Libanon: Hohe Hürden für Menschen mit Behinderung

Berlin, 03. Dezember 2019

Rund jeder achte Bewohner im Libanon weist eine körperliche, sensorische oder geistige Behinderung auf. Die schwierige wirtschaftliche Situation und eine hohe Staatsverschuldung verschärfen die generelle Versorgungslage im Land, insbesondere für die vielen Flüchtlinge aus den umliegenden Krisengebieten. Die Johanniter unterstützen zusammen mit dem BMZ vor allem palästinensische und syrische Jugendliche mit Behinderung bei der Suche nach einem qualifizierten Arbeitsplatz, um ein Leben in Würde führen zu können.

120 Jugendliche wurden in einem ersten Projekt für Berufe fitgemacht, die in ihrem Lebensumfeld Kunden finden - z.B. als Friseure.

Im Libanon mangelt es an klaren Bestimmungen über Rechte, Ressourcen und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen. Sie werden vielerorts diskriminiert, ausgegrenzt oder erleben Gewalt. Insbesondere der Zugang zu Arbeit und einer adäquaten Grundversorgung ist meist nicht gegeben oder von schlechter Qualität. Im Jahr 2000 verabschiedete der Libanon zwar ein Gesetz über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Gesetz 220/2000), um sie in das soziale und wirtschaftliche Leben zu integrieren. Doch bis heute wurden viele dieser Verpflichtungen im Bereich Beschäftigung, Verkehr und Wohnungswesen sowie Garantien für Gesundheits- und Bildungsdienste nicht erfüllt. Ein Grund dafür ist der mangelnde Zugang von Menschen mit Behinderungen und Behindertenorganisationen zu Informationen über ihre Rechte und Dienstleistungen.

Zusammen mit der lokalen Organisation Naba´a und der finanziellen Unterstützung durch das BMZ führen die Johanniter seit 2018 ein Projekt durch, das vor allem darauf abzielt, die wirtschaftliche und soziale Eigenständigkeit von 540 Jugendlichen aus Flüchtlingslagern zu stärken. Sie werden in einem Beruf ausgebildet, der eine wirtschaftliche Zukunft hat. Die Erfahrungen kommen aus einem Vorgängerprojekt, welches 2018 abgeschlossen wurde. 120 Jugendliche wurden als Friseur, Fotograf oder Techniker ausgebildet, um in diesen Berufsfeldern arbeiten zu können.

Das Leben in den libanesischen Flüchtlingslagern ist von Perspektivlosigkeit geprägt. Das Projekt soll vor allem Jugendlichen neue Wege ermöglichen. Foto: Fritz Schumann

Die Ausbildungen finden in vom Bildungsministerium zertifizierten Zentren statt und müssen den Anforderungen entsprechen, um auch Menschen mit Behinderung einen adäquaten Zugang zu ermöglichen. Zusätzlich nehmen die Jugendlichen an Life Skills Sessions teil, um sie mit den wichtigsten Anforderungen des Arbeitsmarktes vertraut zu machen. „Sie verbessern dabei ihre kommunikativen Fähigkeiten gegenüber den zukünftigen Arbeitgebern und erfahren auch, wie sie sich langfristig aktiv in ihren Gemeinden engagieren können“, erklärt Linda Zimmermann, Projektkoordinatorin der Johanniter-Auslandshilfe. „Denn entscheidend ist auch, dass die Rechte von Menschen mit Behinderungen bekannt gemacht und gewahrt werden. Die Akzeptanz zusammen mit einer wirtschaftlich stabilen Situation sind eine wesentliche Grundlage für ein würdevolles Leben.“

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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