist erhebliche Verständigungsproblematik in Verbindung mit kulturellen Unterschieden. „Der Rettungsdienst muss sich daher oft auf eine rein symptomatische Medizin beschränken, in der Hoffnung, die Symptome auch richtig erfasst zu haben“, sagt Ripberger. Als Ursache für die Entwicklung der häufigsten Krankheitsbilder stellte er die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften heraus.

Dies war nur eines von insgesamt 15 Themen in vier unterschiedlichen Blöcken, die auf dem Hannoverschen Notfallsymposium vorgestellt und diskutiert wurden. Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover, betrachtete die Erfahrungen der ersten Jahre der Notfallsanitäterausbildung. Seit dem Start der dreijährigen Ausbildung im September 2014 haben sich für die Rettungsschulen die Rahmenbedingungen verändert. Sie sind gesamtverantwortlich, d. h. sie erstellen ein handlungsorientierte Curriculum und stellen Lehrkräfte mit Hochschulstudium. Aber auch der Lernort Rettungswache stehe vor neuen Herausforderungen. Viele Rettungsassistenten seien verunsichert und fühlten sich in ihrer Qualifikation unter Zugzwang. Die Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter mit einer hohen Durchfallquote bedeute für viele eine enorme Belastung. Aufgabe der Schulen sei es hier aufzuklären und Ängste zu nehmen. Dem Praxisanleiter in einer Lehrrettungswache komme eine Bindegliedrolle zu, die oft schwer erfüllbar sei. Bislang gibt es eine unbefriedigende Regelung für eine Anrechnung von Arbeitszeit von ausbildungsrelevanten Terminen. Insgesamt sei der Notfallsanitäter ein attraktiver Ausbildungsberuf geworden, bei dem Niedersachsen Vorreiter sei.

Ähnlich wegweisend zeichnet sich die Entwicklung des Berufsbildes des Leitstellendisponenten ab, wie Achim Hackstein, Leiter Kooperative Regionalleitstelle Nord, in seinem mitreißenden Vortrag ausführte.

Abgerundet wurde das Vortragsprogramm durch vier interaktive Fallbeispiele nach dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ – darunter der Vorfall der 30 bewusstlosen Heilpraktiker in einem Tagungszentrum in Handeloh Anfang September vergangenen Jahres. Vier praxisorientierte Workshops begleiteten die Fortbildung.

Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover

Büttnerstraße 19 (Brain-Park)
30165 Hannover