Kolumbien: Den Menschen zuhören

Berlin, 04. Dezember 2018

Die Johanniter-Auslandshilfe hat erstmals in Lateinamerika mit lokalen Organisationen die "People First Impact Method" (PFIM) geübt. Sie gibt betroffenen Menschen eine Stimme und lehrt das Zuhören. Was simpel und nicht neu klingt, wird in Momenten von Katastrophen und Krisen gern vergessen. Statt mit den Menschen zu reden und zu planen, wird über ihre Köpfe hinweg entschieden. Fehlschläge in Projekten können die Folge sein.

Anfang Dezember fand in der kolumbianischen Metropole Medellín der fünftägige Workshop statt, bei dem es um „radikales Zuhören“ geht, wie es die Malteserin Anne Hild umschreibt. Sie führte als Trainerin den Workshop durch. Die Menschen erreiche und verstehe man vor allem dann, wenn man mit ihnen auf einer emotionalen Ebene kommuniziere und ihre Ideen und Einstellungen verstehe. Smalltalk zu Beginn, offene Fragen und viel Zeit zum Zuhören: Darauf komme es an.

Ein klassischer Fall ist, wenn NGOs mit ihren Geländewagen in Dörfer fahren und die versammelten Menschen unter einem großen Baum punktuell befragen“, erklärt Anne Hild. „Wenn sie später das Dorf verlassen, fangen zwischen den Bewohnern die eigentlich wichtigen Gespräche über ihre Bedarfe, Emotionen und Nöte an. Genau diesen Gesprächen muss man lauschen. PFIM ist ein Weg dahin.“

Die Menschen zu Protagonisten machen

Die 24 Teilnehmenden stellten sich mit der neuen Methode am dritten Tag des Workshops den Bewohnern der Comuna 8, ein Armenviertel Medellíns, das viele Jahre von Bandengewalt heimgesucht wurde. Gruppen von alleinstehenden Müttern, Jugendlichen, Menschen mit Behinderung oder venezolanische Migranten saßen sichtlich angespannten NGO-Mitarbeitenden gegenüber. Wie soll man das Eis brechen? Ein Gespräch ohne klare Zielsetzung führen?

Das erste Aufeinandertreffen war für die meisten Teilnehmenden wegweisend. "Ich traf auf der Straße eine Gemeindeführerin, die ich gut kenne", erzählt Diego Pulgarin. Er arbeitet in der Comuna 8 für die Stiftung Las Golondrinas, eine lokale Partnerorganisation der Johanniter. "Sie sagte mir, dass sie gerade glücklich von einem interessanten Workshop käme, in dem sie von ihrer Situation sprechen konnten. Sie wusste nicht, dass ich Teil des Workshops in einer anderen Gruppe war. Da ist mir klar geworden, wie wichtig das freie Erzählen ganz ohne Agenda und ohne Fragebögen für die Menschen ist", so Pulgarin.

Neben Zahlen und Fakten öffnete die neue Gesprächsform eine Schatzkiste an Emotionen, Ideen und Gedanken der Menschen. Basierend auf diesen Daten bereiteten die Teilnehmenden ein zweites Gespräch mit den gleichen Gruppen vor, um diesmal gezielt über Probleme oder gewonnene Erkenntnisse aus dem ersten Gespräch zu reden. Auf diesem Wissen und aufgebauten Vertrauensverhältnis lassen sich erfolgreiche Projekte aufbauen.

Der Workshop fand im Rahmen eines humanitären Hilfsprojekts in Kolumbien statt, das vom Auswärtigen Amt finanziell unterstützt wird.)

Sie möchten mehr über die People First Impact-Methode (PFIM) erfahren? Hier können Sie unsere Broschüre dazu auf Englisch herunterladen.

Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin