Weltwassertag: "Ohne Wasser geht nichts"

Berlin, 22. März 2019

Sie erinnern sich an den letzten Sommer? Der Norden Deutschlands litt unter Hitze und wochenlanger Trockenheit, im Süden hieß es vielerorts Landunter. Wetterextreme hielten uns in Atem. Sie gefährden bisher nicht unsere Versorgung. Moderne Bewässerungsmethoden bewahren Bauern vor einem kompletten Ernteausfall. Wir Konsumenten können Produkte aus anderen Bundesländern und Ländern kaufen, auch noch bei schwankenden Preisen. Auch können wir auf unser Grundwasser als Trinkwasserquelle zurückgreifen und sogar unser Abwasser wieder aufbereiten. Ganz anders sieht es in Ländern aus, die diese Kapazitäten nicht haben. Dort geht es oft ums Überleben.

Kenia: Auf Sand gebaut

Jeder Tropfen zählt: Die Turkana-Nomaden nutzen die knappen Wasserressourcen zur Landwirtschaft. ©Fassio/Johanniter

„Ich wünsche mir, dass auch die Kinder meiner Enkelkinder noch hier leben können und immer genügend Regen haben“, sagt Anna Lopii. Die 51-jährige Mutter gehört den Turkana-Nomaden im Nordwesten Kenias an. Zu eindrücklich sind ihre Erinnerungen an die letzten Dürren. Ganze Herden gingen 2011 zugrunde und damit auch die Existenzgrundlage vieler Menschen. Ohne Regen wuchs kein Gras und die Tiere verhungerten. Wer die Dürre überstand, musste oft von vorne anfangen.

Alternativen sind in der wüstenähnlichen Region Kenias nur schwer umzusetzen. Das Grundwasser ist vielerorts versalzen oder liegt viel zu tief unter Gesteinsschichten, um es nutzen zu können. Über Jahrhunderte passten die Turkana ihr Leben an die Umstände an. Die Johanniter unterstützen sie nun bei der Anpassung an den Klimawandel, der ihnen noch mehr abverlangt. 2012 begann die gemeinsame Suche nach langfristigen Überlebensstrategien an einem festen Standort. Der Ort Nasinyono wurde gegründet, übersetzt bedeutet er „Sand“. Statt allein vom Vieh abhängig zu sein, lernten die Turkana „Flood Farming“ nahe des Flusses Tarach.

Dabei nutzen sie Überflutungen, welche regelmäßig die Uferbereiche sättigen. Wenn die Fluten zurückgehen oder der Fluss bereits trocken ist, kann die wichtige Sorghum-Hirse noch genug Feuchtigkeit aus dem Boden für ihr Wachstum ziehen. Um die Speicherkapazität des Bodens zu verbessern, mischen die Turkana dem Erdreich zusätzlich spezielles Granulat bei. Jeder Tropfen zählt.

Heute bewirtschaften die Menschen bereits 120 Hektar. Wo einst Sand war, wachsen jetzt Gemüse und Hirse. 900 Familien können davon ihre Ernährung verbessern und Reserven anlegen. Das half ihnen, die verheerende Dürre 2017 zu überstehen. Ein erster Teilerfolg. Anders sah es mit der Trinkwasserversorgung aus, die 2017 vollends zusammenbrach. Die Johanniter organisierten Wasserlieferungen. Tanklaster befüllten den Dorftank mit Brunnenwasser, das aus fast 100 Kilometer Entfernung herangeschafft wurde, um die größte Not zu überbrücken. In den kommenden Jahren muss eine stabile Trinkwasserversorgung auch zu Dürrezeiten gelöst werden. Anderswo hat es bereits geklappt.

Ecuador: Überleben in Gemeinschaft

„Ohne Wasser geht hier gar nichts“, weiß auch Margarita Quilimbaquín nur all zu gut. Die Sonne steht hoch über dem Hang des Vulkans Cayambe. Mit zugekniffenen Augen blickt die Vorsteherin der Gemeinde Pucará aus dem andinen Hochland Ecuadors gen Himmel. „Bohnen, Kartoffeln, Brokkoli, Zwiebeln und Quinoa“, zählt sie mit einem Lächeln die Gemüsesorten auf, die auf ihrem Feld wachsen. Früher habe sie Sorgen gehabt, wenn die Sonne wie jetzt seit Tagen scheint. Das bedeutete oft keinen Regen und eine spärliche Ernte.

