Herausforderung Baby: Erste Hilfe für die Kleinsten

Wie geht eigentlich die Herzmassage bei einem Baby? Was muss ich tun, wenn das Kleine Rohrreiniger verschluckt hat? Als Eltern auf dramatische Momente besser vorbereitet zu sein – das ist das Ziel der Johanniter-Kurse zur Ersten Hilfe am Kind. Wir haben drei Mami-Bloggerinnen zu einem Schnupper-Kurs eingeladen und mit ihnen danach über ihre Eindrücke und Erfahrungen gesprochen.

Tanja Böttcher (JUH): Habt ihr denn schon mal einen Notfall im Babyalltag erlebt?

Inken: Meine dramatischste Erfahrung: Eine Freundin hatte heißen Tee umgekippt, direkt auf ihr einjähriges Kind. Der Junge musste mehrere Tage ins Krankenhaus. Aber sie hatte zum Glück kurz davor einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht und reagierte richtig: Sie hat ihm sofort die Kleidung ausgezogen. Allein die paar Sekunden, in denen die heißen Klamotten auf der Haut waren, haben die Verbrennungen sehr verstärkt.

Kathrin: Ich hatte bisher Glück: Neben kleineren Verletzungen habe ich nur einen Pseudokrupp-Anfall bei meinen Kindern erlebt. Ich habe den Notarzt gerufen – ich wusste damals noch nicht, was ich tun soll.

Inken: Ja, deshalb sind die Erste-Hilfe-Kurse speziell für Kinder sinnvoll. Eltern, insbesondere mit kleinen Kindern, haben einfach andere Gefahren, andere Fragen und andere Ängste.

Katja: Allein der Unterschied zwischen Kind und Säugling – die Angst, da was kaputt zu machen...

Kathrin: Genau. In der Regel macht man einen Erste-Hilfe-Kurs für die Führerscheinprüfung und dann die nächsten 20 Jahre nicht mehr. Damals hatte ich mir noch keine Gedanken über Kindernotfälle gemacht. Das kommt erst mit dem Eltern-Werden. Deine Lebenssituation verändert sich und dadurch auch deine Bedürfnisse.

Katja: Ich habe vor etwa fünf Jahren einen Kurs Erste Hilfe für Kinder gemacht, da war meine Große gerade ein halbes Jahr alt. Das heute aufzufrischen, war super. Weil man an Sicherheit gewinnt. Klar weiß ich jetzt nicht alles, aber ich kann im Notfall Ruhe bewahren, durchatmen und mich auch bei so einem Würmchen trauen...

Tanja (JUH): Nach dem Motto „Du kannst gar nichts falsch machen. Das Schlimmste was du machen kannst, ist, nichts zu tun.“ Gab es denn komplett Neues für euch?

Inken: Ja, das trockene Ertrinken. Da habe ich auch länger gebraucht, um es wirklich zu verstehen. Zuerst dachte ich: „Wie jetzt, darf ein Kind nicht mehr mit Wasser spielen?“

Katja: Du meinst, dass die kleinen Kinder dann so erschrecken, dass sie davon einen Atemstillstand bekommen?

Inken: Ja, wir alle kennen doch diese Horrorgeschichten, dass kleine Kinder auch schon in zehn Zentimeter tiefem Wasser ertrunken sind. Die erste Reaktion darauf ist doch: „Echt jetzt? Wie kann das sein?“ Dass sie aber dann wirklich nicht mehr hochkommen und eben über den Schreck nicht mehr Atmen.

Kathrin: Das war extrem informativ. Wusste ich auch noch nicht aus meinem früheren Erste-Hilfe-Kurs.

Inken: Ich fand den Teil über den plötzlichen Kindstod superspannend. Jede Mutter kennt das: Sie läuft zu ihrem Kind, um zu schauen, ob es noch lebt. Habe ich bei beiden Kindern schon regelmäßig gemacht. Den Tipp mit der Fontanelle  fand ich super. Die Sache mit der Synchronisation beim Schlafen war auch interessant: Dass ein anderer schlafender Mensch im Raum das Atmen des Babys unterstützt, weil der kleine Körper das nachmacht. Das ist ein toller Tipp, den werde ich auf jeden Fall weitergeben.

Kathrin: Das Gute an diesem Kurs war einfach auch die Praxisnähe.

Inken: Ja, es wichtig, dass man die rettenden Maßnahmen wirklich mal selbst macht und übt. Die Aktionen sind so viel besser abrufbar, als wenn sie nur aus der theoretischen Erinnerung stammen.

Kathrin: Und die Eselsbrücken helfen: die Disco-Regel oder bei der stabilen Seitenlage der Kaktus . Das sind so Sachen, die merkt man sich. Und ich fand die themenbezogenen Inseln spannend. Jetzt kann ich sagen: Mir fehlt der und der Themenblock und dann schaue ich im Internet nach. Oder in der Johanniter Kindernotfall-App (Download für Android und IOS). Damit kann ich mein Wissen auffrischen. Wenn ich jetzt zu Hause nochmal wissen will, wie das mit der stabilen Seitenlage ging, kann ich in die App gehen und das anschauen.

Inken: Ja, die Kombination finde ich auch gut. Dass unser Ausbilder am Kursanfang durch die App geführt hat und uns die Sachen teilweise auch auf dem Tablet gezeigt hat, war sehr hilfreich. Genauso wie die 3D-Ansichten. Man versteht die Zusammenhänge besser, weil es weniger theoretisch ist.

Katja: Wahrscheinlich würde ich im akuten Notfall nicht zum Tablet greifen, um nachzuschlagen. Aber wenn ich unsicher bin: Ist das jetzt ein Notfall? Muss ich einen Rettungswagen holen oder mit dem Kind zum Arzt? Dann ist es gut, einen Leitfaden zu haben. Im Internet gibt es so viele Quellen, die nicht immer gut recherchiert und fachlich richtig sind. Darauf kann man sich als Eltern nicht immer verlassen. Hier verschafft mir die Johanniter App Sicherheit!

 

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Tanja Böttcher und Anne Schmidt.

Inken Arntzen

Foto: Mirjam Kilter

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Mutter von…: zwei Söhnen und Bonus-Mama von drei Patchworkkindern

Kinder: Fridolin (2), Quentin (sieben Monate); Patchworkkinder: Max (27), Joshua (17) und Lola (14)

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Themen-Schwerpunkte: Schwangerschaft, Geburt, Babys und Familie.

Kathrin Linberger

Foto: Mirjam Kilter

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Kinder: Finn (3), Jule (1)

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Katja Piefke

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