Hochwertige Gesundheitsversorgung für Anwohner und Flüchtlinge

Im Nordwesten Kenias bietet unsere Partnerorganisation AICHM seit mehreren Jahren Gesundheitsdienste an: Für die lokale Bevölkerung und dort lebende Flüchtlinge. Dies geschieht in Kliniken als auch durch Gesundheitshelfer in den Haushalten. Ziel ist eine stabile, koordinierte und hochwertige Gesundheitsversorgung. Der Fotograf Thomas Rommel hat das Projektgebiet im April 2019 besucht und schildert hier seine Eindrücke.

„In den nächsten drei Tagen werden wir von 800 Frauen und Kindern den Oberarmdurchmesser ermitteln und damit einen Eindruck ihres Ernährungszustands bekommen. Jene, die unterernährt sind, erhalten jeweils drei Pakete mit Zusatznahrung“, erklärt Marc Lomoru, der Manager von Klinik 2 in Kalobeyei. Er steht in der Tür zum Lager, in dem sich die Pakete mit Zusatznahrung bis unter die Decke stapeln. Es ist eine Lieferung des UN-Flüchtlingsprogramms UNHCR, das eng mit AICHM (Africa Inland Church Health Ministries), der Partnerorganisation der Johanniter, zusammenarbeitet. Neben Herrn Lomoru steht ein junger Mann mit einem Stapel Hefte in der Hand. Er schlägt eines auf, ruft den auf der ersten Seite verzeichneten Namen auf den Hof hinaus und eine junge Frau mit Baby auf dem Arm kommt herbeigelaufen. Ein anderer Kollege reicht ihr drei silbern eingeschweißte Pakete, die sie in einen Stoffbeutel steckt. Sie nimmt das Heft, aus dem Ihr Name verlesen wurde und macht sich auf den Heimweg. Ein weiteres Heft wird aufgeschlagen, eine andere junge Mutter kommt herbeigeeilt. Auch sie erhält die drei Pakete und verschwindet.

So geht es bereits seit drei Stunden ohne Pause. Die Nahrungsmittelpakete enthalten ein mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichertes Mehl, welches mit Wasser angerührt wird. Es kann als Brei gegessen oder aber anderen Speisen hinzugefügt werden. Alle Mütter mit Kindern unter sechs Monaten, als auch alle schwangeren Frauen erhalten diese Pakete einmal im Monat. Jene, bei denen eine Unterernährung diagnostiziert wurde, erhalten die Pakete in zweiwöchentlichem Rhythmus, bis sich ihre Körper erholt haben.

„Ohne Koordination geht es nicht“

Die Verteilung von Zusatznahrung, ist nur eine Aktivität von AICHM, an der aber die enge Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen deutlich wird. Die Not in kenianischen Kakuma, wo 150.000 Flüchtlinge aus acht Nationen Hilfe suchen, überschreitet die Fähigkeiten einzelner Organisationen. Nur durch gute Zusammenarbeit ist es möglich, den Menschen ein einigermaßen würdevolles Leben zu ermöglichen.

Ohne Koordination geht es nicht. Wir sind aufeinander angewiesen, um den Menschen in den Flüchtlingslagern, aber ebenso den ansässigen Familien effektive Hilfe bieten zu können“, sagt Beth Mburu.

Sie ist Medical Expert von AICHM und zuständig für die fachliche Koordination eines mit der Johanniter-Auslandshilfe durchgeführten und durch das Auswärtige Amt finanzierten Projektes. Frau Mburu, Mitte 30, hat unter anderem einen Abschluss in Public Health. Sie arbeitet bereits seit acht Jahren für AICHM. Ihr Büro ist eigentlich in Nairobi, aber zweimal im Monat macht sie sich auf den langen Weg nach Kakuma, um vor Ort ihr Team mit Rat und Tat zu unterstützen. Sie rotiert zwischen Büro, den beiden Kliniken, die AICHM unterhält, und einer Krankenstation in Nakoyo, die sich vor allem der ansässigen Bevölkerung widmet. Sie ist in jedem Büro, jedem Behandlungszimmer ein willkommener Gast und sie findet sogar Zeit, sich mit einigen Patienten, die die Kliniken besuchen, zurückzuziehen und sich nach deren Wohlergehen zu erkundigen.