Das ist jetzt anders. Die Menschen nutzen ein Bewässerungssystem, das sie 2011 auf ihren Feldern mit finanzieller Hilfe und unter Anleitung der Johanniter installiert haben. Damals hatte die ganze Gemeinde angepackt und die Wasserrohre verlegt. Zusammen wurden hoch am Berg gelegene Wasserquellen eingefasst, um ausreichend Wasserdruck und –mengen zur Verfügung zu haben. Diese besondere Form der Gemeinschaftsarbeit namens "Minga" ist eine jahrhundertealte Tradition in Ecuador. Durch Tröpfchenbewässerung und wechselnde Anbauprodukte bleiben die Böden fruchtbarer und somit langfristig nutzbar. Margarita kann heute ganzjährig ernten und vielseitiger anbauen.

Das ist wichtig, denn das Hochland als großer natürlicher Wasserspeicher, der auch die Millionenstadt Quito mit sauberem Trinkwasser versorgt, ist gefährdet. Die tiefe Armut hat die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten gezwungen, Acker- und Weideflächen in immer höheren Bergregionen zu erschließen. Die Erosion der empfindlichen Böden ist stark gestiegen. Deshalb wurden gemeinschaftlich Ackerbau- und Weidegrenzen eingeführt. Durch eine nachhaltigere Nutzung der dann noch bestehenden  Ackerflächen  und Schutzzonen, kann die Entwicklung gestoppt und wieder mehr Wasser im Boden gespeichert werden.

Neben dem Wasser für die Landwirtschaft war im andinen Hochland die Versorgung mit sauberem Trinkwasser kaum entwickelt. „Wasser für den Eigenverbrauch entnahmen die Menschen vielerorts aus offenen Kanälen. Das ist durch Tierexkremente oder Chemikalien aus der Landwirtschaft oft verschmutzt. Viele Bewohner leiden dadurch an Haut- und Magen-Darm Erkrankungen“, erklärt Kirsten Wesenberg, Leiterin des Johanniter-Büros in Ecuador. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren über 3.000 Familien mit Hausanschlüssen für Trinkwasser versorgt, in diesem Jahr sollen es 5.400 Familien werden.

Damit die Leitungen und die Versorgung dauerhaft funktionieren und das Wasser sauber bleibt, zahlt jeder Haushalt je nach Familiengröße einen Grundbetrag für zukünftige Instandhaltungen. Die Familien ersparen sich langfristig so nicht nur langwierige und beschwerliche Märsche zur Wasserstelle, sondern auch zahlreiche hygienebedingte Krankheiten.

"Sauberes Wasser und sichere Abwasserentsorgung sollten nicht ein Privileg für Reiche und Menschen in Städten sein", brachte es einst Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation, auf den Punkt: Rund zwei Milliarden Menschen hatten keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 2018 zeigte am Beispiel der Millionen-Metropole Kapstadt, dass Wassermangel nicht vor modernen Städten haltmacht. Es ist ein globales Problem. Deshalb setzen sich die Johanniter weltweit dafür ein, das Menschenrecht auf sauberes Wasser für alle umzusetzen und zu bewahren.

Hintergrund "Weltwassertag"

Rund 2,1 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen kontinuierlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser - das ist fast jeder dritte Bewohner dieses Planeten. Ziel des 1993 von der UNESCO ins Leben gerufenen Weltwassertages (22. März) ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit aufmerksam zu machen. Die nachhaltigen Entwicklungsziele sehen vor, dass bis 2030 alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben. Fakt ist aber auch, dass 80 Prozent des Abwassers ungefiltert entsorgt werden und Erosion sowie Abholzung die Speicherkapazität der Böden verringern. Um das ergeizige Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen gefragt, welche den Schutz der Natur berücksichtigen. Die Wiederbelebung von Flußauen gehören genauso dazu wie konservierende Landwirtschaft, welche beispielsweise die Bauern in Ecuador betreiben.

Mehr Infos zu diesem Tag finden Sie auf Englisch hier.

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Ihr Ansprechpartner Mathias Wahler - Fachbereichsleiter Kommunikation Auslandshilfe

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