Rettungsdienstaustausch Hannover - Perm

Hannover/Perm, 24. Oktober 2017

ASB, Ambulanz Rettungsdienst KTG und Kersten Enke von der Johanniter-Akademie

Foto: Johanniter

In dem Zeitraum vom 14. bis zum 24. August 2017 reisten vier Notfallsanitäterschüler des Arbeiter-Samariter-Bundes und der Ambulanz Rettungsdienst KTG mbh aus Hannover gemeinsam mit Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen, nach Perm in Russland. Ziel dieser Reise war das ausführliche Kennenlernen des dortigen Rettungswesens sowie der gemeinsame Erfahrungsaustausch mit den russischen Kollegen. Das Erleben der Kultur und der Lebensweise in Russland stand ebenfalls auf dem Programm.

Der dortige ärztliche Leiter des territorialen Zentrum für Katstrophenmedizin (TZMK) Dr. Oleg Fedotkin empfing die Reisegruppe im circa 3.000 Kilometer entfernten Perm am Flughafen und begleitete die Schüler zu ihrer Unterkunft für die kommenden zehn Tage, einem Studentenwohnheim der Medizinischen Akademie Perm.

Mehrere Tage gastierte die Reisegruppe an der Schule für Katastrophenmedizin (SMK). Unter der Leitung von Dr. Valentina Avdeeva werden hier unter anderem die russischen Feldscher, gleichzusetzen mit dem hiesigen Notfallsanitäter, aus- und fortgebildet. Am Einführungstag stand neben dem Besuch zweier hoher Regierungsvertreterinnen auch die gegenseitige Präsentation der jeweiligen Rettungsdienstbereiche zwischen Dozenten der SMK und den Notfallsanitäterschülern auf dem Programm. Erleichtert wurde die Kommunikation während der gesamten Reise für alle Beteiligten durch die hervorragende Arbeit mehrerer Dolmetscher. Abgerundet wurde dieser Tag mit einem gemeinsamen Abendessen nach russischer Tradition.

Im Fokus der folgenden Tage am TZMK standen der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die Einführung in die dortigen Algorithmen. Theoretische und praktische Unterrichtseinheiten wechselten sich ab. Neben Wiederholungen in Anatomie, Physiologie und Pathologie wurde die dortige Traumaversorgung durch die Dozenten gemeinsam mit den Feldscherstudenten thematisiert. Auch die Durchführung von Fallbeispielen im Traumatheater des TKMZ stand auf dem Programm. Bei verschiedensten praktischen Szenarien wurden die jeweiligen Herangehensweisen vorgestellt, diskutiert und anschließend gemeinsam optimiert, sodass von einem beidseitigem Lernerfolg profitiert werden konnte.

Zu den weiteren Ausbildungsinhalten gehörte das Themenfeld Reanimation, welches von der Einhelfer-Reanimation (BLS) zum Teil Überkopf, bis hin zur ERC konformen ALS Reanimation im Team reichte. In der Gesamtheit verdeutlichte sich, trotz der Unterschiede beider Rettungswesen, die Ähnlichkeit der Arbeitsweisen. Beispielsweise ist dort die standardisierte Erstuntersuchung nach dem ABCDE-Schema ebenso etabliert.

Das Highlight aus Sicht der Schüler waren die beiden Praxistage an den jeweils ca. 250 Kilometer entfernten Rettungswachen der SMH in den Städten Solikamsk und Tschaikowski. Nach langen Anfahrten wurden zunächst die Räumlichkeiten und Einsatzmittel durch die diensthabenden Feldscher präsentiert. Anschließend wurden die Schüler einzeln auf den Rettungsmitteln eingesetzt und konnten somit aktiv am Dienst sowie entsprechenden Einsätzen teilnehmen als auch mitwirken. Das Einsatzaufkommen und Spektrum der dortigen Einsätze gleicht dem unseren, jedoch unterscheiden sich die räumlichen Gegebenheiten in Form von Transportwegen über teils 300 Kilometer. Weitere Unterschiede lagen im Bereich der persönlichen Schutzausstattung der Retter.

Neben berufsorientierten Aspekten wurden im Rahmen dieser Reise auch kulturelle Bestandteile in die Reise integriert. Dazu gehörte beispielsweise ein Besuch der Eishöhle in Kungur mit dem deutschsprachigen Anästhesisten Dimitry Yakshin. Dort fand überraschenderweise eine Feier anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Höhle mit Tänzen, Liedern und Ständen statt. Am Wochenende ermöglichte der ÄLRD Dr. Oleg Fedotkin den angehenden Notfallsanitätern einen Besuch auf seiner Datscha (Ferienhaus). Dieser Ausflug wurde mit einem typischen Sauna „Banja“ Besuch, russischem Essen, Quad fahren auf freiem Feld sowie mit Luftgewehrschießen abgerundet.

In den folgenden Zeilen wollen wir, die Notfallsanitäterschüler/innen unsere persönlichen Eindrücke über Land, Leute und Arbeit zum Ausdruck bringen: In den zehn Tagen, die wir in Russland verbringen konnten, wurde uns täglich ein außergewöhnlich hohes Maß an Gastfreundschaft zum Ausdruck gebracht, welches für uns schlichtweg unbekannt war. Trotz einiger Sprachbarrieren war der Kontakt jeden Tag auf’s Neue äußerst herzlich, freundlich und einfach besonders. Auf sämtliche unserer Bedürfnisse in einem fremden Land wurde ausgesprochen hohe Rücksicht genommen und bestmöglich umgesetzt. Diese Eindrücke in Worte zu fassen, ist teils nicht möglich. Russland und seine Kultur sind unfassbar faszinierend. Ein Land, das wir alle jederzeit wieder bereisen würden.

Wir bedanken uns recht herzlich bei sämtlichen Beteiligten für diese großartige Erfahrung!

Carlotta Kornblum
Jean-Luc Kruppa
Lennart Meyer
Maris Ratz