Perspektiven schaffen in großer Not

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Friedvolles Zusammenleben und gewaltsame Vertreibungen trennen im Südsudan mancherorts nur wenige Kilometer. Die Stadt Wau im Westen des Landes ist seit Juni 2016 ein Zentrum ethnischer Spannungen und liegt mitten auf einer schwelenden Konfliktlinie. Während nördlich von Wau die Lage noch ruhig ist, wurden Anfang des Jahres rund 30.000 Menschen südlich der Stadt vertrieben, ihre Häuser niedergebrannt und Felder zerstört. Die Hilfsaktivitäten der Johanniter müssen sich der Situation permanent anpassen – zwischen mittelfristigem Engagement und Nothilfe. Die Schicksale zweier Frauen beschreiben die Lage.

Die Fläche, so groß wie ein Fußballfeld, wirkt in der staubigen und verdorrten Ebene wie eine Oase: Nur die Wurzeln einiger riesiger Bäume erreichen das Grundwasser und ragen grün in den Himmel. Rose Abukalau kniet vor ihrem kleinen Beet, auf dem sattgrünes Gemüse wächst. Regila heißt es (dt. "Portulak") und Rose kann es alle drei Wochen ernten. Einen Teil der Ernte behält die 34-Jährige für die eigene Familie, den Großteil verkauft sie auf dem lokalen Markt.

Rose und ihrer Familie geht es vergleichsweise gut. Sie leben in einem Dorf in Jur River County in der Provinz Western Bahr el Ghazal, nördlich der Stadt Wau. Sie haben 32 Kühe und 40 Ziegen. Das ist der ganze Stolz und Reichtum der Familie - und der wird nicht selten von Viehzüchtern mit Waffengewalt verteidigt. Regelmäßig kommt es zwischen Viehzüchtern und Bauern zu Konflikten, wenn das Vieh die Anbauflächen der Landwirte beschädigt oder diese die Tiere erschießen. Erst in einem Nebensatz erzählt Rose, dass vor zwei Monaten 24 Männer bei Auseinandersetzungen zwischen angrenzenden Gemeinden ums Leben gekommen sind.

Rose (links) bei der Feldarbeit, Anja (rechts) im Flüchtlingslager von Wau, nachdem sie der Konflikt eingeholt hat. Foto: JUH

Normalität in einem Land, das durch Krieg und ethnische Polarisierung am Abgrund steht: fast die Hälfte der rund zwölf Millionen Südsudanesen hungert, weit mehr sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im Norden des Landes wurde im Februar eine Hungersnot ausgerufen. Sie droht sich auszuweiten, denn über drei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Und wer flieht, kann weder säen noch ernten.
Anja Akot weiß, was das heißt. Sie wohnte im selben County wie Rose, jedoch auf der südlichen Seite der Stadt Wau. Sie gehört zu dem Stamm der Jur, die einen Puffer zwischen Viehzüchtern im Nordosten und Bauerngemeinden im Südwesten bildeten. Jahrzehnte arrangierten sie sich mit den verfeindeten Seiten, doch im Januar eskalierte die Situation: verarmte Viehzüchter, angestachelt von der aufgeheizten Lage im Land und dem Verlust von Weideflächen durch Dürre und Krieg, überfielen die Dörfer der Jur. Anja erzählt, dass ihr Mann am Rande ihres Feldes bei der Arbeit umgebracht wurde, 50 weitere Dorfbewohner folgten ihm in den Tod. Sie floh und suchte Schutz neben einer Kirche in Wau, zusammen mit rund 5200 weiteren Flüchtlingen.

Malaria, Atemwegserkrankungen und Masern grassieren im Lager: 5200 Flüchtlinge aus Jur River County leben in Wau unter katastrophalen Bedingungen. Foto: JUH

Das Atmen in dem Lager nahe einer Kirche fällt schwer. Der Rauch von kleinen Holzkohlefeuern mischt sich in der heißen Luft mit dem Geruch von zu wenigen Latrinen und zu vielen Menschen auf zu engem Raum. Masern, Malaria und Atemwegserkrankungen breiten sich aus. Anja und ihre fünf Kinder haben zurzeit nur eine löchrige Plane, unter der sie leben. Das kleinste Kind hat Malaria. Anjas erzählt, dass sie kaum noch das Lager verlassen können. Menschen seien beim Wasserholen überfallen und wegen ihrer Herkunft bedroht worden. Man wolle sie dazu bewegen, wieder zurückzukehren. Für Anja keine Option: ihr Haus und die Felder wurden niedergebrannt und ihre Peiniger seien weiterhin in der Region.

Während der Verteilung von Zusatznahrung an unterernährte Kinder und Frauen organisieren die Johanniter Hygieneschulungen in Wau. Foto: JUH

In dieser Situation versucht die Johanniter-Auslandshilfe vor allem Kleinkindern, Schwangeren und Müttern bei Anzeichen von Unterernährung zu helfen. Je nach Grad der Unterernährung erhalten diese therapeutische Zusatznahrung oder Nahrungsmittelhilfe. Während der Verteilung erklären Volontäre den Wartenden Hygieneregeln, deren Einhaltung im Lager besonders wichtig ist. Charles Okidi, Programm-Leiter der Johanniter im Südsudan, zeigt sich frustriert: „Wir gehen einen Schritt vor und zwei zurück.“ Menschen müssten nun mit Soforthilfe unterstützt werden, in deren Region die Johanniter zuvor an langfristigen Perspektiven gearbeitet habe. Auch in der Region von Anja hatten die Johanniter Projekte zur Ernährungssicherung, jetzt ist das Gebiet wegen der Gewalt unzugänglich und die Projekte ausgesetzt. Seine Zuversicht hat Okidi trotzdem nicht verloren: „Wo wir können, arbeiten wir mit den Menschen weiter an langfristigen Perspektiven.“ So wie bei Rose: ihre Beete befinden sich innerhalb einer Feldschule, in der 25 Familien ihres Dorfes verbesserte landwirtschaftliche Methoden beigebracht werden. Solange der Konflikt nicht das Dorf erreicht, wird die fußballfeldgroße Schule eine Oase bleiben und helfen, die Ernährung der Menschen auch in Zeiten der Dürre zu sichern.

 

Die Feldschulaktivitäten führen die Johanniter im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durch, weitere Maßnahmen u.a. zur Ernährungssicherung werden vom Bundesministerium für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Mehr Informationen zur drohenden Hungersnot und Einblicke in die Arbeit der Johanniter im Südsudan erhalten Sie hier in einem WELTSPIEGEL Extra der ARD vom 11. April 2017

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Erfahren Sie mehr zur Thematik "Hunger" in diesem Video:

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