Ein Land voller Narben

Zyklon Idai hinterließ im März ein Bild der Verwüstung in Mosambik. Fast ein Jahr später sind noch immer viele Häuser beschädigt und ohne Dach. Zu groß scheint die Fülle der Aufgaben für eines der ärmsten Länder der Welt zu sein.

„Was in letzter Zeit passiert, verstehen wir nicht“, sagt selbst Luisa Juga. Die erfahrene 78-jährige Bäuerin lebt seit ihrer Geburt in der Siedlung Ingomai vom Ackerbau. Sie meint damit nicht nur den Zyklon Idai, der auch ihre Felder zerstörte, sondern die Veränderungen der vergangenen Jahre. Der Regen werde heute immer häufiger von Stürmen und Gewittern begleitet. Dagegen falle der Niederschlag in den heißen Perioden des Jahres immer öfter aus. Die Folge sind Dürren und ausgewaschene Böden, das Ergebnis davon geringe Ernteerträge und Hunger. „Wir leben auf gut Glück“, so Luisa Juga. Ihre Heimatregion in der Provinz Manica, die vom Handel mit dem nahen Nachbarland Simbabwe profitiert, macht auf den ersten Blick einen wirtschaftlich umtriebigen Eindruck. Auf dem zweiten Blick werden jedoch die vielfältigen Probleme sichtbar.

Hunger trotz landwirtschaftlicher Produktion

Abgesehen von wirtschaftlichen und politischen Problemen (siehe Kasten) gibt es immer weniger Waldflächen in der hügeligen Region. Durch Brandrodungen sind Ackerflächen gewonnen worden, welche langfristig jedoch die Böden durch Monokulturen auslaugen. Für Dünger reicht bei den meisten Menschen das Geld nicht. „Die Region hat eine Besonderheit: Wir produzieren hier die meisten landwirtschaftlichen Produkte des Landes, haben aber 42 Prozent Mangel- und Unterernährung in der Bevölkerung“, erklärt Ernesto Tuia, Leiter der Organisation Kubatsirana. Zum einen produzierten die Menschen für den Verkauf, zum anderen bestehe eine sehr einseitige Ernährung, was zu Mangelerscheinungen führe.

Bereits kurz nach dem Zyklon Idai verteilten Kubatsirana und die Johanniter neben Moskitonetzen und Hygienekits vor allem Saatgut und Werkzeuge an 1.000 Familien. In einem neuen Projekt werden nun weitere Saatgutverteilungen durchgeführt, die zusätzlich durch Schulungen zu neuen Anbaumethoden und Hygienetrainings begleitet werden. „Dadurch stärken wir die Gesundheit und Selbstversorgung der Menschen und damit auch deren Widerstandskraft“, erklärt Tuia.

Mit Saatgutverteilungen in Ingomai unterstützen die Johanniter den Neustart nach Idai. Foto: Thorsten Thor/ADH

Ernährungssicherung am dringlichsten

Das ist dringend nötig, denn laut den Vereinten Nationen sind 2,5 Millionen Menschen – rund 10 Prozent der Bevölkerung – auf Hilfe angewiesen.  Für 1,6 Millionen Menschen hat sich die Ernährungslage nach dem Zyklon enorm verschlechtert. Erschwerend kommen steigende Preise bei Grundnahrungsmitteln wie Mais durch die vergangene lange Trockenperiode hinzu, wodurch die Zahl weiter steigen kann.

Win-Win-Situation

Paula Inácio arbeitet jeden Tag daran, bald wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Die 40-jährige Bäuerin gehörte neben Luisa Juga zu 23 Familien in Ingomai, die unmittelbar nach Idai Saatgut erhielten. Einen Teil der Maissaat baute sie in den Niederungen ihres Ackers am Hang an, wo der Boden auch in der Trockenzeit noch genug Wasser gespeichert hatte. Während sie in der gerade beginnenden Regenzeit weiter oben Getreide aussät, stehen unten bereits hohe Maispflanzen, welche sie hoffentlich im Januar ernten kann. So überbrückt sie die größte Not und kann ihre zehn Kinder ernähren.

Für die Getreidesaat arbeitete sie auf dem Acker einer anderen Familie, die weniger Schäden durch Idai erlitt. Dort wurde sie mit dem Saatgut entlohnt. „Eine Win-Win-Situation“, sagt Paula optimistisch lächelnd trotz ihrer Notlage. Denn auch alle Bananenstauden, Zuckerrohr und Süßkartoffeln gingen durch Idai verloren, und die Böden sind in den Niederungen durch die Wassermassen versandet und weniger produktiv. Ihr Wunsch ist es, wieder genug zu produzieren, um einen Teil davon verkaufen zu können. Das neue Projekt wird sie darin in den kommenden Monaten unterstützen, auch wenn der Weg dahin für viele Familien in Mosambik noch weit ist.

Fakten zu Mosambik:
Wie andere afrikanische Länder auch, zahlte Mosambik mit dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft einen hohen Preis für die gewonnene Unabhängigkeit. Krieg, ausufernde Korruption und wirtschaftlicher Niedergang setzten seit den achtziger Jahren eine Abwärtsspirale in Gang. Laut dem Human Development Index zählt Mosambik zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Politisch ist die zentralmosambikanische Provinz Manica aufgeladen, denn sie gehört zum Einflussgebiet der oppositionellen Partei RENAMO. Diese wirft der Regierungspartei FRELIMO vor, bei den Wahlen im Oktober massiv betrogen zu haben. Jüngste bewaffnete Zwischenfälle, die Splittergruppen zugeordnet werden, lassen an die blutige Vergangenheit erinnern. Besonders in den achtziger Jahren war die Region Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern, dem zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Bis heute hat sich das Land nicht von den langwierigen Folgen dieses Konflikts erholt.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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