Corona-Prävention in der DR Kongo: "Die Menschen sind durch Ebola sensibilisiert"

Goma / Berlin, 07. April 2020

Louis Massing (48) ist Allgemeinmediziner und arbeitet seit 2016 für die Johanniter in Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo. Als Büroleiter organisiert er derzeit die Aktivitäten seines Teams in den Bereichen Gesundheit und WASH. Die Bemühungen um die Eindämmung von Ebola in den letzten Jahren haben eine Struktur und ein Wissen hinterlassen, um angemessen auf den Coronavirus reagieren zu können. Dennoch ist Massing besorgt über die negativen Auswirkungen auf die Versorgungslage im Gesundheitsbereich.

Louis Massing (48), Allgemeinarzt und Leiter unseres Büros in Goma / DR Kongo. Foto: Massing

Wie nehmen die Menschen die Situation in Nord-Kivu wahr, nachdem Ebola bereits in der Region aufgetreten ist?

Louis Massing: Im Moment ist die Situation in Nord-Kivu nicht alarmierend. Bis Anfang April hatte das Gesundheitsministerium geringe Fälle mit der durch Corona ausgelösten Krankheit COVID-19 gemeldet. Die Provinz Nord-Kivu befindet sich noch nicht im kompletten Lockdown mit Ausgangssperren. Dennoch werden Eindämmungsmaßnahmen bereits in einigen Familien, Büros und Nichtregierungsorganisationen praktiziert. Angesichts der globalen Situation dieser Pandemie besteht eine allgemeine Angst. Aber da die Menschen bereits vor einem Jahr während der Ebola-Epidemie eine ähnliche Situation erlebt haben, sind sie sich dessen bewusst und sensibilisiert, was Präventivmaßnahmen gegen die Verbreitung einer solchen Krankheit angeht.

Welche Einschränkungen und negativen Auswirkungen hat COVID-19 für die Johanniter bei den laufenden Projekten?

Die Einschränkungen fallen auf operativer Ebene unterschiedlich aus. Wir reduzieren einige Aktivitäten, wie z.B. Schulungen. Nicht essentielles Personal wird nach Hause geschickt. Skype, Telefon- und E-Mail-Meetings haben Priorität bekommen, um Kontakt zu vermeiden. Einige internationale Mitarbeitende leben im Nachbarland Ruanda, welches kürzlich die Grenzen geschlossen hat. Dadurch sind sie derzeit quasi ausgeschlossen.

Der Einsatz von Handwaschbecken und Aufklärung durch Gesundheitshelfer werden neben Ebola auch für Corona-Prävention ausgeweitet. Foto: Johanniter / L. Coleman

Was wird gegen die Ausbreitung des Coronavirus getan?

Die Johanniter sind in 22 Gesundheitszonen aktiv. Dort führen wir bereits Sensibilisierungsmaßnahmen im Rahmen unserer regelmäßigen Projektaktivitäten durch, die sich auf die persönliche Hygiene, die Bedeutung des Händewaschens, die Vermeidung akuter Unterernährung und Ebola konzentrieren. Diese Aktivitäten werden nun stärker auf die Prävention von COVID-19 ausgerichtet. Dafür stellen wir Handwasch-Stationen an strategischen Punkten wie Gesundheitszentren, Schulen, Märkten oder Kirchen zur Verfügung. Werbespots in Gemeinde-Radios und Broschüren über COVID-19 begleiten diese Maßnahmen, genauso wie Gemeindegesundheitshelfer, welche über den Virus in ihren Gemeinden aufklärt werden und das Wissen weitergeben.

Wie funktioniert die Koordination mit dem Gesundheitsministerium und anderen Akteuren in Nord-Kivu? 

Die Johanniter sind seit geraumer Zeit ein aktives Mitglied der verschiedenen Koordinationsgremien, die sich mit der Bekämpfung von Epidemien im Allgemeinen und Ebola im Besonderen befassen. Zu diesem Zweck beteiligen wir uns mit bestimmten präventiven Aktivitäten. Wir stehen dabei nicht an vorderster Front, sondern setzen Präventionsaktivitäten in unserem Projektbereich um. Dazu gehört neben den bereits erwähnten Maßnahmen auch die Stärkung der Kapazitäten bei unseren Anbietern und die Prävention von Krankheiten mit epidemischem Potenzial im Allgemeinen. Das ist unsere Stärke und Aufgabe.

Erwarten Sie durch die Schließung der Grenzen negative Auswirkungen auf die Materialversorgung im Basisgesundheitsbereich?

Es ist möglich, dass die Schließung von Grenzen negative Auswirkungen auf die Versorgung im Allgemeinen hat. Schon jetzt sind die Preise für Grundgüter gestiegen, und auch für Produkte, von denen sich die Menschen eine Wirkung gegen COVID-19 erhoffen, z.B. Zitrone oder Ingwer. Wenn eine Schließung lange andauert, werden die zentralen Einkaufs- und Verteilungszentren für Medikamente nicht über ausreichende Vorräte verfügen, um alle Bedarfe zu decken. Insbesondere Lieferanten, die ihre Güter aus dem Ausland beziehen, stünden vor Problemen. Das gleiche gilt für importierte Lebensmittel, die auf dem Markt knapp werden können.

Neben dem Coronavirus muss die DR Kongo seit Jahren gegen den Ebolavirus kämpfen. Was wir Johanniter vor Ort tun, erfahren Sie hier.

Spenden Sie jetzt
Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin