Welternährungstag: Das Klima ändert sich – Der Nahrungsmittelanbau muss es auch

Berlin / Nairobi / Phom Penh, 14. Oktober 2016

Effizientere und integrale Landwirtschaft, Schutz der Natur und der Ressourcen, Einkommensverbesserungen für Frauen und gesündere Ernährungsgewohnheiten: Das sind die Maßnahmen der Johanniter, um die Menschen besser auf den Klimawandel vorzubereiten und ihnen auch in Zukunft Nahrungsmittelsicherheit zu ermöglichen. Die Beispiele aus Kenia und Kambodscha zeigen, wie das funktioniert.

Turkana County, im Nordosten Kenias, ist eine der trockensten Gegenden Kenias mit extrem hoher Armut. Das Klima ist generell heiß, mit wenigen, unregelmäßigen und ungleich verteilten Niederschlägen. Wiederkehrende Dürre führte zu Entwaldung und Vegetationsverlust. Dies hat erheblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen der größtenteils nomadisch lebenden Bevölkerung, deren Lebensgrundlage stark von der Verfügbarkeit von Weideland für ihre Tiere abhängt.

Die Johanniter unterstützen deshalb nomadische Viehhirten durch Beratung und materielle Hilfe bei der Landwirtschaft. Wo vor wenigen Monaten noch Dornenbüsche wuchsen, sprießen heute Mais und Sorghum-Hirse auf 40 Hektar Land. Dadurch konnte die Selbstversorgung von rund 3600 Menschen gestärkt werden. Weitere Flächen werden derzeit urbar gemacht. Zusätzlich lernen die Nomaden Bienenzucht und eine verbesserte Herstellung von Braunkohle, um immer extremere Dürreperioden in der Region durch erweiterte Einkommensmöglichkeiten die Stirn bieten zu können.

Landwirtschaftliche Hilfe für Nomaden in Turkana, Kenia

Integrale Hilfe in Kambodscha

Mehr als 80 Prozent der Kambodschaner leben auf dem Land und sind abhängig von den Einkünften aus ihrer Viehzucht und Landwirtschaft. Doch ständig steigende Temperaturen, unregelmäßige Regenfälle, die Erhöhung des Meeresspiegels und andere Extremwetterkatastrophen führen zum Verlust der natürlichen Ressourcen.

Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Save Cambodia´s Wildlife (SCW) unterstützen die Johanniter in den kommenden vier Jahren Familien in 38 Gemeinden der nordöstlichen Provinzen Kratie und Stung Treng bei der Anpassung an den Klimawandel. Hierzu werden Maßnahmen zur integralen Landwirtschaft durchgeführt, wie beispielsweise Schulungen in verbesserten Agrartechniken, um die Erträge im Reisanbau um 15 Prozent zu steigern. Knapp 4000 Landwirte werden involviert sein.

Der Anbau weiterer Nutzpflanzen soll vielfältiger werden, wofür zunächst Modellfarmen bei einigen Landwirten eingerichtet werden. Diese dienen mit Vorbildfunktion zur Nachahmung durch andere Bauern. 150 Familien, die kein eigenes Land besitzen, werden bei der Anlage von Hausgärten begleitet, um so die Eigenversorgung mit Gemüse zu erreichen und die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Denn vielfach führt einseitige Ernährung und die falsche Zubereitung von Nahrungsmitteln zu Mangelerscheinungen und Unterernährung. Schulungen und Kochkurse zum Umgang mit den Produkten und die Vermittlung von Hygieneregeln sollen zu einer gesünderen Ernährung beitragen.

Einsatz erneuerbarer Energien

Schüler und Lehrer werden zudem in 38 Öko-Clubs über Klimawandel und Umweltverschmutzung sprechen und gemeinsam Kampagnen zur besseren Müllentsorgung durchführen. Erstmals werden zu Demonstrationszwecken in zehn Haushalten Biogasanlagen installiert, um der Bevölkerung die Nutzung erneuerbarer Energien näherzubringen. Mit der Technologie können die Familien selbst erzeugtes Gas aus organischen Haushaltsabfällen insbesondere zum Kochen verwenden. Das spart Zeit, Geld und Strom und schont die Umwelt, ebenso wie 38 stromsparende Solarpumpen zur Bewässerung der Gärten.

Weitere Informationen zur Arbeit der Johanniter in Kambodscha finden Sie hier.

„Es ist so leicht zu nutzen. Ich muss nicht mehr in den Wald, um Holz zu sammeln, was immer sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Jetzt habe ich mehr Zeit, um meine Kuchen zu backen und zu verkaufen. Auch schmeckt der Reis viel besser, wenn ich ihn mit Biogas koche. Durch den fehlenden Rauch und die Asche ist es auch viel hygienischer. Meine sieben Kühe produzieren genug Dung, dass ich dreimal am Tag kochen kann“, freut sich Ms. Saros (32), aus Thanaot in der Provinz Kratie. Sie ist eine der zehn Haushalte, die eine Biogasanlage testen dürfen.