Im physiotherapeutischen Behandlungszimmer sitzt sie zum Beispiel mit Peter Iligo, einem heute 32 Jahre alten Flüchtling aus dem Südsudan, den sie seit mehreren Monaten kennt. Sie erkundigt sich über die Genesung seines Beines. Peter hatte 2015 einen Motorradunfall, bei dem er sich den linken Oberschenkel gebrochen hatte. Zu dieser Zeit lebte er noch mit Frau und Kindern in Juba, der Hauptstadt Südsudans und arbeitete am Flughafen. Sein Einkommen war bescheiden, aber es reichte aus, die Familie zu ernähren. Das änderte sich nach dem Unfall.

Mit Bruch im Bein kam der Bruch im Leben

Peter Iligo floh mit seiner Familie aus dem Südsudan. Dank der Gesundheitsversorgung durch AICHM verheilt seine Verletzung. ©Thomas Rommel

Es gab keine Kliniken, die seinen Bruch hätten richten können und so quälte er sich über Monate unter furchtbaren Schmerzen durch die Tage. Er verlor seinen Arbeitsplatz und seine Familie konnte er nicht mehr ernähren. Der Knochen des Oberschenkels - gebrochen und verzogen - wuchs nicht zusammen. Die Enden rieben aneinander und jede Bewegung brachte unsägliche Schmerzen mit sich. 2016 schickte er Frau und Kinder zu seinen Eltern in die Region Equatoria, damit sie dort versorgt würden. Nur wenige Monate später verließ auch er Juba, denn die Kämpfe kamen immer näher. Peter fasste mit seiner Frau den Entschluss, Schutz im Nachbarland Kenia zu suchen. So erreichten sie Kakuma, die einst kleine und nur 10.000 Seelen zählende Gemeinde von der Grenze zum Südsudan entfernt.

Heute leben in Kakuma neben den 10.000 kenianischen Bürgern ebenso 150.000 Flüchtlinge in zwei gigantischen Lagern. Jede Familie lebt in einem kleinen 3x5 Meter großen Haus. Wetterfeste Planen bilden die Wände, die Dächer sind aus Wellblech. Bis zum Horizont reihen sich diese Häuser aneinander: Eine gigantische improvisierte Zufluchtsstätte, die seit den 1990er Jahren Zuhause für Menschen aus acht Nationen geworden ist. Viel Bewohner kommen neben dem Südsudan aus Äthiopien, Somalia, Burundi, oder der Demokratischen Republik Kongo.

Wieder für die eigene Familie sorgen können

Zeit zum Austausch muss sein: Beth Mburu von AICHM im Gespräch mit Peter Iligo. ©Thomas Rommel

Als Peter Iligo hier ankam, hörte er von den Kliniken, die vom Roten Kreuz und AICHM unterhalten wurden. Dort ließ er nach drei Jahren sein Bein das erste Mal professionell untersuchen. Seine Augen leuchten, seine Stimme verliert ihren ruhigen und gefassten Ton, Emotionen werden aufgewühlt, als er mit einem Lächeln weitererzählt: „Ich kam zu einem Orthopäden, der mich nach kurzer Untersuchung nach Lokichogio überwies. Dort können sie Röntgenbilder anfertigen. Am nächsten Tag fuhr ich also dorthin und kam mit den Bildern zurück. Der Arzt sagte nach dem Betrachten sofort, dass ich operiert werden würde“, so Iligo. Knapp einen Monat später lag er im OP der Missionsklinik in Kakuma. Der Bruch wurde gerichtet und eine Platte eingesetzt.

Mit der Entlassung nach drei Tagen wurde er an eine Physiotherapeutin von AICHM überwiesen. Bei seinem ersten Termin gab sie ihm ein paar Krücken, die seitdem treue Begleiter geworden sind. Aber vor allem ging es darum, die Bewegungsfähigkeit wiederherzustellen. Die Jahre unter Schmerzen haben Muskeln verkrampfen lassen, andere haben sich zurückgebildet. Die Gelenke sind träge geworden. Daran wurde nun intensiv gearbeitet. „In ein paar Wochen brauche ich nur noch eine Krücke und dann ist es nicht mehr weit, bis ich ganz auf sie verzichten kann.“ Beth Mburu meint, dass er dann mit seinem Sohn auch wieder Fußball spielen kann, woraufhin Herr Iligo in Lachen ausbricht und mit erhobenem Zeigefinger den Kopf schüttelnd verneint. „Fußball wird nie wieder gespielt, um das Bein nicht noch einmal zu brechen. Ich will nun lieber für meine Familie sorgen.“ Die Geschichte von Peter Iligo ist eine von vielen, die von der Arbeit von AICHM erzählen. Sie machen deutlich, dass nicht nur punktuell geholfen wird, sondern die Menschen einen langfristigen Partner an der Seite haben.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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