Nikolausstiefel

Schuhe – ich habe etliche davon. Und morgen werden viele nach in ihre Schuhe sehen: Dann ist Nikolaus. Aber warum widmet sich Nikolaus den Schuhen?

So frage ich mich: Was weiß ich von Nikolaus? Ich weiß: Er ist das Vorbild für den Weihnachtsmann. Ich weiß: Er stammt von woanders. Und ich weiß: Er war ein Kollege von mir, allerdings arbeitete er als Bischof.

Und jetzt geht’s ins Detail. Da fange ich von hinten an: Nikolaus war Stadtbischof in der Türkei, in Myra. Und er war ein besonderer Bischof. Er lief ständig durch die Straßen und hatte ein Auge auf alles, was vorging – darum wahrscheinlich die Schuhe, abgelaufen von seinen vielen Gängen. Er sah nach, ob jemand in Not war oder ob es ungerecht zuging. Und wenn er so etwas merkte, dann half er. Manchmal heimlich, manchmal mit List und immer mit Herz. Und das macht ihn zum Vorbild. Sein Herz war sein Ratgeber. Da war eine furchtbar arme Familie, so arm, dass die großen Mädchen Arbeitssklaven werden sollten. „Hier verhungert ihr mit uns, Ihr müsst weg!“ Das hörte Nikolaus. Wie furchtbar, wenn man sein Kind als Arbeitssklaven wegschicken muss. Weil sonst alle verhungern!

Wir wissen, wie Jugendliche und Kinder auch heute von ihren Eltern losgeschickt werden: Lieber Arbeitssklave in Europa als verhungert in Afrika! - so sagen auch sie. Nikolaus plünderte damals seine Bischofskasse und brachte heimlich dieser Familie Geld ins Haus, sie wussten nicht, woher es kam. Viele von uns spenden in der Weihnachtszeit, sie helfen mit dem Herzen, wie Nikolaus. Herzlichkeit, das ist das Grundrezept von Nikolaus. Herzlichkeit tut auch uns gut. Wenn wir uns die Schuhsohlen füreinander ablaufen, dann kommt so richtig Freude miteinander auf.

Wir haben viel: Genug zu essen, genug Kleidung und ein Dach über dem Kopf haben wir auch. Was wir immer brauchen, ist das Vorbild von Nikolaus. Ein weites, warmes Herz für jeden Menschen, der mir begegnet, das brauche ich für Weihnachten. Und das wünsche ich für unser Land: Ein weites, warmes Herz, für die Armen, die Heimatlosen, die Familie, die Nachbarn, ein Herz wie Nikolaus. Es möge uns durch die Adventszeit leiten!

Anne-Christina Wegner