Welttag der Humanitären Hilfe: Gefährliche Not

Berlin/Bonn (ADH), 17. August 2018

Jedes Jahr am 19. August begehen die Vereinten Nationen den internationalen Tag der humanitären Hilfe. Menschlichkeit, die Achtung der Würde des Menschen und die Arbeit unzähliger Helferinnen und Helfer weltweit werden an diesem Tag gewürdigt. Er ist zudem den Menschen gewidmet, die im Rahmen ihres humanitären Einsatzes ihr Leben verloren haben. Die Zahl der Helferinnen und Helfer, die Menschen in Not unterstützen und dann selbst zum Ziel von Angriffen und Gewalt werden, ist erschreckend hoch: 313 Helferinnen und Helfer wurden im Jahr 2017 das Ziel von gewaltsamen Übergriffen. In diesem Jahr sind es bereits 179 Männer und Frauen.

Die Gesundheitsversorgung in der DR Kongo hängt vielerorts vom NGO-Engagement ab. ©Paul Hahn

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf Nothilfe angewiesen: Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind es heute rund 134 Millionen Kinder, Frauen und Männer, die in 41 Ländern unverschuldet in Not geraten und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Die größten humanitären Katastrophen spielen sich in den Ländern ab, in denen es für Helfer am gefährlichsten ist: Im Südsudan sind sieben Millionen Menschen durch den seit fünf Jahren anhaltenden Bürgerkrieg und einer chronischen Unterversorgung in humanitärer Not. 59 Hilfskräfte wurden zwischen Januar und August 2018 Opfer von Gewalt. Sieben von Ihnen kamen ums Leben.

Seit fast acht Jahren sind Helfer für 13 Millionen Menschen in Syrien im Einsatz. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe ist es für sie oft schwer und vor allem gefährlich zu den Menschen zu gelangen. In diesem Jahr starben 41 Helfer und Helferinnen durch Bombardierungen ziviler Einrichtungen.

Über 13 Millionen Menschen benötigen auch in der Demokratischen Republik Kongo dringend Hilfe. Ihr Leben ist durch kriegerische Konflikte, Dürre, Hunger sowie den Ausbruch von Epidemien wie Ebola oder Cholera bedroht. Auch hier kam es seit Januar 2018 zu 20 gewaltsamen Übergriffen auf Hilfskräfte.

Unser Johanniter-Mitarbeiter Dr. Edmond Djinhiba ist im Osten der DR Kongo als Pharmazeutik-Koordinator tätig und erklärt, warum er dort als humanitärer Helfer aktiv ist:

 

"Nach meinem Abitur wurde mein Vater schwer krank ins Krankenhaus eingeliefert. Er war ein armer Bauer ohne großes Einkommen. Im Krankenhaus mussten wir Labortests, Medikamente und den Krankenhausaufenthalt bezahlen - vor jeglicher Behandlung und vor weiteren Untersuchungen. Leider hatten wir nicht das Geld und mein Vater litt schwer. Ich musste die Ärzte und Krankenschwestern ständig anflehen, meinen Vater zu behandeln. Niemand kümmerte sich um uns, aber mit Gottes Hilfe und etwas gutem Willen konnte er später das Krankenhaus verlassen.

Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mich entschlossen, ein Studium im Gesundheitsbereich zu machen, um den Armen zu helfen. Menschen wie meinem Vater. Als ich meine Unterlagen an der Universität in der Abteilung für Gesundheit einreichte, wurde ich im Bereich Pharmazeutik angenommen. Das hat mich glücklich gemacht, weil ich überzeugt war, dass mein Traum wahr wird.

Nach meinem Abschluss wurde ich im Mai 2007 in das Universitätskrankenhaus von Bouaké versetzt. Es ist das viertgrößte Krankenhaus der Elfenbeinküste. Ein Jahr später wurde ich zum Leiter der Apothekenabteilung ernannt. Während meiner Karriere in diesem Krankenhaus erlebte ich verzweifelnde und außergewöhnliche Situationen. Menschen, die sterben würden, weil sie nicht das Geld hatten, um Medikamente oder Tests zu bezahlen. Pflegepersonal, dem das Leid der Kranken egal war. Geräte, die im Krankenhaus fehlten, um Patienten vernünftig zu behandeln. Manchmal konnte ich einigen Patienten helfen, aber nicht allen.

Diese Situation hat mich sehr mitgenommen und ich sagte mir, dass dieser Ort nicht das Richtige für mich sei, weil ich das Leiden armer Patienten, die ihre Würde verlieren, nicht ertragen konnte. Um meine menschliche Seite zu bewahren, bewarb ich mich als Freiwilliger bei Médicins sans Frontières und wurde ausgewählt. So habe ich mich in die humanitäre Welt integriert, in der ich mich heute sehr glücklich dabei fühle, anderen zu helfen, sie kennenzulernen und zu verstehen. Obwohl mein Vater 2010 verstarb, spielte seine Krankheit eine große Rolle bei meiner Entscheidung, in die humanitäre Hilfe einzutreten."

Der Welttag der Humanitären Hilfe geht zurück auf den 19. August 2003. Damals starben 22 humanitäre Helfer bei einem tödlichen Bombenanschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad. 2009 riefen die Vereinten Nationen den Tag ins Leben, um all jene zu ehren, die unter Einsatz ihres Lebens arbeiten. Gemeinsam mit unserem Spendenbündnis Aktion Deutschland Hilft unterstützen die Johanniter die UN-Kampagne #NotATarget, die mehr Respekt vor Menschenrechten sowie dem humanitären Völkerrecht fordert und auf den Schutz von Zivilisten und Helfern in Krisengebieten besteht.

Die Johanniter sind Teil des Netzwerks Charter for Change und haben anlässlich des Internationalen Tags der Humanitären Hilfe ein Statement unterzeichnet, das Sie hier herunterladen können

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Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
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