Nachgefragt: Deutsch-russischer Austausch im Rettungsdient – wie war’s?

Natalia Shapovalova - Hannover, 05. Februar 2018

Eine russische Delegation aus Fachärzten und Lehrkräften des Regionalzentrums für Katastrophenmedizin Perm war vom 14. bis zum 21. Januar zum fachlichen Austausch rund um den Rettungsdienst bei den Johannitern in der Region Hannover unterwegs. Als Gäste der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen besuchten sie u.a. die Regionsleitstelle Hannover, die zentrale Notaufnahme der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie verschiedene Ortsverbände der Johanniter. Im Ortsverband Celle sprach Natalia Shapovalova, Fachbereichsleiterin Kommunikation im Regionalverband Harz-Heide, mit den russischen Gästen Konstantin Shipiguzov und Valentina Avdeeva über ihre ersten Eindrücke und Begegnungen in Deutschland sowie den Unterschieden im Ausbildungssystem Notfallsanitäter.

Foto: Johanniter

Interview mit Konstantin Shipiguzov, seit einem Jahr stellvertretender Gesundheitsminister der Region Perm, davor war er 19 Jahre als Neurochirurg tätig. Er ist für die Organisation der medizinischen Hilfe für Erwachsene und Kinder in Perm zuständig, darunter auch für die Notfallmedizin.

- Wie war Ihre Woche in Hannover?

Ich bin zum ersten Mal in Hannover und überhaupt in Deutschland gewesen und habe von der Reise nur positive Eindrücke bekommen. Das Aufenthaltsprogramm war sehr vielfältig. Besonders interessant war es, zu erfahren, wie die Rettung in Deutschland auf allen Ebenen organisiert ist, aber auch zu sehen, wie das Zusammenspiel der Ersthelfer, des Rettungsdienstes und des Klinikums funktioniert. Das Positive daran ist, dass ich in meiner Meinung bestätigt wurde, dass auch wir im Rettungsdienst in Russland die richtige Richtung eingeschlagen haben. Wir haben bei den Johannitern sehr viel gelernt und werden versuchen, das neue Wissen in Russland praktisch umzusetzen.

- Was war besonders beeindruckend?

Besonders beeindruckend fand ich die Zusammenarbeit der Leitstellendisponenten und der Notaufnahme der Medizinischen Hochschule Hannover.

- Gab es besondere Begegnungen?

Jede Begegnung innerhalb dieser Woche war für mich eine besondere. Überall wurden wir herzlich begrüßt und haben auch Antworten auf alle – sogar „unbequeme“ – Fragen bekommen, wie zum Beispiel über die Kosten der Ausstattung.

- Was nehmen Sie nach dem Besuch aus Deutschland mit? Gibt es etwas, das Sie hier kennengelernt bzw. erfahren haben und bei sich daheim gern einführen/umsetzen würden?

Ich würde die Organisation des Rettungsdienstes in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen allen Teilnehmern von einem anderen Blickwinkel betrachten. Ich bin davon überzeugt, dass wir beim Umsetzen des neuen Wissens sicherlich viele Fragen bekommen werden. Und ich werde auf jeden Fall einen fachlichen Austausch mit den Kollegen in Deutschland anstreben, um die Antworten darauf zu bekommen. Auch würde ich gerne ein weiteres Mal nach Deutschland kommen wollen.

 

 

Foto: Johanniter

Interview mit Valentina Avdeeva, stellvertretende Leiterin des Regionalzentrums für Katastrophenmedizin Perm.

 - Wie ist dort das Ausbildungssystem? Gibt es ebenfalls eine dreijährige Ausbildung wie bei uns der Notfallsanitäter an drei Lernorten (Schule, Wache, Klinik)?

Die Ausbildung in Russland dauert 4,5 Jahre, beinhaltet aber die gleichen Stationen wie in Deutschland. Im letzten Ausbildungsjahr findet außerdem eine Spezialisierung statt.

- Was ist der Unterschied zwischen den deutschen und russischen Notfallsanitätern?

Die russischen Notfallsanitäter (Feldscher) arbeiten nach ICD-10, Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme.

Der wesentliche Unterschied zwischen den russischen und deutschen Notfallsanitätern liegt im Umfang der Verantwortlichkeiten, die sie wahrnehmen. Im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen dürfen russische Feldscher ihren Patienten mehr Medikamente verabreichen. In schwierigen Fällen können die Feldscher außerdem elektronisch den Kontakt zum Arzt aufnehmen und zum Beispiel eine EKG auswerten lassen.

Die Notfallsanitäter in Russland können zum Beispiel von verschiedenen Seiten reanimieren, in Deutschland erfolgt die Reanimation nach einem Algorithmus (immer nur seitlich).

Die Ausstattung der Fahrzeuge ist definitiv in Deutschland besser, die Autos werden öfter ausgetauscht. In Russland ist der Fuhrpark älter.

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