Ausbildung von Hebammen für sichere Geburten

Im Jahr 2012 begann die Johanniter-Auslandshilfe mit der Unterstützung eines Ausbildungsprogramms für Hebammen in der afghanischen Provinz Balkh, um die alarmierende Mutter-Kind-Sterblichkeit im Land zu reduzieren. Anfang 2018 startete der dritte Ausbildungszyklus in der Provinz Takhar, um 30 Hebammen anzulernen, die in Zukunft in ihren ländlichen Gemeinden sichere Geburten durchführen sollen.

Kaum ein Land auf der Welt ist so wenig geeignet wie Afghanistan, um Mutter zu werden. Noch vor wenigen Jahren starb dort laut UNICEF alle zwei Stunden eine afghanische Frau während der Schwangerschaft, da die Gesundheitsversorgung vielerorts nicht funktionierte. Besonders erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass sich Frauen in der konservativen islamischen Gesellschaft nur in die Behandlung einer Ärztin begeben. Doch weibliche Fachkräfte gab es in der Vergangenheit fast nicht. Zumindest bisher, denn einiges hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren getan.

1000 Hebammen für bessere Mutter-Kind-Gesundheit

Das afghanische Gesundheitsministerium setzte ein Programm zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung auf. Im Mittelpunkt standen schwangere Frauen und Neugeborene. Das erklärte Ziel: 1000 Hebammen sollten ausgebildet werden, um besonders  in den ländlichen Regionen gesundheitsrelevante Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehören unter anderem die Früherkennung von Komplikationen bei der Schwangerschaft, die Einhaltung und Umsetzung von Hygienestandards, die Förderung des Stillens und einer Familienplanung. Die Johanniter-Auslandshilfe unterstützt diese Initiative seit 2012 gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation AADA (Assistance and Development of Afghanistan) und mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ). Im Jahr 2013 wurde im Rahmen dieser Arbeit auch eine Mutter-Kind-Klinik nahe Kabul eingeweiht.

Bis Anfang 2017 konnten insgesamt bereits 93 Hebammen ausgebildet werden, die alle aus abgelegenen Dörfern der nördlichen Provinz Balkh stammten. Wie Masooda, die im Gesundheitszentrum von Balkh als Hebamme angestellt ist. „Seitdem ich hier arbeite, kommen mehr Patienten in das Krankenhaus. Ich fühle mich durch meine neuen Fähigkeiten selbstbewusster und gestärkt, wofür mir meine Kollegen Respekt zollen. Auch wegen der zusätzlichen Aufgaben, die mir anvertraut werden“, berichtet Masooda stolz. Sie arbeitet auch nach Feierabend oft in ihrer Nachbarschaft als Hebamme und hilft so ihren Mitmenschen.

Auch Negina hatte 2014 die Hebammenausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem in einer Gesundheitsstation. Sie hat bereits über 740 Müttern bei der Geburt beigestanden. Gefragt nach ihrer Motivation, sich für eine Hebammenausbildung zu entscheiden, antwortete sie:

„Eine meiner Verwandten starb bei der Geburt ihres Kindes und das war für mich der ausschlaggebende Punkt, mich für die Hebammenausbildung zu bewerben. Ich hoffe, dass ich durch meine Ausbildung zukünftig verhindern kann, dass die Frauen aus meinem Dorf während der Geburt sterben.“

Ausweitung der Hebammenausbildung auf Provinz Takhar

Das Engagement auf nationaler Ebene der letzten Jahre in diesem Bereich hat Wirkung gezeigt: Lag die Müttersterblichkeit bei Lebendgeburten 2002 laut dem afghanischen Gesundheitsministeriums noch bei 1600 pro 100.000 Lebendgeburten, sank diese Rate bis 2014 auf 327. Die Johanniter werden auch in Zukunft ihren Beitrag dazu leisten. Anfang 2018 wurde die dritte Phase der Hebammenausbildung auf die Provinz Takhar verlagert. Dort werden in den kommenden drei Jahren 30 Hebammen ausgebildet, die nach Abschluss ihrer Ausbildung rund 45.000 Menschen in ihrer Region vor, während und nach der Geburt professionell betreuen können. Das Projekt wird finanziell vom BMZ unterstützt.

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Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Linda Zimmermann

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