Koordinatorin in Indonesien: „Unsere lokalen Partner bringen Erfahrung mit“

Berlin / Palu, 26. Oktober 2018

Unsere indonesische Kollegin Ejodia Kakoensi hilft seit Anfang Oktober auf der Insel Sulawesi. Dort hatten am 28. September ein Erdbeben und anschließender Tsunami enorme Zerstörungen angerichtet und mehr als 2.000 Tote sowie zehntausende Betroffene hinterlassen. Zusammen mit zwei lokalen Partnerorganisationen setzt sie vor Ort Nothilfemaßnahmen um. Im Interview berichtet sie von der Situation einen Monat danach.

Ejodia Kakoensi ©Johanniter

Seit knapp einem Monat wird auf Sulawesi Nothilfe geleistet: Lief sie bisher koordiniert, ausreichend und effizient ab?

Die Koordination und Verteilung ist jetzt besser. Die Regierung, NGOs, religiöse Institutionen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Regierungsvertreter aus verschiedenen Provinzen Indonesiens arbeiten gemeinsam daran, den Bedarf der Menschen und der Verwaltung von Zentral-Sulawesi zu decken. Es ist schwer zu sagen, ob es ausreichend und effizient umgesetzt wurde, aber die Koordination fand statt. Neben dem Tsunami, der den meisten Menschen in Indonesien bereits bekannt war, hatte das Erdbeben in Zentral-Sulawesi ja sogenannte Bodenverflüssigungen ausgelöst. Der sandige Boden mischte sich dabei mit dem Grundwasser und ganze Siedlungen versanken im Erdboden. Wir Indonesier hatten noch nie eine solche Erfahrung gemacht. Die Menschen waren so traumatisiert und in Panik. Sie flehten darum, ins Umland von Palu oder so weit weg wie möglich evakuiert zu werden. In der Zwischenzeit gruben und graben andere Menschen im Schlamm auf der Suche nach ihren Lieben in drei am stärksten betroffenen Bereichen der Verflüssigung. Was ich an Hilfsmaßnahmen sah, war anfangs bei weitem nicht ausreichend, aber die Anstrengung fand statt.

Wie sieht es fast einen Monat nach dem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami aus?

Das Leben in der Stadt Palu und Umgebung erholt sich langsam, Büros und Schulen in einigen Gebieten haben den Betrieb aufgenommen, Geschäfte sind halbtags geöffnet und der traditionelle Markt läuft wieder. Lokale Lebensmittel wie Gemüse, Eier, Obst, Fisch und Huhn sind leicht zu bekommen und die Preise sind stabil. Die nationale Treibstoffgesellschaft stellte sicher, dass in Palu, Donggala und Sigi ab dem vierten Tag nach dem Erdbeben Kraftstoff zur Verfügung stand. Die Kosten für Mietwagen und Wohnraum sind zwar gestiegen, aber bisher ist der Preisanstieg längst nicht so hoch wie nach dem Tsunami in Aceh 2004.

Ejodia Kakoensi begleitet eine Verteilung durch INANTA. ©Johanniter

Als Mitarbeiterin der Johanniter haben Sie die Durchführung der Nothilfe mit lokalen Partnern abgestimmt. Warum mit lokalen Organisationen statt einer direkten Umsetzung?

Kurz nach dem Erdbeben kündigte der indonesische Präsident an, dass internationale Hilfe willkommen sei, aber eben auch, dass lokale NGOs diejenigen seien, welche die Hilfsmaßnahmen umzusetzen hätten. Nach meinem Verständnis wollte die Regierung damit sicherstellen, dass die Hilfe den Bedürfnissen der Menschen innerhalb ihres eigenen Kontexts entspricht, ohne "einen weiteren Tsunami" zu verursachen. Dieser Begriff wurde oft von Menschen verwendet, um sich auf Aceh nach dem Tsunami 2004 zu beziehen, als die internationale Hilfe massiv in der Region intervenierte. Unsere Partnerorganisationen PERUATI und INANTA zeigen, dass es lokal funktioniert. Sie haben jahrelange Erfahrung auf ihrem jeweiligen Gebiet mit internationalen Mittelgebern. Wichtige Ergebnisse, Best Practices-Beispiele und Erfahrungen sind Komponenten, die sie über Jahre gesammelt haben und einbringen. Ich bin sicher, dass dies auch beim laufenden Notfallprojekt zusammen mit den Johannitern der Fall sein wird.

Im Rahmen dieser Nothilfe führt die Johanniter-Auslandshilfe bis Dezember mit INANTA und PERUATI Verteilungen durch und setzt psychosoziale Unterstützung sowie Wasser-, Hygiene- und Sanitärkomponenten um. Welche Schritte werden in den kommenden Monaten folgen?

Die Notfallphase wird am 26. Oktober abgeschlossen sein, und die Rehabilitierung beginnt Anfang November bis Dezember. Bis dahin und darüber hinaus müssen wir sicherstellen, dass die betroffenen Gemeinschaften weiterhin mit lebenswichtigen Gütern versorgt werden und wir sie bei der Stärkung ihrer Existenzgrundlagen unterstützen. Wir schulen sie begleitend zur Katastrophenvorsorge und bewerten gemeinsam die Marktsituation. Cashtransfer-Programme könnten eine geeigneter Anstoß sein, um die Lebensbedingungen der Menschen weiter zu verbessern, insbesondere für diejenigen, die in der Stadt leben. Gleichzeitig werden psychosoziale Dienste, Inklusion und Kinderschutz kontinuierlich gewährleistet. Die beiden Partner PERUATI und INANTA sind in diesen Bereichen gut aufgestellt und bringen Erfahrung mit.

Unterstützen Sie unsere Maßnahmen für Indonesien.

Spenden Sie jetzt
Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin