Angekommen

Ende November hatte er seinen letzten Tag im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi)  – aber lange muss er nicht auf seinen nächsten Einsatz warten. Am 15. Januar geht es für Ismail Albakkour (32) schon bei den Johannitern als Rettungsassistent in Garbsen bei Hannover weiter. Nach seiner Flucht aus Syrien kam er 2015 nach Deutschland und wusste sofort: Ich will anderen helfen!

Ismail, wie hat dein Weg dich nach Deutschland geführt? 

Ich habe damals, wie viele andere, gegen das Regime demonstriert. Als ich dann für das Militär eingezogen wurde und gesehen habe, wie die Soldaten auf das eigene Volk schießen, da wusste ich: Ich muss hier weg. Also bin ich über die Türkei, Griechenland und Serbien bis nach Deutschland geflohen und schließlich in einer Unterkunft der Johanniter in Langenberg gelandet.

Und dort bist du auch zu den Johannitern gekommen?

Als ich hier ankam, kannte ich niemanden, hatte keine Freunde und ich war weit weg von meiner Familie, die ich in Syrien zurücklassen musste. Ich habe mich allein gefühlt und konnte kein Deutsch. Mir hat es gefehlt, eine Aufgabe zu haben - ich wollte gerne helfen. 

Was hast du denn denn gegen die Langeweile gemacht? 

Da ich Englisch konnte, dachte, ich könnte mit Übersetzen helfen. Also bin ich zur Kleiderkammer gegangen und habe nachgefragt, ob dort Hilfe benötigt wird. Ich war dann dafür zuständig Kleidung zu sortieren und herauszugeben und habe auch übersetzt. Das mache ich noch heute in meiner Freizeit. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei den Johannitern so gut aufgenommen wurde. 

Wie ging es für dich weiter, nachdem du in der Kleiderkammer eine Aufgabe gefunden hattest?Mir stellte sich die Frage: Welcher Arbeit soll ich nachgehen? Ich konnte ja nicht ewig in der Kleiderkammer aushelfen. Ich musste Geld verdienen, um mir ein selbständiges Leben aufbauen zu können. Bei den Johannitern habe ich viele tolle Leute kennengelernt und mich mit einigen auch gut angefreundet. Mit ihnen habe ich über meine Wünsche und Vorstellungen gesprochen. Ich wollte einen Job haben, in dem ich Menschen helfen und etwas zurückgeben kann.

Und dann? 

Meine Freunde von den Johannitern haben mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich bei den Johannitern den einjährigen Bufdi machen kann und mich in diesem Rahmen zum Rettungsassistenten weiterbilden kann. Also bin ich zu den Rettungssanitätern in Langenhagen gegangen und habe gefragt, ob sie einen Job für mich hätten. Dort bekam ich die tolle Chance, im Rahmen des Bufdi die Ausbildung zum Rettungsassistenten zu machen. Im November hatte ich dort meinen letzten Tag, aber ich kann am 15. Januar schon als fester Retter anfangen. 

Das hört sich so an, als wärst du hier mittlerweile richtig angekommen.

Ja, durch die Johanniter habe ich schnell Freunde und einen Job gefunden und mittlerweile sind die Johanniter wie eine zweite Familie für mich. Und ich habe gemerkt, wenn ich lerne und etwas tue, dann fühle ich mich besser. 

 

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