Welttag der Humanitären Hilfe würdigt Einsatz von Frauen

Berlin/Bonn (ADH), 16. August 2019

Weltweit sind laut Angaben der Vereinten Nationen über 570.000 Helferinnen und Helfer für notleidende Menschen im Einsatz. Für sie begehen die Vereinten Nationen jedes Jahr am 19. August den internationalen Tag der Humanitären Hilfe. Um die besondere Bedeutung von Frauen als Helferinnen in Krisen und Katastrophen zu würdigen, wurde zum diesjährigen Welttag die Kampagne #WomenHumanitarians ins Leben gerufen.

„Die ersten Notleidenden in Krisen und Katastrophen sind oft Frauen und Kinder. Gerade in Ländern, wo religiöse Beschränkungen oder Ungleichbehandlung existieren, ist Hilfe durch Frauen für Frauen immens wichtig. Das baut schnell Vertrauen auf“, sagt Susanne Wesemann, Leiterin der Johanniter-Auslandshilfe. Die Unterstützung von Helferinnen in der humanitären Hilfe sei überfällig, betont Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand von „Aktion Deutschland Hilft“. „Sie können zu Vorbildern für junge Mädchen werden und anderen Frauen in Notlagen eine Stimme geben. Humanitäre Hilfe kann ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn Maßnahmen die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigen“, so Roßbach weiter.

Juan Loice (li.) bei der Arbeit im Stabilisierungszentrum der Johanniter: Ich behandele Kinder wie meine eigenen." Foto: Johanniter/Lambert Coleman

Juan Joice steht dafür beispielhaft. Sie arbeitet mit den Johannitern im Südsudan als Krankenschwester. Der Wunsch sei entstanden, als sie ein junges Mädchen war und nach Uganda fliehen musste, erzählt sie. Dort habe sie erlebt, wie eine Krankenschwester ihre Mutter fürsorglich behandelte. 2015 schloss sie ihre Ausbildung in der Heimat ab und die 27-Jährige setzt sich heute in der Stadt Wau für Binnenflüchtlinge ein. „Ich mag es, ihnen zu helfen. Als Mutter behandele ich die Kinder hier wie meine eigenen und gebe den Frauen wichtige Hygieneregeln mit auf den Weg“, so Juan Joice. Sie hat sich dafür entschieden, obwohl die Rahmenbedingungen selten ideal sind. In humanitären Krisen und Katastrophen herrschen oft schlechte hygienische Bedingungen. Darunter leiden nicht nur Kranke und Verletzte, sondern auch Frauen, die als Helferinnen im Einsatz sind.

Humanitäre Helfer arbeiten häufig unter Einsatz ihres Lebens

Der Welttag der Humanitären Hilfe geht auf den 19. August 2003 zurück. Damals starben 22 humanitäre Helfer bei einem tödlichen Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier. Die Vereinten Nationen begehen diesen Tag seit 2009 daher auch, um all jene zu ehren, die im Einsatz für Menschen in Not ihr Leben verloren haben. Laut dem aktuellen Aid Worker Security Report war 2018 das zweitgefährlichste Jahr für humanitäre Helfer seit Beginn der Erhebung 1997. 399 Helfer wurden im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt. Auch in diesem Jahr kam es bereits zu 156 Angriffen. Die gefährlichsten Länder für humanitäre Helfer sind Syrien, die DR Kongo und der Südsudan.

Zeinab Osman, Hebamme im Südsudan

Foto: Johanniter / Lambert Coleman

Zeinab Osman ist Mutter von sechs Kindern und seit 30 Jahren Hebamme. Nachdem die Johanniter eine Geburtenstation in der Ortschaft Kangi gebaut und im Februar 2018 feierlich eröffnet hatten, arbeitet sie dort und unterstützt Schwangere sowie junge Mütter. "Die Frauen haben vorher nicht viel über Geburten gewusst", sagt sie. "In entfernten Gebieten bringen viele Mütter ihre Kinder noch zu Hause zur Welt. Bei Komplikationen kann das für sie und das Kind sehr gefährlich werden." Zeinab trägt nun dazu bei, die hohe Mutterkindsterblichkeit in der Region zu senken.

Ichor Selina Kuya, Krankenschwester in Kenia

©Johanniter / Thomas Rommel

Ichor Kuya wollte bereits als kleines Mädchen Krankenschwester werden, um Menschen zu helfen. Gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Eltern machte sie eine Ausbildung und arbeitete zunächst als Freiwillige beim Kenianischen Roten Kreuz. Danach hat sie ihren ersten Job bei AICHM, der Partnerorganisation der Johanniter, angenommen: als Krankenschwester in Nakoyo im Nordenwesten Kenias. "Mädchen müssen immer gehorchen, das ist das Problem", sagt Ichor rückblickend. "Stattdessen sollten sie ihren Kopf durchsetzen. Eltern müssen lernen, das Mädchen mehr können als nur zu Hause zu sein und Kinder großzuziehen." Sie kann es: Ichor trägt die Verantwortung für die Behandlung der Patienten in der Krankenstation, hält Sprechstunden ab, untersucht Kinder und Erwachsene. Außerdem gibt sie Injektionen, macht Schnelltests z.B. für Malaria und koordiniert und trainiert Gemeindegesundheitshelfer, die neben Anwohnern auch viele Flüchtlinge aus anliegenden Lagern zur Seite stehen.

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