Koordinatorin in Indonesien: „Lebensmittel und sauberes Wasser sind knapp“

Berlin / Jakarta, 02. Oktober 2018

Ejodia Kakoensi war von 2014 bis 2016 Büroleiterin und Projektkoordinatorin der Johanniter-Auslandshilfe in Indonesien. Sie stammt aus dem Norden der vom Erdbeben betroffenen Insel Sulawesi und wird für die Johanniter in den kommenden Tagen in die Katastrophenregion reisen, um Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Hier berichtet sie über die aktuelle Lage.

Ejodia Kakoensi ©Johanniter

Haben Sie mit Betroffenen vor Ort reden können?

Ja, ich erhalte seit gestern Nachrichten von Freunden und Bekannten aus Palu. Laut ihnen sind vor allem Lebensmittel und sauberes Wasser knapp. Zudem gibt es keinen Strom und Treibstoff, was die Kommunikation und den Transport behindert. Die meisten von ihnen berichteten, dass ihre Häuser während des Erdbebens einstürzten und anschließend vom Erdboden verschluckt wurden, der sich laut ihren Aussagen verflüssigt hatte. (mehr Infos zu diesem Phänomen hier)

Welche Hilfsmaßnahmen sind nach jetzigem Stand notwendig, um die Betroffenen zu unterstützen?

Neben medizinischer Hilfe brauchen die Menschen Lebensmittel, Trinkwasser und Kanister zur sauberen Aufbewahrung. Des Weiteren benötigen sie wegen des Strom- und Treibstoffmangels batterieunabhängige Taschenlampen und Solarstromlampen. Frauen benötigen Binden und Kinder unter fünf Jahren Babynahrung.

Bergungseinheiten kommen mittlerweile auch in schwerer zugänglichen Gebieten voran. ©ADRA

Wie gehen die Bergungsarbeiten vier Tage nach dem Erdbeben voran?

Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde BNPB konnten die Bergungsteams mittlerweile in bisher nur schwer zugänglichen Gebieten wie dem Bezirk Sigi vorstoßen. In den besonders betroffenen Gebieten Palu und Donggala sind die Rettungseinsätze in vollem Gange. Die Versorgung mit wichtigen Grundgütern wie Nahrung, Trinkwasser, medizinische Ausrüstung, Treibstoff und Kleidung ist angelaufen, sie deckt aber längst nicht alle Regionen ab. Auch Leichensäcke werden versendet, um die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Die Zahl der Toten hat sich heute auf 1234 erhöht. Sowohl die Kommunikation als auch der Transport stabilisieren sich nur langsam. Für internationale Hilfe hat die Regierung den Flughafen Balikpapan auf der Nachbarinsel Borneo als Einstiegspunkt definiert. Das ist wichtig, um eintreffende Hilfe zu steuern.

Wie arbeitet das nationale Notfallsystem? Wird internationale Hilfe dringend benötigt?

Die Katastrophenschutzbehörde BNPB stimmt sich als führende Agentur eng mit den relevanten Ministerien und dem Indonesischen Roten Kreuz ab. Zusätzlich arbeitet sie mit anderen nationalen und internationalen Organisationen zusammen, die nun in Indonesien tätig sind. Der indonesische Präsident hat die internationale Hilfe begrüßt, um die abgelegenen Gebiete schnell zu erreichen, da das Ausmaß der Katastrophe als massiv gilt.

Die Johanniter waren in Indonesien im Bereich der Katastrophenprävention tätig. Haben sich Aktivitäten dieser Art positiv auf die jetzige Situation ausgewirkt und Schlimmeres verhindert?

Zentral-Sulawesi - wie viele andere Orte in Indonesien auch - sind anfällig für Katastrophen. Das Hauptproblem in diesem Gebiet waren jedoch religiöse und lokale Konflikte. Die Eindämmung und die Vorbereitung auf Naturkatastrophen waren leider nicht das Hauptaugenmerk. Deshalb hat nach meiner Einschätzung das mangelnde Katastrophenbewusstsein zu der jetzigen Situation beigetragen.

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