Kambodscha: Eine Frage der Hygiene

Phnom Penh, 06. Juni 2018

Der Teufelskreis der Armut beginnt oft mit fehlender Gesundheit. Erkrankte Menschen müssen kostspielige und lange Wege zur nächsten Gesundheitsstation zurücklegen. Ein langfristiges Projekt der Johanniter-Auslandshilfe in Kambodscha geht mehrere Ursachen an: Neben besserer Ernährung steht vor allem die Hygiene im Vordergrund.

Son Sath hat ein Ziel: „Ich möchte, dass jeder in meinem Dorf mal eine Latrine hat.“ Dafür sorgt der Familienvater gleich zweifach. Son ist Mitglied im Latrinen-Komitee des kleinen Dorfes Kachan, welches zwei lokale Partnerorganisationen der Johanniter ins Leben gerufen haben. In einem dreitägigen Training lernte er, wie jeder Haushalt eigenständig eine Latrine bauen und instand halten kann. Das Wissen gibt der 35-Jährige an die Gemeindemitglieder weiter.

Gleichzeitig kommt er seinem Ziel mit einigem Geschäftssinn näher. Vor seinem Haus hat Son eine Werkstatt unter freiem Himmel eingerichtet. Hier lagern Kies, Zement und Sand in kleinen Haufen und Säcken. Weiter oben an der Hauswand hängt ein Plakat mit Hygiene-Informationen des Komitees. Am Tag zuvor brachte Son frischen Beton in eine vorbereitete Form. Nachdem dieser über Nacht ausgehärtet ist, pellt er daraus nun Beckenteile für neue Latrinen. Die Ecken und Kanten rundet Son mit seiner Maurerkelle ab.

Kollektives Umdenken anstoßen

Latrinenelemente wie diese verkauft Son an die Bewohner von Kachan und in der Umgebung. Der Bedarf ist hier wie in vielen anderen Dörfern der kambodschanischen Provinz Ratanakiri groß, denn lokale Produzenten wie ihn gibt es nicht. Fast alle Haushalte hatten zu Beginn des Projekts vor einem Jahr die Notdurft irgendwo in der Umgebung hinter Bäumen oder Büschen verrichtet. Zusammen mit schlechten Handwasch-Praktiken waren Darm- und Magen-Infektionen an der Tagesordnung. Die wenigsten Bewohner hatten sauberes Wasser zur Verfügung, Seife? Mangelware.

„Zuerst haben wir den Menschen dieses sensible Thema bewusst gemacht“, erklärt Claudia Zehl, Projektkoordinatorin der Johanniter. „Mit wissenschaftlichen Fakten über die negativen Auswirkungen vernachlässigter Hygiene haben wir ein kollektives Empfinden von Ekel und Scham erzeugt. Das hat gewirkt und viele interessierten sich danach für die Verbesserungen.“ Latrinen-Komitees formierten sich in vier ausgewählten Dörfern. Sie sollen erreichen, dass bis 2020 in mehr als der Hälfte aller Haushalte eine Latrine besitzen.

In der Multimedia-Reportage erfahren Sie mehr über die Geschichte von Son Sath und die Menschen in seinem Dorf.

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Ausgewogene Ernährung hält gesund

In Kachan und einem weiteren Dorf wurden Wasserversorgungssysteme installiert. Große solarbetriebene Pumpen leiten das Wasser aus einer Grundwasserbohrung über neu gelegte Leitungen in einen erhöhten Wassertank. Dadurch ist Tag und Nacht für ausreichend Druck und sauberes Wasser gesorgt. Besonders die neuen Kleingärten sollen davon profitieren. Dort wir den Bewohnern gezeigt, wie neben dem Grundnahrungsmittel Reis gesundes Gemüse auf kleinen Flächen angebaut und danach schonend zubereitet werden kann. Auch Son, von Beruf Landwirt, hat ein Feld, auf dem jetzt verschiedene Gemüsesorten wachsen und das er über das neue System bewässert. Seine Frau und die drei Kinder kann er nun mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.

Claudia Zehl (3. v.li.) besuchte Son Sath in Kachan. ©Johanniter/Pineros

Derzeit ist Son aber vor allem Feuer und Flamme für den Latrinenbau. Sein Auftragsbuch gibt ihm recht: „Mittlerweile haben 28 Familien Latrinenteile bei mir in Auftrag gegeben“, freut er sich. Sein Ruf als guter Handwerker und die Vorteile machen die Runde. „Der Wald ist so weit weg und es war schrecklich, wenn es geregnet hat“, erinnert sich Man Maly, die Ehefrau von Son. „Ich hatte jedes Mal Angst, dorthin zu gehen. Es ist jetzt so viel einfacher.“

Die positiven Erfahrungen seien die Grundlage für den Erfolg dieses Projekts, meint Claudia Zehl, das mir mehr als 1,6 Millionen Euro und der Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bis Ende 2020 umgesetzt wird. Die positiven Erlebnisse haben auch dazu geführt, dass die Gemeindebewohner aus eigener Kraft die Gräben gegraben und Wasserleitungen verlegt haben. Damit diese auch in Zukunft funktionieren, führt jeder Haushalt eine kleine Gebühr für Reparaturen ab. „Was mich besonders freut, sind Menschen wie Son, die viel Eigeninitiative und Engagement zeigen“, so Zehl. Denn nur mit so beherzten Projektteilnehmern sei der Erfolg solcher Initiativen garantiert.

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