Afghanistan: Aus dem Leben einer Hebammenschülerin

Kabul, 03. Mai 2019

2012 unterstützte die Johanniter-Auslandshilfe erstmals ein Ausbildungsprogramm für Hebammen in der afghanischen Provinz Balkh, um die alarmierende Mutter-Kind-Sterblichkeit im Land zu reduzieren. Anfang 2018 startete der dritte Ausbildungszyklus in der Provinz Takhar für 30 junge Frauen. Shafiqa ist eine von ihnen.

Shafiqa kommt aus dem abgelegenen Dorf Hazrat Bustan im Darqad Distrikt, der an Tadschikistan grenzt. Das Dorf liegt rund 120 km von der Ortschaft Taloqan entfernt, wo sich die Schule für das Community Midwifery Education (CME) Programm befindet. Dort wird Shafiqa derzeit zur Hebamme ausgebildet. Vor ihrer Ausbildung, lebten Shafiqa und ihr Kind bei ihren Schwiegereltern und halfen bei der Hausarbeit, während ihr Mann im Iran in der Hoffnung arbeitete, seine Familie so unterstützen zu können. Shafiqa leidet an Anämie und ihr Kind ist unterernährt. Sie konnte von dem dürftigen Lohn ihres Mannes kaum Lebensmittel kaufen; auch ihre Schwiegereltern sind abhängig vom Einkommen ihres Mannes. 

Kinder der Auszubildenden werden betreut

Shafiqa ist eine von 30 auszubildenden Hebammen.

Schon in der Vergangenheit war es ihr Wunsch, eine Ausbildung zu machen, aber ihre Eltern waren finanziell nicht in der Lage, sie zu unterstützen. Als Shafiqa hörte, dass eine Organisation in Takhar Frauen aus abgelegenen Dörfern für einen Hebammenkurs aufnimmt, informierte sie sofort ihren Mann und ihre Schwiegereltern. Sie bat um Erlaubnis, sich zu bewerben. "Zuerst haben sie gezögert, weil es zu weit weg von zuhause war, aber dann konnte ich sie überzeugen", so Shafiqa.

Sie war sehr glücklich, als die Auswahlkommission ihr mitteilte, dass sie für den Hebammen-Kurs ausgewählt wurde. Zusammen mit ihrem einjährigen Kind kam sie an die Schule. Während des Unterrichts wird das Kind zusammen mit den Kindern der anderen Schülerinnen von einer Kindergärtnerin betreut. Shafiqa und ihr Kind werden regelmäßig ärztlich untersucht und mit Medikamenten versorgt, um sich von Anämie und Unterernährung zu erholen.

Wichtige Rolle für Verringerung der Sterblichkeitsraten

Die zweijährige Ausbildung befähigt die Frauen zur professionellen Begleitung von Geburten. ©Johanniter

Die Einschreibung in den Hebammen-Kurs brachte tiefgreifende Veränderungen in das Leben von Shafiqa. Anders als zuvor verbringt sie nun den größten Teil ihrer Zeit in der Stadt und hat neue Freunde gewonnen. Im Dorf war sie dagegen nahezu die gesamt Zeit zuhause und ihre sozialen Kontakte beschränkten sich auf ihre Familienmitglieder. In Taloqan hat sie Gelegenheit, sich mit den anderen Schülerinnen, den Trainerinnen und dem Gesundheitspersonal in der Klinik, in der sie praktische Erfahrungen sammelt, auszutauschen.

In den Semesterferien kehrt sie in ihr Dorf zurück und verbringt Zeit mit ihren Schwiegereltern und Verwandten. "Sobald die Leute wissen, dass ich im Dorf bin, kommen alle Frauen zu mir und bitten mich, sie und ihre Kinder zu untersuchen. Das macht mich sehr glücklich", freut sich Shafiqa über diese positiven Rückmeldungen und auch darüber, nach dem Ende ihrer Ausbildung in ihr Dorf zurückzukehren. Als voll ausgebildete Hebamme wird sie in ihrer Dorfgemeinde dazu beitragen, Mütter- und Kindersterblichkeitsraten zu verringern und dringend benötigte Serviceleistungen für Mütter und Kinder bereitzustellen.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt. Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie hier

Die Johanniter sind in zahlreichen Regionen Afghanistans aktiv. Dieser Reisebericht gibt einen kleinen Einblick in die Vielseitigkeit und die Probleme des Landes.

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