Deutsche Neuauflage des Sphere-Handbuches vorgestellt

Berlin/Bonn (ADH), 20. Februar 2020

Gestern wurde in Berlin die deutschsprachige Neuauflage des Sphere-Handbuches vorgestellt. Der praktische Begleiter steht Helferinnen und Helfer in humanitären Krisengebieten zur Verfügung. Die Teilnehmenden tauschten sich über eigene Erfahrungen mit den Standards und Prinzipien aus, und diskutierten über die Tragweite des Standardwerks, das auch als Türöffner in unzugänglichen Konfliktgebieten seine Funktion haben kann.

Vertreter deutscher NRO, des Auswärtigen Amts, Aktion Deutschland Hilft, Sphere Association, VENRO und der Ruhr-Universität Bochum waren beim Launch in Berlin dabei. ©Johanniter/Ramm

Humanitär zu helfen bedeutet, die Bedürfnisse von Menschen, die von Katastrophen und Krisen betroffen sind, ernst zu nehmen und ihnen auch in Notlagen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Wie in anderen Bereichen des Lebens – etwa der Gesundheitsversorgung oder Lebensmittelherstellung – gibt es auch in der humanitären Hilfe internationale Qualitätsstandards, die die Wirkung von Hilfsmaßnahmen messbar machen. Seit Ender der 90er Jahre wird das Sphere-Handbuch  in der weltweiten Not- und Katastrophenhilfe angewandt und angesichts wachsender humanitärer Herausforderungen und Gegebeneheiten regelmäßig aktualisiert. Es dient als praktischer Begleiter und Unterstützer für humanitäre Einsatzkräfte. Die deutsche Neuauflage des Referenzwerkes für Qualität und Rechenschaft in der humanitären Hilfe wurden gestern in Berlin vorgestellt.

Gut Hilfe leisten

„Diderots Überlegungen sind in der humanitären Hilfe auch heute noch wegweisend“, sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“. Laut dem Schriftsteller und Philosophen genüge es nicht, nur Gutes zu tun, sondern es müsse auch gut gemacht werden. „Im Katastrophenfall zählt eine professionelle Herangehensweise der Helfenden und ein sensibler und würdiger Umgang mit den Betroffenen", so Roßbach. Spätestens seit der Ankunft schutzsuchender Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2015 sei klar geworden, dass eine deutschsprachige Ausgabe des Handbuchs aufgrund der enormen Herausforderungen nötig sei.

Sphere als Türöffner für unzugängliche Konfliktgebiete?

Anschließende Diskussionen beleuchteten die Bedeutung der Standards aus verschiedenen Perspektiven. Aninia Nadig von der Sphere Association betonte, dass "20 Jahre Diskussionen über Standards alles andere als langweilig sind". Sie seien identitätsstiftend und Ausdruck des Bewusstseins für weltweit gültige Grundbedingungen, die gegeben sein müssen, um Menschen in Not ein würdevolles Leben zu ermöglichen.

Hat man erst diese einvernehmlichen Standards, sind sie eine wertvolle Grundlage für Advocacy-Maßnahmen. Professor Dr. Hans-Joachim Heintze vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) verteidigte bei dem Launch den Grundsatz, dass humanitäre Akteure öffentliche Verurteilungen von Konfliktparteien grundsätzlich unterlassen sollten, um den Zugang zu betroffenen Personen nicht zu gefährden. Die Sphere-Standards können aber eine allgemein akzeptierte Grundlage bilden, auf die sich alle Seiten einigen, um Leid abzuwenden. Diese Standards anzusprechen und einzufordern, kann ein Schlüssel für einen besseren Zugang in Konfliktgebiete sein.

Zusammen mit allen anderen Hilfsorganisationen im Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ verpflichten sich die Johanniter, die Sphere Prinzipien und Standards umzusetzen. Denn dank dieser kann Menschen in Not ein Leben in Gesundheit und Würde ermöglicht werden."Dabei müssen immer die betroffenen Menschen im Zentrum unseres Handelns stehen", sagt Dr. Oliver Hoffmann von den Johannitern. "Der Maßstab dafür ist, dass die Art und der Umfang der Hilfe mit ihnen geplant und durchgeführt wird. Erst dann werden die Sphere-Standards eingehalten", so Hoffmann.

Was ist das Sphere-Projekt?
Um in der internationalen humanitären Hilfe Qualitätsstandards zu etablieren und so den Bedürfnissen von Menschen in Not besser gerecht zu werden, wurde bereits 1997 das Sphere-Projekt ins Leben gerufen. Im Jahr 2000 kam das erste vollständige „Sphere-Handbuch“ heraus. Die neueste Version des Handbuchs erschien im Dezember 2018 in englischer Sprache. Die deutsche Version wurde mit Hilfe einer Finanzierung durch das Auswärtige Amt von „Aktion Deutschland Hilft“ übersetzt.

Wie wird das Sphere-Handbuch praktisch eingesetzt? Unsere Kollegin Caroline Ngunga aus Kenia erklärt es im Interview.

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