Weltfrauentag: „Erst wenn Frauen mitgestalten, sind wir alle gleich“

Berlin/Kathmandu, 08. März 2018

Die Frage stellt sich immer wieder: Können Katastrophen eine Chance sein, ein Land besser wiederaufzubauen? Für Nepal fällt die Antwort nach den Erdbeben von 2015 durchwachsen aus. Doch in einigen Gemeinden haben sich Frauen eigene Räume schaffen können, die es zuvor nicht gab. Heute sind sie selbstbewusster, reden über ihre Situation und setzen sich vehement für Verbesserungen ein.

Frauengruppe in Marming: "Eine Chance für uns, Probleme zu lösen." © M. Kilwing/JUH

„In unserer Gesellschaft werden Frauen von Männern dominiert, deshalb können die Frauen nicht offen mit ihnen reden“, sagt Pasang Buti Tamang. Sie lebt in der Gemeinde in Marming im bergigen Distrikt Sindhupalchowk und weiß, wovon sie spricht. Häusliche Gewalt ist in vielen Dörfern die Regel, eine Mitbestimmung durch Frauen bei öffentlichen Entscheidungen noch immer die Ausnahme. Für Frauen, die der Dalit-Kaste angehören und somit zu den „Unberührbaren“ zählen, ist die Situation noch weit schwieriger.

Stress, Ängste und die Verantwortung für die Familie waren unter Frauen in Nepal schon immer hoch, die Zerstörungen durch das Erdbeben haben diese verstärkt. Psychosoziale Betreuung war für die Johanniter deshalb mindestens genauso wichtig wie der Wiederaufbau der Infrastruktur. In drei ländlichen Gemeinden wurden Räume eigens für Frauen geschaffen. Dort konnten sie neben Therapiesitzungen vor allem singen, malen, Musik machen, tanzen oder einfach miteinander reden.

Ausbruch aus der Isolation

Wieder Halt geben: Frauen setzen sich vehement für ihre Gemeindebelange ein. © M. Kilwing/JUH

Diese Gespräche haben seitdem einige Steine ins Rollen gebracht. „Vorher hatten wir keinen Ort, wo wir gemeinsam unseren Schmerz teilen oder uns über die Gewalt zuhause austauschen konnten“, erklärt Tamang, die seit Anbeginn im Frauenraum von Marming aktiv ist und dem Frauen-Komitee vorsitzt. „Für uns wurde es zu einer Chance, Probleme zu lösen. Wenn etwa eine Frau von ihrem Mann geschlagen wurde, gehen wir nun als Gruppe zu ihr nach Hause und reden mit ihm.“

Besonders für Frauen, die zurückgezogen und allein gelebt haben, sind die Frauenräume ein Ausbruch aus der Isolation. „Viele Frauen, die zuvor nicht in der Lage waren, öffentlich ihre Gedanken und Forderungen auszudrücken, haben diese Fähigkeit erworben“, erklärt Julia Noel, Projektkoordinatorin der Johanniter-Auslandshilfe. Das sei wichtig, den es geht nicht mehr allein um Gewalt gegen Frauen. „Menschenhandel, Verheiratung Minderjähriger, Kinderarbeit, der Umgang mit „Unberührbaren“ oder die Unterstützung älterer Menschen sind Themen, derer sich die Frauen auch annehmen. Ein beachtliches Beispiel war eine Kampagne in der Gemeinde Karthali gegen den Alkoholmissbrauch, der sehr verbreitet und oft Grund für häusliche Gewalt ist.“ Die im Ort organisierten Frauen hätten die Kampagne unterstützt und der Alkoholkonsum habe abgenommen.

Pasang Buti Tamang hat die Frauengruppe in Marming von Beginn an begleitet. © M. Kilwing/JUH

Auch Buti Tamang in Marming weiß, dass ihr Wirkungsradius gewachsen ist. “Wenn wir von Kindern erfahren, die in tiefer Armut bei uns leben und bei der Einschulung und der Ausbildung unterstützt werden müssen, dann tun wir das. Unser Frauenraum steht in unmittelbarer Nähe zur Lokalverwaltung“, sagte sie und fügt hinzu: „Wenn Frauen mitbestimmen, wird es keinen Unterschied mehr zwischen Arm und Reich geben. Erst wenn Frauen das Land mitgestalten, sind wir alle gleich.“

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