Haiti: Der Held der Kokospalme

Port-au-Prince/Berlin, 23. Juli 2018

Die Johanniter-Auslandshilfe errichtet im Südwesten Haitis ein neues Schulgebäude. Das alte Gebäude wurde 2016 von Hurrikan "Matthew" schwer beschädigt. Mit Leben füllen es die Kinder und engagierte Eltern wie Levelt Alsid.

Die Natur ist die beste Bank für die Menschen, ist Levelt Alsid überzeugt. Der 64-Jährige erinnert sich, dass viele Haitianer früher kein Geld leihen mussten, sondern eine alte Tradition pflegten. „Zusammen mit dem Rest der Nabelschnur eines Kindes gruben Eltern Kokospalmensamen in die Erde ein“, erzählt er. „Nach rund fünf Jahren trug der Baum die ersten Früchte. Mit dem Verkaufserlös erwarben die Eltern Hühner. Auch sie vermehrten sich und wurden verkauft, um über Schweine und Ziegen am Ende eine Kuh zu kaufen.“ Wenn ein Paar heiratete, habe der Mann seine Tiere für ein Grundstück veräußert. Die Frau brachte ihre Tiere als Mitgift in den neuen Haushalt ein. Wertschöpfung auf haitianisch.

27 Menschen gerettet

Levelt Alsid (64) mit seinen beiden Söhnen: "Bei Katastrophen helfen wir uns." ©Johanniter/C. Zehl

Levelt weiß aber auch, dass solche Pläne oft ein jähes Ende finden: Im Oktober 2016 wütete Hurrikan „Matthew“ über dem armen Karibikstaat und über dem Dorf von Levelt. Drei Tage lang. Er zerstörte nicht nur sein Haus, sondern das ganze Dorf. „Es gab keinen Strom, kein Telefon, keine Gesundheitsstation, aber sehr viele Verletzte und Tote“, erinnert er sich. Levelt kannte sich in Erste Hilfe aus. Er rettete in den Folgetagen 27 Menschen. „Man hilft sich in Haiti gegenseitig nicht mehr so viel wie früher“, fällt ihm auf. „Aber bei Katastrophen unterstützen wir uns gegenseitig.“

Sich gegenseitig helfen, Traditionen pflegen, von Mitmenschen lernen: Das möchte Levelt wiederbeleben. Die Familie lebt nach „Matthew“ in der Stadt Torbeck. Seine Söhne gehen auf die Ecole de Village, die über den deutschen Verein Ti Colibri Haiti e.V. finanziert wird. Die Schule mit einem Waldorf-Ansatz ermöglicht rund 120 Kindern kreative und individuelle Förderung. Das Schulgebäude wurde vom Wirbelsturm schwer beschädigt. Jetzt baut es die Johanniter-Auslandshilfe auch mit der Unterstützung von "Aktion Deutschland Hilft" wieder neu auf: sturmsicher, über zwei Etagen und mit acht Klassenzimmern.

Tragfähige Zukunft für Haitis Kinder

Nebenan gedeiht der Schulgarten. Dort lernen die Schüler mit Gärtner Joseph Ackerbau und produzieren die Nahrungsmittel der Schule. Jedes Kind bekommt eine Suppe am Morgen und ein warmes Mittagessen. Für einige von ihnen ist es die einzige Mahlzeit am Tag. Levelt gehört zum Elternvorstand der Schule. Im Mai hat er den Kindern von der alten Tradition erzählt und anschließend mit ihnen neue Kokosbäume gepflanzt. Trotz wiederkehrender Stürme will er an einer tragfähigen Zukunft für die Kinder arbeiten. Das neu entstehende Schulgebäude durch die Johanniter ist dabei genauso Fundament wie die Kokosbäume von Levelt.

Hier erfahren Sie mehr über unser Engagement der letzten Jahre in Haiti.

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