Landwirtschaft trotz karger Böden

Temperaturen über 30 Grad, kein Strom, wenig Wasser, dafür sehr viel Sand: Die 600 Familien von Nasinyono in Kenia an der Grenze zum Südsudan haben sich nicht die einfachsten Bedingungen ausgesucht, um sich niederzulassen. Mit Hilfe der Johanniter bauen die ehemaligen Nomaden hier trotzdem Getreide an – und im Sommer sogar Wassermelonen.

Zuhause war früher für Anna Lopii Kanukuring kein Ort, sondern allein ihre Familie. Seit der Gründung der kleinen Siedlung Nasinyono, was auf Deutsch so viel wie Sand heißt, hat sich das für die 49-Jährige verändert. Anna gehört zu der kenianischen Ethnie der Turkana, die im Nordwesten des Landes leben. Wie fast alle Turkana lebte Annas Familie von ihren Tieren, mit denen sie jedes Jahr viele hundert Kilometer zurücklegten. Immer auf der Suche nach Nahrung für die Kühe und Ziegen.

Heute beginnen die Vorbereitungen für die Aussaat. Anna ist mit ihrer Familie auf dem Feld. Einige Meter entfernt werden gerade Ziegen und ein paar Esel von den Hirten getränkt. Daneben steht eine kleine Kamelherde. Mühsam und unter brennender Sonne bearbeitet Anna den trockenen Boden. Sie lockert ihn und brennt die vertrockneten Überreste der letzten Ernte ab. Die Asche wird als Dünger für die neuen Triebe genutzt. Kaum zu glauben, dass hier schon bald ein ganzes Feld mit Hirse stehen wird. Bei Regen schwellen die sonst ausgetrockneten Flüsse in der kargen Region an, aus denen der umliegende Boden das Wasser zieht. Die Feuchtigkeit im Boden reicht aus für das Pflanzenwachstum, und um die Speicher der kleinen Gemeinde für die nächsten Monate mit Getreide zu füllen.

Johanniter halfen nach Dürre 2011

"Lena" Kilwing (re) unterstützte 2011 die Nomaden während einer schweren Dürre. Foto: K. Neumann

Anna unterbricht ihre Arbeit und zeigt auf ihre Weste, wo das Logo der Johanniter-Unfall-Hilfe aufgenäht ist: „Lena und die Johanniter haben unser Leben verändert“, sagt sie. „Lena“ ist Magdalena Kilwing, sie war von 2011 bis 2015 Länderbüroleiterin der Johanniter-Auslandshilfe in dem Land und unterstützte John Losikiria, den Dorfvorsteher von Nasinyono, und die Familien nach der großen Dürre 2011 beim Anbau von Hirse.

Die Situation der nomadischen Turkana hatte sich von Jahr zu Jahr verschlechtert. Durch die Klimaveränderung wurde es immer trockener, gleichzeitig wurde der Radius für Weideland immer enger. Grund dafür war einerseits die Besiedlung der Gegend, andererseits aber auch die kriegerischen Auseinandersetzungen an der nahen Grenze zum Südsudan. Das Grenzgebiet ist für die Hirten immer noch eine gefährliche Zone. Während der schweren Dürre 2011 versorgten die Johanniter mehr als 2.200 Familien in Turkana mehrere Monate mit Nahrungsmitteln, um ihr Überleben sicherzustellen. Heute können sich die Familien dank der Projekte in der Region, welche durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)  und der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt werden, wieder selbst ernähren. Die Überschüsse aus der Ernte werden verkauft oder als Saatgut für das nächste Jahr aufbewahrt.

Wassermelonen wachsen trotz wüstenähnlicher Verhältnisse

Nach der Feldarbeit geht Anna in den Garten, ein Feld halb so groß wie ein Fußballplatz, umgeben von einem festen Zaun als Schutz vor den Tieren. Hier wachsen inmitten von karger Trockenheit Sträucher in sattem Grün. Hauptsächlich regionales Gemüse wird hier angebaut, aber zum Beispiel auch Kürbis. „Im letzten Sommer konnten wir ein ganzes Feld mit Wassermelonen ernten. Es war so viel, dass wir den größten Teil verkaufen konnten“, berichtet die Mutter von acht Kindern und etlichen Enkeln stolz.

Nebenan hört man den regelmäßigen Einschlag von Äxten in Holz. Andere Familien sind mit der Produktion von Kohle - „Charcoal“ - beschäftigt. In einem hohen Ofen wird aus Holz Brennmaterial für die Nahrungszubereitung. Das Holz ist ein Abfallprodukt der Rodung. Bevor die Bewohner von Nasinyono die Felder anlegten, mussten sie sie zuerst von dem holzartigen Dornengestrüpp befreien, welches für die Gegend typisch ist. Überschüssiges „Charcoal“, das die Gemeinde nicht selbst zum Kochen braucht, wird regelmäßig von dem lokalen Johanniter-Partner Africa Inland Church abgeholt und verkauft. Die Einnahmen kommen den Einwohnern von Nasinyono zu Gute. Damit bezahlt die Dorfbevölkerung zum Beispiel ihr Trinkwasser.

Am frühen Abend sitzt Anna mit ihrer Familie in ihrer Hütte. Wie in Afrika in vielen ländlichen Gegenden üblich, wohnt die ganze Familie in einer runden Strohhütte. Es gibt nur einen Raum zum Kochen, Schlafen und Essen. Über der glimmenden Kohle kocht Hirsebrei, vermengt mit Öl schmeckt er leicht süßlich und ergibt eine äußerst reichhaltige Mahlzeit. Nasinyono liegt rund 25 Kilometer von der nächsten Schule und der nächsten Gesundheitsstation entfernt: eine lange Distanz, wenn man sie bei über 30 Grad und zu Fuß zurücklegen muss. Fragt man Anna nach ihren Wünschen für die Zukunft, bleibt sie in den Grenzen ihres Dorfes: „Ich wünsche mir, dass auch die Kinder meiner Enkelkinder noch hier leben können und immer genügend Regen für die nächste Ernte haben“.

Wie die Johanniter landwirtschaftliche Methoden in Kambodscha verbessern, erfahren Sie hier.

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