Aufgeben war keine Option

Nach einem Schicksalsschlag musste Björn Jockwig (34) seinen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau vor sechs Jahren schließen. Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe kam er zu den Johannitern, wo er seinen Weg zum Leiter der Ausbildungsabteilung im Regionalverband Lippe-Höxter gemacht hat. Björn gibt gerne den Takt an. Nicht nur im Job, auch in der Freizeit.

Björn, du bist auf einem ungewöhnlichen Weg zu den Johannitern gekommen. Erzähl mal.

Ja. Durch eine Herzerkrankung musste ich 2011 meinen Betrieb im Garten- und Landschaftsbau aufgeben. Das war eine schwere Zeit für mich. Ich hatte plötzlich keine Aufgabe mehr. Auf dem Sportplatz erfuhr ich, dass die Johanniter in der Gegend Fahrer suchen. Das konnte ich mir gut vorstellen, also bewarb ich mich als Fahrer für den kassenärztlichen Notdienst. Schon kurze Zeit war ich unterwegs, um Bereitschaftsärzte zu  Patienten zu fahren. Für diese Chance bin ich bis heute sehr dankbar. So konnte ich wieder normal am Leben teilnehmen.

Wie ging es dann weiter?

2014 habe ich über zwölf Wochen auf ein Spenderherz warten müssen, war lange im Krankenhaus. Da kommen dann auch mal Gedanken auf wie: „Ich habe da keine Lust mehr drauf.” Aber meine Familie und Freunde haben mir Kraft gegeben. Die Kollegen hofften und bangten mit mir und  haben mir stets den Rücken frei gehalten. Sogar als klar war, dass ich durch die Erkrankung nicht mehr im Fahrdienst eingesetzt werden kann, stand der Regionalvorstand hinter mir. Heute bin ich Leiter der Ausbildungsabteilung.

Was schätzt du an den Johannitern? 

Definitiv die Kollegen! Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, sind füreinander da und ich bin froh, Teil eines so tollen Teams zu sein. Wenn es mal schwierig wird, viel zu tun ist oder es privat mal Probleme gibt, geben wir uns immer Rückendeckung und können uns aufeinander verlassen.

Und wenn du nicht arbeitest, was machst du dann?

Meine Freunde dazu anhalten mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen! Und ich bin musikalischer Leiter bei einem Spielmannszug und spiele selbst Trompete. 

Du nimmst also Arbeit mit nach Hause. Gab es in deiner Zeit bei den Johannitern Erlebnisse, die dich auch nach der Arbeit noch beschäftigt haben? 

Ja, besonders die Situation, als im Jahr 2015 viele Flüchtlinge auf einmal nach Deutschland kamen. Ich habe viele Kinder und Jugendliche bei der Erstankunft gesehen. Da fragt man sich schon, was sie durchlebt haben, dass sie sich in dem Alter alleine in ein fremdes Land durchschlagen und ihre Heimat verlassen mussten. Aufgrund meiner Krankheit konnte ich leider nicht immer mit in die Unterkünfte, da ein  erhöhtes Infektionsrisiko bestand. Ich weiß noch, dass ich überlegt habe, wie wir am schnellsten ausreichend Toilettenanlagen in den Unterkünften organisieren können. Am Ende haben wir dann mit dem Team zusammen eine Lösung gefunden. Und genau das ist auch das Schöne. Wir sprechen miteinander und können dann auch loslassen.

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