Landminen in Myanmar: Dem Schicksal die Stirn bieten

Rangun, 09. Januar 2019

Landminen fordern im südostasiatischen Myanmar fast täglich Opfer. Ein Johanniter-Projekt in der Region Ost-Bago hilft Betroffenen, das Leben danach zu meistern.

Der 37-jährige Ko Min Min war unterwegs beim Sammeln von Feuerholz, als er auf eine Landmine trat. Eine von zigtausenden, die in der Region Ost-Bago trotz des 2015 zwischen der Armee und der Rebellengruppe Karen National Union vereinbarten Waffenstillstandes im Boden versteckt liegen. Wochenlang lag er im Krankenhaus, sein linkes Bein konnten die Ärzte jedoch nicht retten und mussten oberhalb des Knies amputieren. „Ich bat um eine tödliche Injektion“, erzählt Ko Min Min von seiner langwierigen Leidensgeschichte, die für das Schicksal vieler steht. Denn jeden zweiten Tag explodiert dort eine Mine oder scharfe Munition – eine davon veränderte Kos Leben.

Minenopfer organisieren sich

Die Kampfmittel bedrohen nicht nur die körperliche Unversehrtheit und oft das Leben der Menschen in Myanmar, sondern zusätzlich die Existenzgrundlage der Bevölkerung. Ko musste fünf Kühe und sein komplettes Farmland unter Wert verkaufen, um für die Arztkosten aufzukommen. Unter größter Mühe schleppte er sich tagelang mit drei weiteren Minenopfern in ein entferntes Krankenhaus, um eine Prothese zu erhalten. Seinen Depressionen begegnete er mit Alkohol. „Für jedes Minenopfer sind die ersten Jahre der Horror“, sagt er. So verlor der Vater zweier Kinder in nur wenigen Monaten fast alles.

Nach Jahren des Leidens kam für ihn der Wendepunkt, als die lokale Organisation „Karen Development Network“ in seinem Dorf Shwe Pyi Thar die Gründung einer Selbsthilfegruppe unterstützte. Finanziert durch Spenden an die Johanniter und einen Beitrag des Auswärtigen Amtes ist diese Gruppe eine von insgesamt 20 in der Region, in der sich Betroffene von Landminen organisieren und treffen konnten. Mit Übungen in Erster Hilfe, Infoveranstaltungen zu Risiken durch Minen und psychosoziale Betreuung erfuhren die Opfer Beistand. Und das half auch, die seelische Wunden heilen zu lassen und sich gegenseitig bei produktiven Projekten zu unterstützen. Im Dorf errichteten sie etwa einen Gemeinderaum, wo sie sich treffen und arbeiten können. Vorneweg geht Ko, der die Gruppe seines Dorfes anführt. „Ich bin für alle Belange verantwortlich und will sie gut erledigen“, sagt er voller Überzeugung.

Pläne für das zweite Leben

Verantwortung übernehmen, statt sich dem Schicksal zu ergeben: Darum geht es bei den Gruppen und in Kos zweitem Leben. „Wir denken über ein Geschäftsmodell nach und wollen entweder einen Lebensmittelladen oder eine Motorrad-Werkstatt eröffnen“, sagt Ko. Dafür suchen sie Unterstützung, um nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Auch persönlich hat Ko wieder seine Situation im Griff. Ein züchtet Schweine und Hühner, seine Söhne begleiten ihn beim Fischen. Aber nur, wenn sie schulfrei haben: „Solange ich lebe, werde ich sie beim Lernen unterstützen.“

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