DR Kongo: "Schauplatz einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt“

Berlin / Goma, 22. Mai 2018

Monika Esders ist Fachbereichsleiterin der Johanniter-Auslandshilfe für Afrika. Sie koordiniert derzeit mit dem Team in der Stadt Goma die Hilfsaktivitäten im Osten der Demokratischen Republik Kongo. In der Region sind 1,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Johanniter unterstützen die Menschen bei der Basisgesundheitsversorgung. Im Interview beschreibt Monika Esders die derzeitige Situation in Nord-Kivu, einem Zentrum des seit Jahren anhaltenden Konflikts im Land.

Monika Esders ist Fachbereichsleiterin Afrika der Johanniter-Auslandshilfe. ©F. Gutierrez

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist derzeit ein wichtiges Thema in den deutschen Medien. Das Land steckt allerdings schon seit geraumer Zeit in einer tiefen Krise. Wie alarmierend ist die Situation?

Leider prägen politische Instabilität, zunehmende Gewalt, bewaffnete Konflikte und Epidemien die Demokratische Republik Kongo schon seit Jahrzehnten. Eine desolate Infrastruktur erschwert die Versorgung. Vielerorts leiden die Menschen unter Nahrungsmittelknappheit und Unterernährung und im gesamten Land kommt es zu Vertreibungen. Insbesondere der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist Schauplatz einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt. 1,8 Millionen Menschen  sind dort derzeit auf der Flucht, deren Ursache vor allem in ethnischen Auseinandersetzungen, Fragilität des Staates und KOnflikten um Ressourcen liegen. Trotz eines sagenhaften Vorkommens an Bodenschätzen rangiert die DR Kongo weiterhin unter den ärmsten Ländern der Welt. Im Human Development Index von 2016, der den Entwicklungs- und Armutsstand eines Landes misst, nimmt das Land von 188 Ländern den Platz 176 ein.

Welche Auswirkungen hat diese Lage für die Bevölkerung?

Die Auswirkungen sind desaströs: Die Ernährung ist für viele Menschen nicht gesichert und der humanitäre Bedarf enorm. Immer wieder gehen die Konflikte im Land mit Übergriffen und Vergeltungsaktionen durch Milizen gegenüber der Zivilbevölkerung einher. Sexuelle Gewalt wird dabei systematisch als Waffe eingesetzt, um bestehende soziale Strukturen zu stabilisieren. Die Überlebenden sexueller Gewalt sind häufig von einer spezifischen Versorgung ausgeschlossen.

Was passiert mit den intern Vertriebenen?

Vier von fünf Binnenvertriebenen kommen bei Gastfamilien unter. Bei ihnen handelt es sich aber meist selbst um arme Menschen. Die Hälfte von ihnen verdient nicht mehr als einen US-Dollar pro Tag. Mit der Aufnahme Vertriebener riskieren sie, die eigene Ernährungssicherheit zu verlieren, weil sie ihre wenigen verfügbaren Ressourcen teilen. Binnenvertriebene und Gastfamilien sind somit anfälliger für Mangelernährung und Krankheiten. Es wird geschätzt, dass dieses Jahr 13,1 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden. Das öffentliche Gesundheitssystem ist in einem desolaten Zustand und kann ohne Unterstützung von außen keine angemessene Gesundheitsversorgung bieten. Neben dem Verlust eigener Einkommens- und Ernährungsgrundlagen ein Grund mehr, warum die Zahl vermeidbarer Todesfälle im Land so hoch ist.

Die Johanniter sind seit Jahren im Gesundheitsbereich aktiv. Was genau wird getan?

Um vermeidbare Krankheiten und die Sterblichkeit zu verringern, stärken die Johanniter in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium das Gesundheitssystem. Das bedeutet in der Praxis, dass wir etwa in Masisi und Mweso Gesundheitsstationen renovieren und ausbauen, mit Medikamenten versorgen und das Personal der Gesundheitsstationen fortbilden, um eine qualitativ hochwertige medizinische Behandlung zu ermöglichen. Zusätzlich führen wir präventive Maßnahmen durch, um beispielsweise Cholera-Ausbrüche wie im vergangenen Jahr zu vermeiden. Schwierigkeiten bleiben natürlich nicht aus: Da seit Monaten die Lieferkette von therapeutischer Zusatznahrung unterbrochen ist, müssen wir spezielle Erdnusspaste zur Versorgung von akut unterernährten Kleinkindern importieren.

Nicht nur die Versorgung intern Vertriebener ist eine Herausforderung, auch die Nachbarländer bereiten sich auf Flüchtlinge vor. Sind größere Fluchtbewegungen zu beobachten?

Seit Ende 2017 fliehen die Menschen verstärkt nach Uganda. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Agency for Cooperation and Research in Development (ACORD) haben wir im Mai ein Projekt im Flüchtlingslager Kyangwali begonnen. Dort leben etwa 5.000 der seit Anfang des Jahres geflohenen 80.000 Menschen, die größtenteils aus den Provinzen Ituri und Nord-Kivu stammen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rechnet bis Ende 2018 mit insgesamt 150.000 Flüchtlingen in Uganda.

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Monika Esders, Fachbereichsleiterin der Johanniter-Auslandshilfe für Afrika, steht Ihnen für Telefoninterviews zur Verfügung.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:Sandra Lorenz, Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe, Tel.: 030 26997-356 / Mobil: 0172 563 87 40 / E-Mail: sandra.lorenz@johanniter.de

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

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