Südsudan: Kinder durch die größte Not bringen

Berlin / Juba , 23. Februar 2018

Der jüngste Staat der Erde ist in großer Not: Knapp vier Millionen Menschen sind vor dem Bürgerkrieg auf der Flucht, die meisten davon im eigenen Land. Die Zustände in den Flüchtlingslagern sind vielerorts katastrophal. Deshalb haben die Johanniter 2017 im größten Flüchtlingscamp der Stadt Wau ein medizinisches Stabilisierungszentrum aufgebaut. In Kangi eröffnete unser lokales Team Mitte Februar eine neue Geburtenstation. Beide Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Neugeborene und Kleinkinder gesund durch Zeiten größter Not zu bringen.

Im Stabilisierungszentrum in Wau werden Kleinkinder unter fünf Jahren behandelt, die an schwerer Unterernährung mit medizinischen Komplikationen leiden. Sie erhalten nährstoffreiche Aufbaunahrung und Medikamente, um ihr Gewicht zu erhöhen und unter professioneller Obhut schnell wieder gesund zu werden. Fast 40.000 Menschen suchen in dem Lager Schutz vor der Gewalt. Es gilt als das am engsten bewohnte Lager des Landes und wird von den Vereinten Nationen verwaltet.

Patienten aus umliegenden Dörfern suchen professionelle Behandlung auf

In Obhut genesen: Kleinkinder werden im Stabilisierungszentrum behandelt, die Mütter begleiten sie. © L. Coleman

Das medizinische Personal und Gesundheitshelfer des Stabilisierungszentrums behandeln auch Kinder aus der Nachbarschaft des Lagers. Malaria, Durchfall- und Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Symptomen. Mehr als 360 Kinder wurden in den ersten zwei Monaten unter Johanniter-Leitung behandelt. 30 Kinder mussten wegen starker Unterernährung und schwerer Krankheiten stationär versorgt werden. Das Zentrum besteht aus fünf Sektionen. Großraumzelte beherbergen eine ambulante und eine stationäre Aufnahmestation für unterernährte Kinder, eine Isolationsstation für Patienten mit stark ansteckenden Krankheiten und ein Labor. Neue Toiletten- und Waschbereiche wurden errichtet sowie eine Küche für die Patientenverpflegung gebaut. Finanziell unterstützt wird das Engagement durch die Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung.

Das Zentrum war ursprünglich vor allem für die Behandlung von geflüchteten Kindern aus dem Lager vorgesehen, aber es kommen immer mehr kleine Patienten aus dem Umland und von weit her zu uns“, sagt Julian Jekel, Projektkoordinator der Johanniter-Auslandshilfe.

Viele Familien nehmen lange Wege aus umliegenden Dörfern in Kauf, da sie im Stabilisierungszentrum eine professionelle und sogar kostenlose Behandlung erhalten, die vielerorts nicht existiert. Auch daran arbeiten die Johanniter.

Drei Jahre Patenschaft für neue Geburtenstation

Der Ort Kangi liegt zwei Autostunden nördlich von Wau entfernt. Dort versorgt ein lokales Gesundheitszentrum knapp 60.000 Einwohner medizinisch. Ausgelegt ist es für 25.000 Menschen. Eine adäquate Mutter-Kind-Versorgung gab es seit geraumer Zeit nicht mehr, es fehlte an qualifiziertem Personal und Ausstattung. Nachdem die staatlichen Lohnzahlungen ausblieben, verließen die zwei Hebammen die Arbeit. Werdende Mütter mussten entweder zu Hause gebähren oder den weiten Weg nach Wau auf sich nehmen. Deshalb begannen die Johanniter im Herbst 2017 mit finanzieller Unterstützung des Hilfswerks der Schweizerischen Kommende des Johanniterordens den Bau einer neuen Geburtenstation, um das lokale Gesundheitszentrum zu erweitern. Am 20. Februar 2018 konnte die neu eingerichtete Station feierlich eingeweiht werden. Dabei bleibt es aber nicht.

Mindestens genauso wichtig ist, dass wir für die kommenden Jahre den Verbleib des qualifizierten Personals sicherstellen“, erklärt Jekel. „Deshalb wird die Station nicht nur regelmäßig mit Medikamenten und Material ausgestattet, sondern wir zahlen auch einen Teil der Löhne für die Mitarbeiter.“

Der Gesundheitssektor in Südsudan ist chronisch unterfinanziert, das meiste Geld fließt aufgrund des Konflikts in den Verteidigungshaushalt. Darunter leidet vor allem die arme Landbevölkerung. „Mittel- bis langfristige Patenschaften wie die der Schweizerischen Kommende sind derzeit die beste Möglichkeit, eine stabile und nachhaltige Gesundheitsversorgung auf lokaler Ebene zu garantieren“, so Jekel. Zukünftig werden zwei Hebammen und drei Gesundheitshelfer im Einsatz ein, um einen wichtigen Beitrag zu leisten, die hohe Sterblichkeitsrate unter Müttern und Neugeborenen zu senken.

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Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

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