Ecuador: „Wie ein Magnet, der alle zusammenhält.“

Berlin / Quito, 11. Juni 2020

Sucumbíos im Norden Ecuadors gilt als eine der ärmsten Provinzen des Landes. Die meisten Menschen haben nur einen begrenzten Zugang zu Gesundheit und Bildung sowie politischer und sozialer Teilhabe. Davon sind vor allem Frauen betroffen. Seit Dezember 2017 werden sie über die lokale Partnerorganisation Federación de Mujeres de Sucumbíos (FMS) in den Bereichen Frauengesundheit und Gewaltprävention unterstützt. Vieles konnte bis heute verbessert werden.

Nur jede fünfte Frau, die mit dem Frauenverband FMS assoziiert ist, hatte jemals in ihrem Leben eine Gesundheitskontrolle. Nur jede vierte von ihnen ist krankenversichert. Diese Bedingungen waren Anlass für ein 2017 gestartetes Projekt, das marginalisierten Frauen den Zugang zu einer adäquaten Gesundheitsvorsorge und -versorgung ermöglichen soll. Zwei Jahre später haben mehr als 800 Frauen spezifische Vorsorgeuntersuchungen u.a. durch Gesundheitsbrigaden erhalten. Sie nahmen die Möglichkeit wahr, sich in Workshops zum Thema Gesundheit weiterzubilden. Darin erfuhren sie mehr über Themen wie Krebserkennung und –vorsorge, die Bedeutung einer gesunden Lebensweise und über die Möglichkeiten der Familienplanung.

Die Workshops thematisierten auch Frauenrechte und sexuelle Gewalt. Sie stärken die Frauen in ihrer politischen Teilhabe, da Frauenrechte oft nur eine untergeordnete Rolle spielen und bei politischen Entscheidungen nicht berücksichtigt werden. "Mir haben diese Workshops sehr gefallen, weil wir uns nun nicht mehr geringschätzen lassen. Sie haben uns gezeigt, wie wir unser Selbstbewusstsein stärken können. Ich weiß, dass ich etwas wert bin und bis hierher eine mutige Frau war. Ich möchte meine Mitstreiterinnen dazu aufrufen, nicht aufzugeben", sagt Vilma Cando, die an einem Workshop der FMS zur Stärkung von Frauen teilnahm.

Unterstützung nach erlebter Gewalt

Mut braucht es auch angesichts latenter Gewalt: In der Provinz Sucumbíos haben laut einer Umfrage der FMS acht von zehn Frauen geschlechterspezifische oder intrafamiliäre Gewalt direkt erlebt. Es wird jedoch geschätzt, dass nur 10 Prozent der Betroffenen darüber berichten und anschließend Unterstützung erhalten. Wer Gewalt erlebt hat und bedroht ist, findet im von der FMS geführten Frauenhaus „Casa Amiga“ Zuflucht und Hilfe. 2019 konnten 101 betroffene Frauen und ihre Kinder hier temporär unterkommen und so der Gewalt in ihrem Zuhause entfliehen. In Selbsthilfegruppen können Frauen heute über Gewalt sprechen und Schritte dagegen artikulieren. Soziale, psychologische und legale Betreuung sowie Beratung stehen begleitend zur Verfügung. Im Jahr 2019 nahmen 375 Frauen in einem Betreuungszentrum der FMS diese wichtigen Dienste in Anspruch.

Es ist, als würde man ein Netz aus unsichtbaren Fäden zwischen den Frauen flechten und dieses Netz fängt sie auf. Es ist ein Wunder, dass eine Frau sich und ihre Realität so in einer anderen Frau wiedererkennen kann. Das wirkt wie ein Magnet, der alle zusammenhält“, sagt Amparo Peñaherrera, Koordinatorin der FMS, über die wichtige Arbeit innerhalb der Gruppen.

Das Projekt endet im Dezember 2020 und wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell unterstützt.

 

 

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