Südsudan: "Todesfälle haben sich durch iCCM-Ansatz verringert"

Berlin / Juba , 11. September 2019

Loding J. Dagama, iCCM-Manager ©Johanniter

In diesem Jahr haben die Johanniter im Südsudan mit der Einführung des integrierten Community Case Management (iCCM)-Ansatzes begonnen. Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium wird damit in den Landkreisen Wau und Jur River die rechtzeitige Gesundheitsversorgung von Kindern unter fünf Jahren verbessert, die in ländlichen Gemeinden leben. Der iCCM-Ansatz wird für Gemeinden umgesetzt, die mindestens fünf Kilometer von einer funktionierenden Gesundheitseinrichtung entfernt leben. Sogenannte gemeindebasierte Gesundheitshelfer (Community Based Distributors - CBD) werden ausgebildet, um eine häusliche Basisdiagnose und -behandlung für die drei häufigsten Kinderkrankheiten durchzuführen: Malaria, Durchfall und bakterielle Infektionen der Atemwege.

Durch iCCM steigt das gesundheitsfördernde Verhalten und Kinderkrankheiten werden früher behandelt, was die Morbidität und Mortalität im Kindesalter reduziert. Darüber hinaus prüfen die freiwilligen iCCM-Helfer Anzeichen von Unterernährung, bieten Gesundheits- und Hygieneaufklärung an und verweisen gefährdete Kinder an nächstgelegene Gesundheits- oder Ernährungseinrichtungen. Loding Joseph Dagama ist der iCCM-Manager der Johanniter mit Sitz in Wau und berichtet im Interview über die Einführung dieses Ansatzes.

Loding Dagama, wie sind ihre bisherigen Erfahrungen mit dem iCCM-Ansatz?

Bevor ich zu den Johannitern kam, arbeitete ich fast vier Jahre lang für das Malaria-Konsortium und führte iCCM in zwei Landkreisen im Südsudan ein. Dort haben wir mehr als 5.000 gemeindebasierte Helfer und 520 Betreuer geschult. Während dieser Zeit hat sich das Auftreten von Todesfällen in diesen Gebieten drastisch verringert. Besonders die Mütter schätzten es, dass sie nicht mehr lange Zeit mit Reisen und Warten in Gesundheitseinrichtungen verbringen mussten.

Was macht Ihrer Meinung nach iCCM zu einem guten Ansatz?

Der Ansatz schließt eine bestehende Lücke in der medizinischen Grundversorgung, besonders für Kinder in den Gemeinden. ICCM beugt Komplikationen durch frühzeitiges Erkennen von Fällen vor und spart den Angehörigen Zeit, da lange Reisen und Warten in einer Gesundheitseinrichtung nicht mehr notwendig sind. Die so gewonnene Zeit kann jetzt für die Betreuung der Familie, das Kochen, das Holen von Wasser oder die Gartenarbeit aufgewendet werden. Aus meiner Erfahrung sind Frauen die besten CBDs. Die Rekrutierung von hauptsächlich Frauen trägt dazu bei, ihren sozialen Status in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zu verbessern.

Was sind die besonderen Herausforderungen im iCCM?

Da iCCM über Freiwillige in den Gemeinden angewendet wird, erfordert es anfangs viel Aufwand. In einem Land mit wenig Arbeitsplätzen kann die Identifizierung von Freiwilligen ein heikles Thema sein und erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Gemeinde. Zudem ist es herausfordernd, Freiwillige ohne spezifischen medizinischen Hintergrund und oft niedriger Alphabetisierungsrate auszubilden. Deshalb verwenden wir sehr vereinfachte Arbeitsmaterialien mit Text und Bildern, die leicht verständlich sind.

Die Gesundheitshelfer dokumentieren ihre Fälle mit verständlichen und übersichtlichen Materialien. ©Johanniter

Was ist ihr Wunsch für die Zukunft?

Ich möchte das Projekt erweitern und mehr Gesundheitshelfer ausbilden, um gefährdete Haushalte abzudecken. Dafür spricht auch eine Fallstudie aus Nigeria. Sie hat gezeigt, dass iCCM erfolgreich auch für andere Krankheiten eingesetzt werden kann. Mein größter Wunsch ist es, dass die Johanniter den iCCM-Ansatz weiter verbessern und ausbauen, um mehr Kindern im Südsudan den ihnen zustehenden Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin