Kinder durch die größte Not bringen

Seit Oktober 2017 leiten die Johanniter im größten Flüchtlingscamp der südsudanesischen Stadt Wau ein medizinisches Stabilisierungszentrum. Zeitweise suchten mehr als 40.000 Menschen in dem Lager Schutz vor der Gewalt, das von der UNO verwaltet wird. Tausende weitere Menschen sammelten sich auf Kirchengeländen in der Stadt, die selbst vor gewaltsamen Unruhen nicht verschont bleibt.

Im Stabilisierungszentrum werden Kleinkinder unter fünf Jahren behandelt, deren Leben durch schwere Unterernährung und damit einhergehende medizinische Komplikationen bedroht sind. Sie erhalten nährstoffreiche Aufbaunahrung und Medikamente, um ihr Gewicht zu erhöhen und unter professioneller Obhut schnell wieder gesund zu werden. Die Ärzte behandeln aber auch Kinder mit gewöhnlichen Krankheiten aus der Nachbarschaft des Lagers. Viele Familien nehmen den Weg aus umliegenden Dörfern in Kauf, denn im Zentrum erhalten sie eine professionelle und kostenlose Behandlung, die vielerorts nicht oder nur unzureichend existiert. Mehr als 360 Konsultationen wurden in den ersten zwei Monaten unter Johanniter-Leitung im Zentrum durchgeführt, 30 Kinder wurden stationär aufgenommen, um sie zu behandeln. Der Fotograf Lambert Coleman hatte Ende 2017 die Einrichtung und die Menschen dort besucht.

Der drei Wochen alte Opio leidet an Durchfall und schwerem Husten. Seine Mutter Adut hat ihn zur Behandlung ins Zentrum gebracht, wo sie sieben Nächte mit ihrem Kleinen übernachtet hat. Sie leben in einem nahen Wohngebiet, ihr man arbeitet als Polizist. Trotz ihrer stabilen Situation sind sie wegen der besseren Qualität ins Lager gekommen, um ihren Sohn von den Johanniter-Ärzten im Stabilisierungszentrum behandeln zu lassen.

Asuna Andrea (27) und ihr Sohn John Daniel: Die Mutter brachte ihren zweijährigen Jungen nach tagelangem Fieber ins Zentrum. Sie wohnen nur 100 Meter vom Zentrum entfernt. Bei ihm wurde bereits das zweite Mal Malaria diagnostiziert. Nach der ärztlichen Diagnose erhielt er Medikamente, bei der Folgekontrolle ging es ihm schon deutlich besser.

Der Sohn von der 17-jährigen Maryam ist erst fünf Tage alt und hat seit der Geburt Fieber. Beide bleiben zur Beobachtung im Stabilisierungszentrum. Die junge Mutter ist arbeitslos und lebt erst seit kurzem im Lager. Ihr Baby hat noch keinen Namen. Sie sagt, dass die Familie des Vaters ihm erst dann einen Namen geben wird, wenn beide geheiratet haben.

Der Zugang zu funktionierenden Gesundheitseinrichtungen ist im Südsudan sehr begrenzt. Nur knapp der Hälfte der Einwohner steht eine Einrichtung im Radius von 5 Kilometer zur Verfügung. Besonders für Mütter und Kleinkinder bedeutet diese Situation ein erhöhtes Risiko.

Vor allem die Gewalt haben in den letzten Jahren mehr als drei Millionen Südsudanesen flüchten lassen. Während die eine Hälfte mehr Sicherheit in den Nachbarländern sucht, zieht es die andere Hälfte vor allem in städtische Flüchtlingslager. Das Lager in Wau ist eines der überfülltesten des Landes.

Doktor Roger ist der verantwortliche Arzt für das Stabilisierungszentrum in Wau. Er studierte im Nachbarland Uganda Medizin und kehrte zurück, um den Menschen in seinem Heimatland zu helfen. Keine Normalität: Nur rund zwei Prozent des Haushalts fließen in die Gesundheitsversorgung, Fachkräfte werden unregelmäßig und schlecht bezahlt. Minderqualifizierte Gesundheitshelfer führen vor allem auf dem Land ärztliche Aufgaben durch.

Eindrücke aus dem Flüchtlingslager in Wau im Video:

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