Kambodscha: Ohrengesundheit für alle bereitstellen

Phnom Penh, 27. März 2019

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der Gehörgeschädigten auf rund 360 Millionen Menschen weltweit. All Ears Cambodia (AEC) beziffert diese auf rund zwei Millionen in Kambodscha: eine erschreckend hohe Zahl für ein Land mit 15 Millionen Einwohnern. Dennoch steht AEC nach vielen Jahren alleine da, wenn es um die Diagnose und spezialisierte Behandlung von Gehörschäden  in Kambodscha geht. Die Johanniter unterstützen das Engagement der Organisation seit 2016.

Riesige Bohrer arbeiten sich krachend in den Boden für neue Wolkenkratzer. Hunderte Motorradtaxis schlängeln sich hupend durch die Straßen. Die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh gleicht einem Ameisenhaufen, der in die Höhe wächst. Das Wirtschaftswachstum lässt sich nicht nur am geschäftigen Treiben festmachen, sondern auch am steigenden Lärmpegel. „Dem Schutz des Gehörs wird hier wenig Beachtung geschenkt“, erklärt Sin Chan Seyha. „Weder im Verkehr, noch auf den Baustellen. Das hat Langzeitfolgen.“ Seyha leitet die Aktivitäten von zwei Ohrenkliniken der Organisation All Ears Cambodia (AEC) an zwei Standorten in der Hauptstadt. Drei weitere Kliniken gibt es in Provinzstädten. Dort ist weniger der Lärm für Gehörprobleme ausschlaggebend, sondern die Folgen der Armut.

AEC schätzt, dass rund jeder siebente Einwohner Kambodschas eine Beeinträchtigung des Gehörs hat. Die häufigste Ursache sind Mittelohrentzündungen und eine falsche oder gar keine Behandlung. In einigen Dörfern seien chronische Gehörkrankheiten unter Kindern bereits Normalität. Trotzdem ist AEC bis heute die einzige Organisation, die sich auf Ohrengesundheit und Gehörprävention spezialisiert hat. Individuell angepasste Hörgeräte stellt die 2003 gegründete Organisation mittlerweile selbst her, Diagnosen am National-Krankenhaus sind ebenfalls Aufgabe von AEC. Denn spezialisierte Fachärzte gäbe es laut AEC dort nicht.

Augenmerk auf mittellose Menschen

Eine Gruppe von Kindern wird am Morgen in einer der AEC-eigenen Kliniken in Phnom Penh untersucht. Sie kommen entweder aus armen Familien oder sind Straßenkinder. Eine lokale Organisation kümmert sich halbtags um sie, für heute haben sie eine Kontrolluntersuchung vereinbart. Ohren werden durchleuchtet, Verunreinigungen im Gehörgang beseitigt. Akute Fälle bleiben aus. Gruppenbehandlungen wie diese sind keine Ausnahme. Mit mehr als 50 Organisationen und Institutionen hat AEC Vereinbarungen getroffen. Sie können besonders arme Menschen oder Kinder für kostenlose Untersuchungen und Behandlungen an AEC vermitteln. Mittlerweile behandeln die Ohrenprofis schon 30.000 Menschen pro Jahr. Ihnen stehen dafür hochmoderne Geräte zur Verfügung, sowie - bei Bedarf - kostenlose Hörgeräte. Diese sind für die meisten Patienten nicht bezahlbar.

Mehr Prävention durch Aufklärung

Regelmäßig führen AEC-Teams mobile Einsätze durch, um auch in weit abgelegenen Regionen ihren Service anzubieten. In der nordöstlichen Provinz Kratie unterstützen sie dabei die Johanniter. Bis März 2020 werden rund 11.500 Menschen behandelt und aufgeklärt. Die finanziellen Ressourcen stellt die Tereska-Stiftung bereit, die seit mehreren Jahren die Gesundheitsprojekte unterstützt. Neben den Behandlungen finden vor allem an Schulen Aufklärungsveranstaltungen statt. Kinder können dabei entdecken und erleben, wie das Gehör funktioniert, warum es so wichtig ist und worauf man zu seinem Schutz achten muss.

„Es ist nicht immer einfach, das Wissen und besseres Verhalten für Ohrengesundheit zu vermitteln. Oft ist die vermeintliche Lösung für die Menschen der Gang zur Apotheke, anstatt einen Arzt aufzusuchen“, so Sin Chan Seyha. Für die Verbreitung des Fachwissens setze sie sich ein, obwohl sie selbst keine Ärztin sei. Wie auch andere Mitarbeiter ist sie seit der Gründung der Organisation dabei. Mittlerweile bietet AEC Trainings an, um Mitarbeiter zu schulen und so mehr Menschen professionellere Ohrenbehandlungen zu ermöglichen. Auch Seyha hat daran teilgenommen, denn: "Die Kliniken sind mein Lebensinhalt und diese Arbeit der beste Weg, die Menschen wieder zum Lächeln zu bringen, wenn sie wieder besser hören.“

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