Ein Jahr EMT-Klassifizierung: Bereit für den Ernstfall

Berlin, 13. Juni 2018

Der 13. Juni des vergangenen Jahres war ein bedeutender Tag für die Soforthelfer der Johanniter: Als erste NRO weltweit wurden sie durch die Weltgesundheitsorganisation WHO als „EMT Type 1 Mobile“ klassifiziert, das in Zukunft mobile medizinische Hilfe nach WHO-Standard leistet. Der Weg dorthin forderte nicht nur fachliche und materielle Verbesserungen, sondern auch schnellere Einsatzbereitschaft und mehr Helfer als zuvor. Obwohl kein Einsatz im ersten EMT-Jahr notwendig war, trainierten die Soforthelfer ihre Fähigkeiten. Die letzte Übung fand Ende Mai in Tübingen zusammen mit dem Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) statt. Jasmin Vogel vom RV Berlin nahm daran teil und berichtet hier von ihren Übungseindrücken:

Unser Team hatte ein Ziel: Die Aufgabe so gut es geht meistern und vieles lernen. Das Besondere an der gemeinsamen Outdoor-Übung vom 30.05. bis 03.06.2018 in Tübingen war die enge Zusammenarbeit unseres mobilen EMT (Emergency Medical Team) mit dem festen EMT Type 1 des ASB. Zusätzlich sollte die Übung neben der medizinisch-logistischen Bewältigung des realistischen Szenarios auch gemeinsame Workshops und Trainingssequenzen beinhalten, was herausfordernd und vielversprechend klang.

Das Szenario: Ein Erdbeben erschütterte Reutlingen, die Stadt wurde nahezu zerstört. Das benachbarte Pfrondorf - unser ernanntes Einsatzgebiet - zählte viele eingestürzte Häuser und einsturzgefährdete Gebäude. Von den 3.500 Einwohnern haben 254 Personen (schwere) Verletzungen davon getragen, die Zufahrten in die Ballungsräume wie Tübingen waren blockiert. Über einen bundesweiten Katastrophenalarm durch die lokale Regierung wurde schnellstmögliche medizinische Unterstützung angefordert und unser Team dorthin entsandt.

Jeder kennt seine Aufgabe

Jeder Soforthelfer wurde entsprechend den eigenen Stärken und praktischen Fähigkeiten einem bestimmten Aufgabenfeld zugewiesen. Neun ehrenamtliche Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie ein Teammitglied aus Finnland stellten das zehnköpfige EMT, das hauptsächlich aus neurekrutierten Helfern bestand, die unterschiedliche Praxis- und Auslandserfahrungen mitbrachten.

Ein Teamleader wurde ernannt, fünf Kollegen waren für medizinische Aufgaben zuständig und stellten die klinische Versorgung im sogenannten Outreach (mobiles medizinisches Team) sicher. Weitere zwei Teammitglieder waren hauptsächlich für den logistischen Bereich eingeteilt. Sie organisierten die Hilfsgüter, den Aufbau des Basislagers und bereiteten den Behandlungsplatz vor. Zwei Kolleginnen waren für die psychosoziale Bachversorgung zuständig sowie weitere organisatorische Aufgaben, sofern es bei einem Bereich zu erheblichen Engpässen kam.

Ernstfall in der Übung

Das Basislager an einem halben Tag aufzubauen und im weiteren Tagesverlauf das mobile medizinische Team zur Behandlung auszusenden, war für alle Beteiligten anstrengend und herausfordernd. Entgegen aller geplanten Szenarien traf uns sogar ein nächtliches starkes Unwetter. Entsprechend dem Protokoll wurde eine Evakuierung angeordnet, denn jederzeit gilt: Die Sicherheit des Teams hat höchste Priorität. Alles in allem also ein äußerst intensiver Einsatztag.

Die letzten beiden Tage waren dem Rückbau des Basislagers sowie der Fort- und Weiterbildung gewidmet. Die Helfer konnten zwischen „Geburtshilfe unplugged“, „Gipsen von Frakturen“ oder „Kühlkette, Müll-Management und Wasseranalyse“ wählen. Jede Kurseinheit war an die Verhältnisse und Bedürfnisse in einer Katastrophe angepasst. Ein offener Austausch mit eigens kreierten Fallbeispielen traf auf wissbegierige Zuhörer.

Das EMT 1 von ASB und den Johannitern. ©Johanniter

„Beim nächsten Mal wieder dabei!“

Die Zusammenarbeit mit dem ASB hat während des gesamten Einsatzes sehr gut funktioniert. Es war ein Training auf Augenhöhe, indem sich beide Hilfsorganisationen nebeneinander behaupten und voneinander lernen konnten.
Innerhalb des Johanniter-Teams, von denen einige Teilnehmer neu waren, ist die anfängliche Scheu schnell gewichen. Binnen kürzester Zeit schlossen sich alle zu einer eingeschworenen Truppe zusammen. Sie standen füreinander ein und halfen sich gegenseitig. Jedes Teammitglied war über sich hinausgewachsen und konnte viele Eindrücke sowie Erlebnisse mit nach Hause nehmen. Für alle Helfer war nach dieser Outdoor-Übung klar: „Beim nächsten Field Camp bin ich wieder dabei!“ Vielen Dank an alle Organisatoren beider Hilfsorganisationen vor und hinter den „Kulissen“, die uns diese Erfahrungen ermöglicht haben!

Das hat unser EMT im ersten Jahr geleistet:

  • 25 neue Mitglieder haben sich seit der Klassifizierung eingeschrieben und Ausbildung zum Soforthelfer begonnen
  • Komplettes EMT Type 1 Mobile (24 Personen) hat an fünftägiger ModEX-Übung in Liverpool im Oktober 2017 mit anderen europäischen Teams teilgenommen
  • Durchführung von drei  EMT Einführungs-Trainings mit Neuerungen in den Bereichen Logistik und Medizin
  • Durchführung von einem Logistik-Training zum Thema Basislager-Management
  • Durchführung von einem Leadership-Workshop für potenzielle Teamleiter
  • Ergänzung und Optimierung der EMT-Ausstattung wurde abgeschlossen
  • Modularisierung der Ausstattung wurde abgeschlossen und ist nun versandfertig und einsatzbereit: Das Equipment umfasst 154 Packstücke mit einem Volumen von 72 Kubikmeter und einem Gesamtgewicht von 9,3t

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Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

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