Soforthilfe nach Erdbeben auf den Philippinen

Berlin / Mindanao, 06. Dezember 2019

Nach einer Serie verheerender Erdbeben in den Provinzen Cotabato und Davao del Sur, auf der philippinischen Insel Mindanao, sind über 231.000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Insgesamt wurden 36.687 Häuser beschädigt, 21.324 wurden komplett zerstört. Der Partner der Johanniter, ECOweb, leistet Soforthilfe in den vom Erdbeben am stärksten betroffenen Regionen.

In Folge der vier Erdbeben mit einer Stärke höher als sechs und mehr als 700 gemeldeten Nachbeben kam es in vielen Regionen Mindanao zu Erdrutschen. Zwei der am stärksten betroffenen Regionen waren hierbei die Purok 6 und die Purok 7. Hier mussten 113 Familien evakuiert werden, nachdem ihre Häuser von Steinen, Geröll und Schlamm begraben wurden.

Lopito Agya hat nach einem Erdrutsch sein Haus verloren. Foto: ECOweb

Eine dieser Familien sind die 46-jährige Lopito Agya und seine Frau Lita.

"Ein paar Minuten vor dem Erbeben ging ich ins Haus, um etwas zu holen. Zum Glück wurden die meisten unserer Sachen schon ein paar Tage zuvor evakuiert. Ich war schon auf dem offenen Gelände in der Nähe des Auditoriums als das Erdbeben stattfand und konnte dabei zusehen, wie mein Haus abrutschte und begraben wurde. Ich habe geweint, war aber froh, dass keiner von uns im Haus war, als das Ereignis geschah", erzählt Lita mit Tränen in den Augen.

Eine der größten Ängste der Betroffenen ist es, ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Viele der Familien haben ihre Einnahmequelle durch die Beben komplett verloren. Andere haben zu große Angst, vor weiteren Nachbeben und kehren deshalb nicht zu ihren Farmen und Läden zurück.

Rolando Lasanda hat Angst, dass das Geröll über seiner Farm herunterfällt, wenn es ein weiteres Erdbeben gibt. Foto: ECOweb

Auch Dennis Descallar erinnert sich noch gut an das Beben des 31. Oktobers.

"Ich war gerade dabei die Gummibäume anzuzapfen, als das Erdbeben stattfand. Ich wurde zu Boden geworfen, weshalb ich den Gummibaum umarmen musste, stärker als ich meine Frau umarme", erzählt er scherzhaft. "Seitdem bin ich nicht mehr zur Farm zurückgekehrt, die Gummisäfte sind jetzt ausgetrocknet oder beschädigt."

Der 63-jährige Ricardo Masanlo beklagt, wie schwer das Leben sei, seitdem sie ihre Felder nicht mehr ernten können:

"Wir haben seit dem Erdbeben des 16. Oktobers ohne Geld überlebt und mussten uns hauptsächlich auf Hilfsgüter verlassen, um überleben zu können." Viele der Bewohner mussten ihre Ernten zurücklassen, um selbst zu überleben. "Ich habe auch aufgehört, das Tahite Grass, mit dem wir Besen machen, zu sammeln, da ich Angst habe, dass das Geröll über unserer Farm herunterfällt, wenn es ein weiteres Erdbeben gibt", sagt Marlyn, Dennis Frau.

Auch Lopito steht vor demselben Problem:

"Ich habe Angst zurück zu meiner Farm zu gehen, da die Steine jeder Zeit herunterfallen könnten, aber ich muss meine Sayote ernten, damit meine Familie etwas Geld hat. Meine Sorge ist, wo wir sie verkaufen können. Ich glaube nicht, dass jetzt die Käufer herkommen werden, wie sie es getan haben, da sie Angst vor den Erdbeben haben. Wenn ich die Sayote in die Stadt liefere, brauche ich Geld für den Transport. Ich habe keins."

Finanzielle und psychologische Hilfe für die Betroffenen

Dank Spenden an Aktion Deutschland Hilft, können die Johanniter gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation EcoWEB 800 besonders schwer betroffene Familien nun unterstützen. Sie benötigen dringend Essen, Wasser, Kleidung, Hygienematerialien und medizinische Versorgung. Deshalb erhält jede Familie finanzielle Mittel, um ihre dringendsten Bedürfnisse kaufen zu können. Das Projektteam steht ihnen dabei beratend zur Seite. Die Hilfsgüter werden lokal beschafft und nur in Ausnahmefällen in anderen Regionen gekauft, sollten sie vor Ort nicht zur Verfügung stehen. Einen besonderen Fokus legt ECOweb auch auf die psychosoziale Unterstützung, da viele der Betroffenen von den wiederkehrenden Erdbeben traumatisiert sind. Durch eine Zusammenarbeit mit anderen Projektteams, die ähnliche Ansätze und Ziele haben, soll der Zugang zu Hilfsmitteln für die am stärksten betroffenen Gemeinden erleichtert werden. So können die Menschen die Traumata überwinden und zurück zu ihren Feldern kehren, um diese wieder zu bewirtschaften und dadurch wieder ein eigenes Einkommen generieren.

Hintergrund zu den Erdbeben auf den Philippinen

Die Philippinen liegen am sogenannten pazifischen Feuerring, an dem tektonische Platten zusammenstoßen. Immer wieder kommt es zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Die von den Beben betroffenen Gebiete liegen in der Nähe des Vulkans Apo, dem höchsten Berg des Landes. Die Hänge gelten als geologisch äußerst instabil, werden jedoch wegen ihrer fruchtbaren Böden bevorzugt für die Landwirtschaft genutzt. Viele der betroffenen Gemeinden sind wegen der Erdrutsche und Risse nun als „Nicht-Bauland“ deklariert, was eine schnelle Rückkehr aller Betroffener in ihre Heimatdörfer unwahrscheinlich macht.    

Für schnelle Hilfe auf den Philippinen sind die Johanniter auf Spenden angewiesen.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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