Abschied gehört zum Leben: der Trauer Raum geben

Berlin, 07. Oktober 2016

Foto: Maren Krings/Johanniter

Anlässlich des Welthospiztages am 8. Oktober rücken die Johanniter ein gesellschaftlich verdrängtes Thema ins Licht: den Umgang mit der Trauer. Einen Menschen zu verlieren, ist ein schmerzhaftes Ereignis, das sich auf alle Lebensbereiche auswirken kann. Gab es früher noch feste Rituale wie das Trauerjahr, fehlt heute weitgehend eine Richtschnur für die Trauerzeit. Getrauert wird in der Regel privat, zurückgezogen, unsichtbar. Aus Unsicherheit und Angst, sich falsch zu verhalten, ziehen sich oftmals Freunde und Angehörige von Trauernden zurück. So können sich Leid und Einsamkeit noch weiter verstärken.

Wenn Familie und Freunde fehlen, um die Trauer aufzufangen, kann es für Betroffene hilfreich sein, sich anderweitig Unterstützung zu suchen – ob Einzelbegleitung, Trauergruppe oder Trauer-Café. „Es ist wichtig, den aufkommenden Gefühlen Raum zu geben, sie wahrzunehmen und äußern zu können“, erklärt Ilona Schlößer vom Ambulanten Hospiz- und Familienbegleitdienst der Johanniter in Berlin. „Der Trauerprozess wird von jedem Menschen anders durchlebt. Richtig oder falsch gibt es dabei nicht.“ 

Es gibt vier typische Phasen von Schock, Schmerz und Heilung, sogenannte Trauerphasen, die von der Schweizer Psychologin Verena Kast als Verständnismodell zusammengefasst wurden: Nicht-Wahrhaben-Wollen, Aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen, Akzeptanz und Neuanfang sind die vier Etappen, die jeder Trauernde durchläuft. Der Weg kann verschlungen und langwierig sein und niemand ist vor Rückschritten gefeit. Wie lange er dauert, lässt sich daher nicht vorhersagen.

„Auch, was den Betroffenen hilft, um über ihren Verlust hinwegzukommen, ist höchst individuell“, weiß Ilona Schlößer. „Wichtig ist, sich die volle Zeit zu geben, die man braucht und achtsam zu sein für die eigenen Bedürfnisse.“

Hinterbliebene können bei zahlreichen Vereinen und Selbsthilfegruppen Unterstützung finden. Auch die Johanniter bieten Trauerbegleitung an: Erfahrene ehrenamtliche Hospizmitarbeiter sind dazu speziell ausgebildet. In einem geschützten Rahmen können sowohl zu Hause bei den Trauernden als auch in den Räumen des Hospizdienstes in Berlin Gespräche stattfinden.

 

Hier gibt es weiterführende Informationen zur Hospizarbeit der Johanniter.