Mosambik: „Die Menschen wollen anpacken und wieder aufstehen“

Berlin, 31. März 2019

Dr. Oliver Hoffmann ist Fachberater für Public Health der Johanniter-Auslandshilfe und kam gerade aus Mosambik zurück. Dort erkundete er die Lage und den Hilfsbedarf für die betroffenen Menschen. Hoffmann warnt, dass durch die zerstörten Ernten in den kommenden Monaten die Ernährung der Menschen gefährdet ist.

Dr. Hoffmann, sie sind gerade von einem einwöchigen Aufenthalt in der Katastrophenregion in Mosambik zurückgekehrt. Wie ist die Lage vor Ort?

Ich bin eine Woche nach dem Zyklon in der Stadt Beira eingetroffen. Mein Anflug war nachts und ich sah nur fünf beleuchtete Straßen. Beim Näherkommen merkte ich, dass es sich um Autolichter handelte. Es waren die einzig befahrbaren Straßen dieser großen Stadt. Die Strom- und Wasserversorgung hat auch viele Tage danach noch nicht funktioniert und die Schäden sind immens.

Anpacken und wieder aufstehen: Die Menschen beseitigen die Sturmschäden. ©Johanniter/Hoffmann

Und wie sieht es auf dem Land aus?

Wir waren die erste Organisation, die das ländliche Krankenhaus von Nhamatanda erreichte. Von 18 Behandlungsräumen waren acht ohne Dach, aber das Personal hielt den Betrieb halbwegs aufrecht. Durch den Engpass gab es sehr viele ambulante Patienten, die lange warten mussten. Die meisten wiesen Krankheiten wie Malaria, Durchfall und Atemwegserkrankungen auf. Anderthalb Wochen nach dem Sturm waren rund 40.000 Einwohner noch immer nicht erreicht worden. Danach sind wir mit dem Hubschrauber in die Region Buzi geflogen. Dort sind einige Gebiete menschenleer, vielerorts steht noch immer das Wasser und viele Bäume sind umgeknickt. Im Bezirk Guara-Guara haben wir Informationen gesammelt. Dort waren 3.000 Vertriebene zu den 17.000 Einwohnern hinzugekommen, da sie ihr Zuhause verloren hatten. Als wir mit dem Gemeindevorsteher sprachen, kam gerade eine neue Gruppe auf Anhängern und Traktoren ins Dorf.

Wie gehen die Menschen mit der Situation um?

Mir fiel sehr positiv auf, dass die Menschen selbst angepackt haben. Keiner hat auf externe Hilfe gewartet, das hat man täglich gemerkt. Es wurde auf den Straßen in Beira täglich sauberer, Wasserpunkte waren wieder nutzbar. Als ich gleich nach meiner Ankunft das zweitgrößte Krankenhaus des Landes in Beira besuchte, bemühte sich das Personal unter Mithilfe des Militärs, die umgeknickten Bäume zu beseitigen und die Schäden im Krankenhaus zu beheben. Dort waren viele Stationen geschlossen. Auf der anderen Seite herrscht natürlich Trauer. Ich habe LKWs mit Särgen gesehen und die Zahl der Toten ist hoch. Aber generell spürt man die Einstellung, dass die Menschen anpacken und wieder aufstehen.

Dr. Hoffmann (re.) im Gespräch mit dem Gemeindevorsteher von Guara-Guara. Täglich treffen Menschen im Ort ein. ©Johanniter

Wie sieht die Koordination vor Ort zwischen Hilfsorganisationen, Regierung und Behörden aus?

Fast alle haben Büros oder Kontaktstellen am Flughafen in Beira, die sich regelmäßig treffen, um Informationen auszutauschen und Maßnahmen zu koordinieren. Das funktioniert gut. Insbesondere im Bereich der Notfallmedizin ist die Regierung stark bei Entscheidungen involviert. Das ist gut, da sie schließlich verantwortlich für ihre Bevölkerung ist. Da gibt es eine enge Zusammenarbeit.

Als Erkundungsteam wurden Ergebnisse und Bedarfe gesammelt. Wie geht es damit weiter?

Die Bedarfe werden derzeit ausgewertet, um daran mit Hilfsprojekten anzuknüpfen. Unsere Empfehlungen reichen von Hilfe für betroffene Gemeinden, um beschädigte Unterkünfte zu reparieren, bis hin zu Einsatzorten für unser Soforthelferteam. Ich denke, dass wir als Johanniter die medizinische Versorgung mit Zelten anbieten können, um damit Gesundheitsstationen zu unterstützen oder zu ersetzen, wenn sie noch außer Betrieb sind. Das wird derzeit entsprechend vorbereitet. Im Anschluss macht der Wiederaufbau solcher Stationen sicherlich Sinn.

Was erwarten Sie für die kommenden Wochen und Monate?

Neben Krankheiten im Gesundheitsbereich wird ohne Zweifel die Ernährungssicherheit ein großes Problem werden. Die Ernten wurden durch das Wasser zerstört. Die letzten Jahre hatten Mosambik und die Nachbarländer bereits Dürren erlebt, weshalb die Lager sicherlich nicht gefüllt waren. Und was es gab, ist nun vom Wasser zerstört worden. Das wird eine Herausforderung. Zudem muss die Infrastruktur im großen Maße aufgebaut werden. Die Grundstrukturen stehen zwar vielerorts noch, aber vor allem Dächer sind zerstört. Die Zahl an Vertriebenenlagern ist rasant gestiegen, die versorgt werden müssen. Damit die Menschen irgendwann zurückkehren können, muss der Wiederaufbau organisiert werden.
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