Strahlen gehört dazu

Wenn Bernd Birkholz seine Arbeitskluft ablegt, dann nur um in die Motorradkluft zu schlüpfen – in seiner Freizeit fährt der 61-Jährige aus Stendal leidenschaftlich gerne Motorrad. Dann schnappt er sich seine Kollegen vom Katastrophenschutz und düst von der Ostsee bis in den Harz. An seinem Job als Rettungssanitäter mag er besonders die Vielfalt und schätzt seine Kollegen.

Bernd, du bist schon seit über 25 Jahren bei den Johannitern. Wie bist du damals dazu gekommen?

Nach der Wende brauchte ich einen neuen Job. Zunächst habe ich auf einer Baustelle gearbeitet, aber die wurde geschlossen. Dann hatte ich gesehen, dass die Johanniter im Rettungs- und Behindertenfahrdienst Mitarbeiter suchten. Da habe ich mich beworben und wurde genommen und es war ein echter Glücksgriff für mich. Ich habe neben dem Job auch über zwanzig Jahre beim Katastrophenschutz mitgewirkt, wo ich auch heute noch sporadisch als Zugführer einspringe. Mittlerweile bin ich als Rettungssanitäter tätig und kümmere mich als Desinfektor um die Hygiene bei den Einsätzen.

Beim Katastrophenschutz gab es doch bestimmt Ereignisse, die dir besonders präsent in Erinnerung geblieben sind.

Ich kann mich noch sehr gut an die Hochwasserkatastrophen erinnern, etwa 2013 hier in Sachsen-Anhalt. Wir haben da teilweise 12 bis 18 Stunden am Stück gearbeitet und das fünf Wochen lang durchgängig. Da wurden Sandsäcke befüllt, Leute evakuiert und Deiche befestigt. Das geht schon manchmal an die Substanz, aber wir wissen ja auch, wofür wir das tun - für die Betroffenen. Deshalb bin ich auch heute noch mit Herzblut dabei.

Und was gefällt dir an deiner Arbeit besonders?

Als Rettungssanitäter komme ich jeden Tag in andere Situationen und mache nicht stupide immer dasselbe. Wenn wir auf dem Weg zu einem Verkehrsunfall sind, wissen wir nicht, was uns erwartet. Das verlangt ein gewisses Maß an Flexibilität. Diese Herausforderung macht unseren Beruf aber auch spannend.

Da seht ihr bestimmt auch oft genug ergreifende Schicksale. Was tust du, um die Ereignisse zu verarbeiten?

Man darf es nicht in sich hineinfressen. Ich rede mit anderen Kollegen darüber, meist direkt nach dem Einsatz. Ansonsten macht auch viel die Erfahrung über die Jahre aus. Man lässt Erlebnisse nicht mehr so sehr an sich heran. Aber die Einsätze vergesse ich nie. 

Da ist ein guter Ausgleich ja besonders wichtig. Was tust du, um einfach mal abzuschalten?

Ich fahre wahnsinnig gerne Motorrad und treffe mich manchmal mit meinen Kollegen vom Katastrophenschutz. Dann fahren wir Touren in den Harz oder an die Ostsee. Sonst fahre ich viel Fahrrad und mache Sport.

Was glaubst du: Dürfen Sanitäter denn im Blaulicht strahlen?

Wenn die Sanitäter nicht lachen, sind sie falsch in dem Beruf. Dann macht man das nicht lange. Strahlen gehört dazu und wenn es die Situation zulässt, ist es für den Patienten auch hilfreich, wenn wir mal einen Witz machen.

 

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